Gibt es bei einer Schizophrenie eine Alternative zur medikamentösen Behandlung mit Neuroleptika?

Nein, es gibt keine Behandlung mit oder ohne Medikamente, die schizophrenen Menschen in der Akutphase soviel Nutzen bringt wie die mit Neuroleptika. Zumindest keine anerkannte.

Im Akutfall unübertroffen

Wissenschaftlich nüchtern betrachtet ist die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie mit Antipsychotika von allen Verfahren am besten belegt. Gerade in der Akutbehandlung ist ihr Stellenwert unbestritten. Im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) sind sie deutlich überlegen und bringen damit vielen Betroffenen in einer schweren, oft bedrohlichen und quälenden Psychose erhebliche Erleichterung.

Eine frühzeitige adäquate Behandlung ist auch für den weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidend. Je früher eine Schizophrenie erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Das liegt vermutlich an den Veränderungsprozessen im Gehirn, die mit psychotischen Schüben einhergehen. Medikamente schirmen das Gehirn quasi ab und schützen es so vor schädlichen Einflüssen.

Psychotherapie und Soziotherapie als Ergänzung

Was diese rasche und effektive Wirkung in der Akutphase anbelangt, gibt es tatsächlich keine adäquate Alternative zu den Neuroleptika. Mit Abflauen der Akutsymptomatik rücken jedoch andere therapeutische Verfahren mehr und mehr in den Vordergrund. Zum einen sind die Betroffenen dann zugänglicher dafür, zum anderen sollte eine Langzeittherapie mit Medikamenten möglichst umgangen werden, um Nebenwirkungen und Spätfolgen zu vermeiden.

Die weiteren Therapiebausteine bei der Schizophrenie umfassen die Psychotherapie und die Soziatherapie. Sie sollten jedoch weniger als Alternative betrachtet werden, sondern vielmehr als Ergänzung. Schizophrene Erkrankungen sind äußerst komplex, was sich auch in der Behandlung wiederspiegelt. Zwar stehen je nach Krankheitsphase verschiedene Verfahren im Vordergrund; die Behandlung ist jedoch stets mehrdimensional, umfasst also verschiedene Strategien.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (5)
Alternativen zu Psychopharmaka
5 Mittwoch, den 07. März 2018 um 14:40 Uhr
Unwissender
Sehr geehrte Kollegen,
es gibt durchaus Alternativen zu Psychopharmaka. Schauen Sie sich doch mal bei unseren finnischen Kollegen um. :https://www.youtube.com/watch?v=HDVhZHJagfQ
Meningitis
4 Donnerstag, den 18. Februar 2016 um 17:43 Uhr
Frage
werden alle Patienten auch darauf getestet?
Tochter
3 Mittwoch, den 14. Mai 2014 um 17:59 Uhr
schönfeldt
Die Medikamente werden in der Klinik in hoher Dosis einfach verabreicht! Das empfinden der Patienten wird dann als normal angesehen und das geht wieder weg, das ist nur vorrübergehend!!!!!!!! Es wird auch nicht darauf eingegangen, dass es in früherer Zeit mit diesem Medikament schon zu Selbstmordversuchen kam!!!!!
Es war nicht möglich, bei der Visite Einfluss auf die Verabreichung und die Nebenwirkungen zu bekommen. Vielmehr wird die Dosis noch erhöht, dass es zu Verkrampfungen der gesammten Muskulatur und zu krankhaften Erscheinungen kommt, wie Grippe, Schlaflosigkeit, Magenschmerzen, Einbildung, beleidigend und aggressiv zu wirken, das Gefühl, jemand töten zu müssen, usw.!
Nun, für diese Symtome wurde das Medikament nicht abgesetzt; sondern für jedes einzelne ereignisreiche Gefühl der Nebenwirkungen ein weiteres zusätzliches Medikament verabreicht!!!!! nun ist meine Tochter bei vorher 1er Tablette inzwischen bei 13 Tabletten angekommen; x 30 Tage ergibt das gegenüber dem ersten Medikament eine Tablettensteigerung von 360 Tabletten im Monat! 4 Monate hat sie es geschaft; aber dann passierte das logische Prinzip, dass sie nicht mehr wusste, welche und wie viel habe ich nun schon an Tabletten genommen!
Jetzt ist sie daher wieder im Krankenhaus und der Einfluss auf dieses Medikament stellt einen Durchzug bei den Ärzten dar! Da stellt sich mir die Frage, ob die Ärzte nicht schon selbst Psychophamrmaka nehmen, weil dieses ja die Sinne trübt!!!!!!!!!!!!
leider kaum Alternativen zu Neuroleptika
2 Dienstag, den 26. März 2013 um 08:57 Uhr
Navigator-Redaktion
Hallo Herr Obergfeil,

wir teilen Ihre skeptische Haltung zu immer höher dosierten Medikamenten. Und es ist eine Tatsache, dass damit viel Geld verdient wird.
Im Falle einer akuten Schizophrenie-Phase mit belastenden Halluzinationen oder Wahnvorstellungen ist es aber für den behandelnden Arzt auch sehr schwierig, weil es praktisch keine Alternativen zu den gängigen Medikamenten gibt. So kann er nur das Neuroleptikum wechseln oder die Dosis erhöhen. Man kann das ein wenig hilflos nennen, aber was soll der Arzt in dem Augenblick tun, wenn es keine gute Alternative gibt?
Langfristig ist sicherlich immer auch eine Möglichkeit, es mit psychotherapeutischen Ansätzen zu versuchen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir mehr dazu nicht sagen können. Konkrete Empfehlungen dürfen wir nicht geben, ohne Ihre Partnerin persönlich zu kennen, das wäre sonst auch unseriös.
Am besten ist sicher das Gespräch mit einem anderen Arzt vor Ort, um eine Zweitmeinung zu bekommen.

Viele Grüße und alles Gute
Dr. med. Jörg Zorn (vom Navigator-Team)
Psychose meiner Partnerin
1 Sonntag, den 17. März 2013 um 09:47 Uhr
Klaus Jürgen Obergfell
Meine Frau nimmt schon seit 1998 Neuroleptika ein, damals Clopixol und Akineton, Sie war in Deutschland 6mal in der Psychiatrie, zur Zeit ist sie stationär hier in Istanbul in einer Klinik. Sie ist Istanbulerin, zur Zeit bekommt sie Xeplion 100 mg und noch Tabletten, Sie hat versucht, die Medikamente vor drei Monaten abzuset-
zen und kam prompt wieder in die Psychiatrie. Ich meine als Partner, dass es gefährlich ist, dass sie immer höher dosierte Neuroleptika braucht. Die deutsche Gesellschaft Soziale Psychiatrie sagt, bei einer jahrelangen Einnahme von Neuroleptika ist mit einer Lebensverkürzung von bis zu 25 Jahren zu rechnen, das ist nicht
akzeptabel, und es drängt sich der Verdacht auf nach einem Milliardengeschäft. Können Sie mir einen Rat geben?
Klaus Jürgen Obergfell
E-Mail:klaus-melis@web.de
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