Erstmalig Schizophrenie: Wie effektiv ist die medikamentöse Behandlung?

Bei etwa einem Drittel aller Menschen mit erstmalig aufgetretener Schizophrenie gelingt es, die Beschwerden komplett zum Verschwinden zu bringen. Die psychische Gesundheit wird also vollständig wiederhergestellt.

Bei einem weiteren Drittel können die Symptome mit Medikamenten zumindest eingedämmt werden. In 20-30 % aller Fälle besteht eine sogenannte Therapieresistenz. Hier bringt die antipsychotische Behandlung keinerlei Besserung.

Akut gut wirksam, chronisch weniger

Soweit die nüchterne Statistik. Auf den ersten Blick mag das Ergebnis frustrierend wirken. Führt man sich jedoch vor Augen, dass es vor Einführung der Antipsychotika keinerlei wirksame Behandlung der Schizophrenie gab, sind die Substanzen doch ein erheblicher Zugewinn für viele Betroffene. Gerade akute Psychosen mit ausgeprägten Positivsymptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen sprechen oft gut auf die medikamentöse Therapie an. Manchmal gelingt es, die Symptome damit dauerhaft zu beseitigen.

Aber eben leider nicht immer. Es gibt Krankheitsbilder, die eher schleichend beginnen, chronisch verlaufen und sich nicht mehr vollständig zurückbilden. Hier bringen auch Antipsychotika in der Regel keine vollständige Heilung. Gleichwohl mildern sie Krankheitsschübe, die immer wieder auftreten können, oft zumindest deutlich ab. Außerdem können sie den weiteren Verlauf positiv beeinflussen, indem sie die Erkrankung stabilisieren und vor Rückfällen schützen (Rezidivprophylaxe).

Kein schlechter Schnitt

Es gibt auch im Bereich der sogenannten somatischen (körperlichen) Medizin viele chronische Erkrankungen, die nach wie vor nicht heilbar sind. Dazu gehören etwa Stoffwechselkrankheiten, autoimmune und chronisch-entzündliche Erkrankungen. So betrachtet steht es um die Effizienz der medikamentösen Therapie bei der Schizophrenie gar nicht so schlecht – immerhin richten sie bei etwa zwei Dritteln aller Betroffenen etwas aus. Das ist im Vergleich zu manchen anderen Krankheiten nicht wenig.

Und dennoch bleiben die 20-30 %, die von der Behandlung nicht profitieren, dafür aber dennoch häufig mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind es vor allem, die für den schlechten Rufe der Antipsychotika verantwortlich sind. Denn auch wer auf die Behandlung anspricht, kommt an ihnen oft nicht vorüber.

Es bleibt eine Herausforderung

Doch auch hier ist festzuhalten: Es gibt in der Medizin kein Medikament, das gänzlich ohne Nebenwirkungen auskommt. Gerade bei einer langfristiger Gabe ist neben den positiven Effekten oft mit allerlei Einschränkungen zu rechnen, die gut abgewogen werden müssen. Dasselbe gilt auch bei der Schizophrenie. Der Arzt muss zusammen mit dem Betroffenen die Behandlung finden, die hilft, ohne zu viel Schaden anzurichten – keine leichte Aufgabe.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (3)
Mein Sohn ist in Behandlung (Reha)
3 Donnerstag, den 31. Mai 2018 um 20:27 Uhr
Gretel
Mein Sohn hatte alles erreicht: Hochzeit, Haus, 2 Kinder, Selbstständigkeit (aber viel Stress durch Arbeit), eine Frau die Karriere macht und Kinder. Dann brach er zusammen: Scheidung! Und jetzt Reha!
Open Dialog in Finnland
2 Samstag, den 21. April 2018 um 00:25 Uhr
...
20%? Das ist echt erbärmlich! In Finnland haben über 80% der Patienten eine Remission ohne Medikamente, ohne Blödheit und ohne "den Rape" in der asozialen Psychiatrie.
mein Sohn
1 Mittwoch, den 15. Juni 2016 um 23:51 Uhr
irena
Mein Sohn ist 21 Jahre und hat paranoide Schizophrenie. Es ist wirklich hart. Ich kann ihm nicht beibringen, dass er medizinische Versorgung braucht. Kann mir noch jemand etwas darüber sagen? Jeden Rat und Hilfe würde ich nehmen.
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