Wann darf man Benperidol (Glianimon) nicht einnehmen?

Benperidol ist ein hochwirksames antipsychotisches Medikament, das vor allem bei akuten psychotischen Syndromen, Delirien oder starken Erregungszuständen eingesetzt wird. Die Verordnung ist stets gut abzuwägen.

Stärkste Dopaminblockade

Heutzutage wird Glianimon® fast nur noch zur Akuttherapie in Notfallsituationen herangezogen, wo es jedoch oft gute Dienste leistet. Von allen Antipsychotika hemmt es bestimmte Dopaminrezeptoren am stärksten. Damit kann es Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen wirksam eindämmen. Der Preis dafür ist jedoch hoch und manchmal nicht zu vertreten.

Das Spektrum an möglichen Nebenwirkungen ist lang und gravierend. Es können verschiedene Bewegungsstörungen auftreten, die vor allem bei einer längeren Behandlung in hoher Dosis dauerhaft bestehen bleiben können. Auch das Herz-Kreislauf-System ist gefährdet. Der Blutdruck kann abfallen, das Herz schneller schlagen oder aus dem Takt geraten. Außerdem kann der Blutzucker ansteigen und das Gewicht deutlich zunehmen.

Die Liste ließe sich weiter fortführen. Wichtig an dieser Stelle ist aber vor allem ein grundsätzliches Tabu für die Einnahme von Benperidol: Das ist zum einen der Morbus Parkinson, zum anderen ein sogenanntes malignes neuroleptisches Syndrom in der Vorgeschichte.

Kein Benperidol bei Morbus Parkinson

Bei der Parkinson-Erkrankung ist ebenfalls das Dopaminsystem gestört. Allerdings ist dabei im Gegensatz zur Schizophrenie nicht zu viel von dem Botenstoff vorhanden; es herrscht ganz im Gegenteil ein Mangel an Dopamin, was zu den bekannten Bewegungseinschränkungen führt, die stetig fortschreiten.

So erklären sich auch die Nebenwirkungen der Antipsychotika. Unter der Behandlung können genau die Symptome auftreten, die für den Morbus Parkinson typisch sind: Zittern, Muskelsteifigkeit, eine eingeschränkte Mimik und Feinmotorik etc. Für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, ist Glianimon® daher gänzlich ungeeignet.

Gefürchtet: das maligne neuroleptische Syndrom

Ein malignes neuroleptisches Syndrom ist die bedrohlichste Nebenwirkung einer Therapie mit Antipsychotika. Sie kann grundsätzlich durch sämtliche Präparate dieser Substanzklasse hervorgerufen werden, ist aber zum Glück sehr selten. Meist tritt sie zu Beginn der Behandlung auf und betrifft vornehmlich junge Männer. Fieber, Bewusstseinsstörungen und eine Versteifung der Muskulatur sind Warnhinweise und erfordern eine sofortige intensivmedizinische Behandlung.

Wenn es bei Ihnen in der Vergangenheit bereits zu einem solchen dramatischen Ereignis gekommen ist, dürfen Sie Benperidol nicht einnehmen.

Auch bei einer eingeschränkten Leberfunktion oder Vorerkrankungen am Herzen ist Vorsicht geboten. Bekannte Epilepsien oder hirnorganische Erkrankungen können ebenfalls kritisch sein. Allerdings ist im Notfall immer abzuwägen. Hier gilt es, akut Schaden vom Betroffenen abzuwenden.

Hochpotente Antipsychotika sind mit Sicherheit alles andere als harmlos. Akut können sie jedoch sehr entlastend sein. Problematisch ist vor allem die langfristige Behandlung, die stets gut abgewogen werden muss. Hier gibt es weitaus besser geeignete Mittel als Benperidol.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (1)
Erfahrungen mit Glianimon
1 Samstag, den 23. Juni 2018 um 08:36 Uhr
Silke Fluchtmann
Vor 28 Jahren habe ich mich selbst in die Psychiatrie eingewiesen. Lieber wäre ich zu einem Schamanen gegangen, kannte jedoch keinen. Dort, in der Psychiatrie, gab man mir direkt die Höchstdosis an Glianimon.
Zwar fühlte ich mich dadurch ausgeschaltet und meiner Verbindung nach oben und unten komplett beraubt - also vom Leben völlig abgeschnitten - jedoch ging es mir dadurch nicht besser. Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, innerlich in ein dunkles, tiefes Loch zu fallen und nicht einmal in der Lage zu sein, meinen Zustand nach Aussen hin zu kommunizieren, da ich komplett im Kopf gelähmt war. Ich fühlte mich eher wie ein Roboter, innerlich leer und von den Gefühlen her verarmt, weil abgeschnitten. Und ganz davon abgesehen, dass ich kaum mehr stehen noch längere Zeit sitzen konnte. Zudem war ich von einer ständigen inneren Unruhe getrieben, während zuvor das Leben durch mich durch floss.
Psychiatrie war also für mich keine Hilfe, sondern ein Verhinderer von Hilfe.
Ich habe mir später selber geholfen. Allerdings musste zuvor das Traumata Psychiatrie mit einem Psychiater und Psychotherapeuten aufgearbeitet werden. Im Nachhinein wurde es damals jedoch als Fehldiagnose betrachtet.
Es ist eine Crux, dass westlich geprägtes wissenschaftliches Denken nicht dazu geeignet ist, die tiefen Pfade der Seele nachzuvollziehen geschweige denn, zu ihrer Heilung beizutragen. Mit Medikamenten, die vom Leben abschneiden, sicherlich nicht. Das ist jedoch symptomatisch für eine Gesellschaft, die sich von ihrer natürlichen Lebensweise derart weit entfernt.
Haldol ist noch grausamer und als Foltermittel geeignet. Leider ist man komplett ausgeschaltet, so dass man die innere Qual nach Außen hin nicht wahr nehmen kann.