Was bedeutet Ich-Störung?

Menschen mit einer Ich-Störung erleben die normale Grenze zwischen dem Ich, also der eigenen Person und der Umwelt anders als gesunde Menschen.

Auflösung der inneren Einheit

Normalerweise erleben wir unsere inneren seelischen Vorgänge als dem eigenen Ich zugehörig. Wir identifizieren uns mit dem, was wir erleben und verarbeiten, mit unseren Gemütszuständen und den Handlungen, die daraus entspringen. Gleichzeitig grenzen wir uns mit unserer eigenen Individualität von der äußeren Umwelt und anderen Menschen ab.

Bei der Schizophrenie kann sich diese Einheit, die "Ichzugehörigkeit" des Erlebens, auflösen. Innere Empfindungen, Gedanken, Gefühle und Handlungen, aber auch Teile des eigenen Körpers werden dann als unwirklich und fremd erlebt. Die Betroffenen können keinen Bezug mehr zu sich selbst herstellen. Auch die Umgebung, bestimmte Gegenstände und andere Personen können können verändert wahrgenommen werden und unbekannt erscheinen.

Bei solchen Entfremdungserlebnissen unterscheidet man zwei Formen:

  • Depersonalisation: Entfremdung des eigenen Ich (innerseelisch und/oder körperlich)
  • Derealisation: Fremdartigkeit der Umwelt

Kontrollverlust und verschwimmende Grenzen

Wenn die eigene innere Einheit verlorengeht, können seelische Zustände und Vorgänge als von außen gemacht und beeinflusst wahrgenommen werden. Die Grenze zwischen dem Ich und der äußeren Umwelt, die entscheidend für die Festlegung der eigenen Individualität ist, löst sich auf und wird durchlässig. Solche Erfahrungen können zutiefst beängstigend sein. Die Betroffenen sind nicht mehr Herr über ihr eigenes inneres Erleben und ihr Tun, sondern fühlen sich mechanisch und wie von außen gesteuert.

Zu den Beeinflussungserlebnissen im Rahmen von Ich-Störungen gehören:

  • Gedankenentzug: Gefühl, als ob die Gedanken von außen, einer anderen Person oder einer fremden Macht weggenommen werden
  • Gedankenausbreitung: Die eigenen Gedanken scheinen nicht mehr nur sich selbst zugänglich, sondern können auch von anderen ganz offen gelesen werden.
  • Gedankeneingebung: Die eigenen Gedanken wirken wie von außen gemacht und eingegeben.
  • Gedankenlautwerden: Hören der inneren Gedanken oder Gefühl, dass andere die inneren Gedanken direkt hören können
  • Fremdbeeinflussung: Gefühle, Gedanken, Bestrebungen und Handlungen werden als von außen gesteuert wahrgenommen.

Nicht nur bei der Schizophrenie

Ich-Störungen sind ein typisches Symptom der Schizophrenie, können aber auch bei anderen psychischen Störungen oder Zuständen vorkommen, etwa bei Hirnfunktionsstörungen oder nach dem Konsum von Drogen. Kurzfristig können sie auch bei starker Erschöpfung oder intensivem inneren Erleben auftreten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (2)
Ich
2 Freitag, den 27. Mai 2016 um 00:19 Uhr
Yunus
Ich ist Selbstvertrauen, Können, Ängste bekämpfen,
Erst dann kommt Wir, Ihr, Sie. An sich selbst glauben.
Das ist so irreführend.
1 Dienstag, den 24. Mai 2016 um 20:52 Uhr
Hänsl
Eine Ichstörung ist nicht mit Telepathie, Empathie oder Medialität, die es auch gibt, gleichzusetzen. Sondern eine störende Belästigung durch Auflösung der Grenzen mit wahnhaftem, störendem, Inhalt (Gedankeneingebung, Entzug, Ausbreitung.), der von anderen und der Person als störend wahrgenommen wird.
Anzeigen