Besteht eine Schizophrenie meist schon länger, wenn sie diagnostiziert wird?

Ja, das ist in den allermeisten Fällen so. Erhalten Menschen die Diagnose Schizophrenie, leiden sie meist schon längere Zeit unter Symptomen, die vielleicht zunächst wieder verschwanden, um dann phasenweise immer wieder aufzutreten.

Schleichender Beginn

Eine Erkrankung wie die Schizophrenie entsteht nicht von heute auf morgen, beginnt in der Regel schleichend und entwickelt sich über längere mehrmonatige Zeiträume. Nicht nur Angehörigen, Kollegen oder Freunden fällt die Veränderung einer Person meist auf, auch die Betroffenen selbst nehmen Veränderungen wahr, wagen aber häufig nicht, sich jemandem anzuvertrauen und versuchen, weiter zu funktionieren.

Das liegt auch daran, dass psychische Erkrankungen nach wie vor mit einem Stigma behaftet sind, was vor allem an der großen Unkenntnis vieler Menschen über psychische Erkrankungen liegt. Was man nicht kennt, hält man lieber von sich fern.

Vage und unspezifische Symptome

Aber auch abgesehen davon, dass man sich womöglich nicht traut, über seine Symptome zu reden, müssen sie auch erst einmal erkannt und richtig eingeordnet werden. Und das ist gar nicht so leicht.

Denn in der Frühphase der Erkrankung, dem sog. Prodromalstadium, können zahlreiche diffuse Symptome auf eine in der Zukunft ausbrechende Erkrankung hindeuten. Diese Vorboten sind aber meist sehr unspezifisch und flüchtig. Sie kommen und gehen und führen noch nicht unbedingt zu größeren Beeinträchtigungen.

Beispiele sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Unruhe oder Stimmungseinbrüche. Aber wer denkt schon an eine sich anbahnende Schizophrenie, wenn er mal etwas vergisst oder sich niedergeschlagen fühlt? Und in den allermeisten Fällen hat das ja auch andere Hintergründe.

Ausbruch der Erkrankung

Auffälliger und eindeutiger wird es dann, wenn die Krankheit in Form einer psychotischen Episode erstmals ausbricht. Eine akute Manifestation kann über Wochen bis Monate bestehen und reißt den Betroffenen oft aus seinem beruflichen und sozialen Gefüge.

Es gibt allerdings auch Formen der Erkrankung, die gleich akut beginnen. Das ist aber die Ausnahme. Es kommt z.B. bei Psychosen vor, die durch Drogen ausgelöst werden. Wobei sich die Fachwelt hier nicht einig darüber ist, ob tatsächlich allein der Drogenkonsum die Ursache der Krankheit sein kann oder ob er nicht eher das Fass zum Überlaufen bringt.

Weiterer Verlauf

Auch nach Ausbruch der Erkrankung gibt es ganz unterschiedliche Verläufe. In manchen Fällen heilt die Krankheit völlig folgenlos wieder aus. Es kann aber auch irgendwann zu einer weiteren Episode kommen, gefolgt wiederum von einer Phase ohne jegliche Symptome. Schließlich gibt es aber auch Formen, bei denen die Krankheit fortschreitet und der Patient nicht mehr vollständig symptomfrei ist. Dann spricht man von einem chronischen Stadium.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Anzeigen