Was ist unter Denkstörungen zu verstehen?

Denkstörungen sind ein Symptom der Schizophrenie. Man unterscheidet formale von inhaltlichen Denkstörungen. Wenn jemand z.B. verlangsamt, umständlich oder zerfahren denkt, ist das eine formale Störung. Leidet er dagegen unter Wahnvorstellungen, ist der Inhalt seines Denkens gestört. Natürlich kann auch beides gleichzeitig auftreten.

Zäh, verworren und sprunghaft

Bei den formalen Denkstörungen ist also der Denkablauf gestört. Es geht um das „Wie“ des Denkens, nicht um Inhalte. Im Gespräch werden sie oft sehr deutlich.

Es kann beispielsweise extrem zäh verlaufen. Ein Thema wird immer nur gestreift, um gleich danach zum nächsten zu springen. Oder der Gesprächspartner verliert ständig den roten Faden. Oft werden Begriffe falsch verwendet oder Wörter ganz neu geschaffen. Wenn sie dann noch durcheinander geworfen werden, kann es restlos zum Wortsalat kommen.

Auch die Logik des Gedankenflusses kann verlorengehen. Es gibt zudem das Phänomen, dass jemand einfach an einer Frage vorbeiredet, obwohl er sie ganz offensichtlich verstanden hat.

Gefangen im eigenen Denken

Solche formalen Denkstörungen fallen dem erfahrenen Arzt oder Therapeuten im Gespräch oft schon von allein auf. Er kann aber auch gezielt danach fragen. Der Betroffene ist sich nämlich oft durchaus bewusst über sein verändertes Denken und leidet massiv darunter. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie unangenehm es ist, wenn man keinen Gedanken mehr zu Ende denken kann oder aber von einer ständigen Gedankenflut überschwemmt wird, gegen die man sich nicht wehren kann.

Falsche Wirklichkeit: der Wahn

Bei den inhaltlichen Denkstörungen geht es dagegen darum, was jemand denkt. Hierzu gehört der Wahn, bei dem der Betroffene die Wirklichkeit falsch beurteilt, gleichzeitig aber vollkommen davon überzeugt ist. So ist jemand, der sich wahnhaft verfolgt fühlt, durch nichts in der Welt davon abzubringen.

Im Wahn kann es auch vorkommen, dass durchaus richtige Wahrnehmungen und Sinneseindrücke fehlgedeutet werden. Dann wird der Mann auf der anderen Straßenseite plötzlich zum Mitarbeiter des Geheimdienstes. Es steht zwar tatsächlich ein Mann dort; er ist allerdings  schlicht ein braver Beamter, der gerade ganz harmlose Einkäufe erledigt.

Auf die richtigen Fragen kommt es an

Inhaltliche Denkstörungen zu entdecken und richtig zu deuten, ist nicht einfach. Es erfordert zum einen viel Erfahrung und zum anderen Fingerspitzengefühl. Stellt man dem Betroffenen, der gerade unverrückbar in seinen wahnhaften Überzeugungen verfangen ist, unangenehme Fragen, von denen er sich bloßgestellt oder in die Ecke gedrängt fühlt, kann es sein, dass er das Gespräch abbricht und nicht mehr zugänglich ist. Ähnlich wie formale Denkstörungen können aber auch Wahninhalte so unangenehm für den Betroffenen sein, dass er erleichtert ist, wenn er darüber sprechen kann.

Übrigens: Formale und inhaltliche Denkstörungen kommen nicht ausschließlich bei der Schizophrenie vor. Sie können genauso bei anderen Erkrankungen autreten wie z.B. Depressionen oder organischen Störungen, die eine körperliche Ursache haben. Der erfahrene Arzt kann das eine vom anderen durch geschicktes Nachfragen oft recht präzise unterscheiden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (3)
Denkstörung oder nicht?
3 Montag, den 08. Juli 2019 um 08:39 Uhr
Ana
Hallo,
ich hoffe wirklich sehr, dass ich das hier jetzt richtig beschreiben kann.
Ich habe vor einiger Zeit bemerkt, dass, wenn ein Tag laut war (mehrere Gespräche mit lauten Menschen geführt, Züge und Verkehr zu laut, schreiende und weinende Kinder laut zu hören waren usw.), ich dann am Abend bei Stille richtig Probleme hatte. Mein Kopf ist laut, ich höre Wortfetzen aus den Gesprächen (nicht in meiner Stimme, sondern die vom Gesprächspartner). Mein Kopf ist einfach laut! Ich habe dann eine starke Geräuschkulisse im Kopf. Einen Mix aus Gesprächen, die in der Ferne geführt wurden und Wörter, die von Freunden gesagt wurden. Ich habe vor 1 1/2 jahren eine Angst und Zwangsstörung diagnostiziert bekommen. Dementsprechend habe ich Angst davor, dass ich an Schizophrenie leiden könnte. Dabei weiß ich ja, dass man es selbst in der Regel nicht mitbekommt und sich dessen auch nicht bewusst ist.
formale Denkstörung?
2 Freitag, den 25. August 2017 um 08:19 Uhr
Navigator-Redaktion
Hallo Hanna,
was Sie beschreiben, kann schon eine formale Denkstörung sein, aber das ist aus der Entfernung natürlich unmöglich seriös zu beurteilen. Und auch wenn es sich um eine sogenannte Denkstörung handelt, ist das noch lange keine klassische Psychose. So wie Sie es beschreiben, haben Sie ja noch einen sehr klaren Blick auf die Dinge, die komisch ablaufen.
Fazit: Bitte nicht zu viele Sorgen machen, aber bei Gelegenheit mal mit einem Arzt Ihres Vertrauens vor Ort sprechen. Wir dürfen schon rein rechtlich keine Diagnose stellen oder gar einen therapeutsischen Rat geben.
Alles Gute und viele Grüße
Dr. Jörg Zorn vom Navigator-Team
Sind das Symptome?
1 Donnerstag, den 24. August 2017 um 19:19 Uhr
Hanna
Ich habe eine Angst- uns Zwangsstörung, die sich durch Zwangsgedanken bemerkbar macht. Eine Psychose hatte ich noch nie, habe jedoch extreme Angst davor. Richtige Symptome, die für eine Psychose sprechen, habe ich nicht, jedoch denke ich sehr komisch und das macht mir große Sorgen. Nun wollte ich wissen, ob diese Art zu denken unter formale Denkstörungen fällt und ich mich sorgen muss.
Wenn ich zum Beispiel beim Backen noch Butter brauche, denke ich nicht "Ich brauche noch Butter", sondern "ihich brachehe noch Butteronimus". Ich denke nicht immer so, nur wenn ich alleine bin und gerade sehr in eine Sache vertieft bin. Diese Gedanken passieren unbewusst, jedoch weiß ich, was es heißen soll und kann es auch zu einem richtigen Satz korrigieren.
Außerdem bleibe ich öfters an einzelnen Wörtern hängen, die ich dann im Kopf immer wieder, teils unbewusst, wiederhole.
Bitte um Hilfe!
Anzeigen