Können hinter Schizophrenie-Symptomen auch andere Krankheiten stecken?

Ja. Symptome, die auf eine Schizophrenie hindeuten, können auch verschiedene andere Ursachen haben. Bevor die Diagnose "Schizophrenie" gestellt wird, müssen diese anderen Ursachen ausgeschlossen worden sein.

Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines Psychiaters oder Psychologen, die richtige Diagnose zu stellen. Im somatischen Bereich, also bei körperlichen Beschwerden, ist das oftmals leichter. Das liegt daran, dass der Körper und die physiologischen Abläufe in ihm, so komplex sie auch sind, in weiten Teilen gut erforscht und verstanden sind. Im Bereich der Psyche, die sich im Gehirn abspielt, tappen Wissenschaftler dagegen viel häufiger noch im Dunkeln.

Diagnose und Differentialdiagnose

Daher wird manchmal zu Beginn der Erkrankung erst einmal eine Diagnose neben weiteren möglichen Differentialdiagnosen angenommen. Das sind solche, die aufgrund der Symptom-Konstellation ebenso in Frage kommen könnten. Hier gibt es nämlich bei psychischen Erkrankungen zahlreiche Überschneidungen.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

Eine gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit sind zwar typisch für eine depressive Episode. Sie kommen aber genauso bei der Schizophrenie und zahlreichen anderen psychiatrischen Erkrankungen vor. Umgekehrt können bestimmte wahnhafte Züge, wie sie eigentlich für die Schizophrenie charakteristisch sind, in besonderen Fällen auch bei Depressiven auftreten.

Oder auch ganz klassisch: Schlaflosigkeit. Das ist ein Symptom, das nahezu mit jeder Diagnose einhergehen kann.

Der Arzt fragt all diese Symptome nach einem bestimmten Schema ab. Dann muss er überlegen, wofür die Symptom-Konstellation am ehesten spricht. Denn eines ist auch ganz klar: Nahezu kein Patient hat genau die Beschwerden, wie sie im Lehrbuch stehen.

Auch möglich: organische Ursachen

Und dann gibt es noch sog. organische psychische Störungen. Diese beruhen auf einer Erkrankung des Gehirns oder des Körpers, wie z.B. Hirnverletzungen, Entzündungen, Krebs- oder Stoffwechselerkrankungen. Auch Drogen- und Alkoholmissbrauch fällt darunter.

Daher sollte bei jedem Patienten mit Verdacht auf eine Schizophrenie immer eine körperliche Untersuchung einschließlich Blutentnahme und einer Bildaufnahme des Gehirns erfolgen.

Läuse und Flöhe?

Zu guter Letzt ist noch Folgendes zu beachten: Ein Patient kann natürlich sprichwörtlich auch Läuse und Flöhe haben. Mediziner sprechen dann von Komorbidität. Ein schizophrener Patient kann also zusätzlich noch depressiv sein oder Alkohol und Drogen konsumieren. Es ist dann nicht einfach, die einzelnen Symptome auseinanderzuhalten.

Sie sehen also: Der Weg zur richtigen Diagnose ist weit und sollte sehr sorgfältig begangen werden.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (1)
Auren
1 Montag, den 14. März 2016 um 21:17 Uhr
Susa
Bei mir wurden epileptische Auren fehldiagnostiziert, da haben die Ärzte gesagt, es seien schizophrene Symptome der Denkzerfahrenheit.
Irgendwann ist ein anderer Arzt draufgekommen.
Die Schizophrenie-Medikamente (atypische Neuroleptika) hatte ich zum Glück zu dem Zeitpunkt ohnehin schon abgesetzt, weil sie so viele Nebenwirkungen hatten.
Anzeigen