Was versteht man bei Schizophrenie unter einer Soziotherapie?

Besonders Menschen mit chronischer Schizophrenie bedürfen vielfältiger Hilfen, um am Leben teilhaben zu können. Dazu gehören Selbstbestätigung, Arbeit und soziale Kontakte. Auch die Wohnsituation muss geregelt werden. Es muss eine entsprechende Nachsorge gewährleistet sein wie auch das Erkennen von Krisensituationen und die Einleitung entsprechender Hilfe.

Zurück in den Alltag

Eine schwere schizophrene Krankheitsphase muss manchmal stationär in der Klinik behandelt werden. Umso wichtiger ist es, die Betroffenen danach wieder in den Alltag und ihr gewohntes soziales Umfeld zu integrieren. Dabei soll die Soziotherapie helfen. Sie beginnt bereits im Krankenhaus bzw. der Tagesklinik und wird bei Bedarf auch nach der Entlassung fortgeführt.

Zur Soziotherapie gehören u.a. folgende Maßnahmen:

  • Beschäftigungs- und Ergotherapie
  • Training sozialer Fertigkeiten
  • Freizeitgestaltung
  • rehabilitative Maßnahmen
  • beschützte/betreute Wohnformen
  • Angehörigenarbeit

Klare Rahmenbedingungen

Bei der Soziotherapie sind viele verschiedene Bereiche und Träger miteinbezogen, die alle gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Schon in der Klinik sollte ein umfassender Behandlungsplan angelegt werden, der sämtliche sozialen Aspekte einbezieht, damit die Betroffenen auch nach der Entlassung im Alltag zurechtkommen.

Das fängt bereits mit einer festen Tagesstruktur an. Jeder Einzelne bekommt einen Wochenplan, in dem seine Termine über den Tag verteilt eingetragen werden. Dieser feste äußere Rahmen ist sehr wichtig für die eigene Stabilität und Sicherheit.

Leben und Wohnen, Freizeit und Beruf

Im ambulanten Bereich sind vor allem eine geeignete Wohnform und ggf. eine berufliche Wiedereingliederung wichtig. Beratung und Unterstützung bieten neben niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten auch der sozialpsychiatrische Dienst, gemeindepsychiatrische Zentren und Begegnungsstätten. Es gibt verschiedene Angebote des betreuten bzw. beschützten Wohnens (beschützte Einzelwohnung, Wohngruppe, Wohnheim) sowie berufliche Rehamaßnahmen (stufenweise Wiedereingliederung, beschützte Werkstatt, Hilfe bei der Berufsfindung und Arbeitserprobung).

Die Soziotherapie ist sehr umfassend und vielfältig und sollte stets an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet sein. Viele kommen nach der Entlassung aus dem psychiatrischen Krankenhaus wieder gut zurecht; andere brauchen viel Unterstützung, Begleitung und eine geborgene Umgebung. Das Ziel ist immer, die Betroffenen in ihrer Eigenständigkeit zu fördern und ihnen trotz der Erkrankung zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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