Ist man automatisch schizophren, wenn man Halluzinationen hat?

Nein, das muss nicht sein. Halluzinationen kommen zwar bei schizophrenen Patienten vor, aber auch bei anderen Erkrankungen sowie als Nebenwirkung von Medikamenten oder bei Drogenkonsum.

Halluzinationen oder auch Sinnesstörungen gehören zu den Wahrnehmungsstörungen. Wer darunter leidet, nimmt subjektiv Eindrücke wahr, für die es keine realen Auslöser gibt. Er sieht also beispielsweise jemanden, obwohl niemand da ist; oder er hört ein Gespräch, obwohl sich keiner unterhält.

Ein Symptom wie Kopfschmerzen

Halluzinationen sind Symptome, d.h. Anzeichen oder Hinweise für eine Erkrankung. Auch Schmerz, Müdigkeit, Herzrasen, Schwitzen etc. sind Symptome, die auf irgendeine Störung hindeuten.

Was sich dahinter verbirgt, lässt sich vom bloßen Symptom her allerdings noch nicht sagen. Kopfschmerzen können Ausdruck einer Migräne oder einer Entzündung sein, aber auch die unangenehme Nachwirkung eines langen feuchtfröhlichen Abends.

Vom Symptom zur Diagnose

Näher kommt der Arzt der Sache schon, wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten. So gibt es bestimmte Konstellationen, die für manche Krankheiten charakteristisch sind. In der Psychiatrie werden solche Symptomkomplexe auch als Syndrome bezeichnet.

Es gibt z.B. ein depressives Syndrom, das sich aus verschiedenen Symptomen ganz unterschiedlicher Bereiche (Stimmung, Denken, Antrieb usw.) zusammensetzt. Es muss aber noch nicht bedeuten, dass eine Depression vorliegt. Ein depressives Syndrom kann genauso bei anderen Erkrankungen vorkommen, auch bei einer Schizophrenie.

Ein Syndrom ist also immernoch keine Diagnose. Die oft nicht einfache Aufgabe des Arztes ist es daher, von den Einzelsymptomen über ein zusammengefasstes Syndrom hin zur richtigen Diagnose zu gelangen.

Im Falle der Halluzinationen ist die Auswahl an möglichen Erkrankungen groß. Neben der Schizophrenie kommen auch andere Psychosen oder organische psychische Störungen in Frage, die körperlich bedingt sind. So können Vergiftungen mit Drogen oder Medikamenten Halluzinationen auslösen, ebenso wie eine Funktionsstörung der Leber oder eine Demenzerkrankung.

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken oder Fühlen?

Allerdings kann die Art der Sinnestäuschung einen Hinweis auf die zugrundeliegende Erkrankung liefern. Es gibt nämlich Halluzinationen in allen Sinnesmodalitäten, also im akustischen und optischen Bereich (Hören und Sehen), im Bereich des Geruchs- und Geschmackssinns und auch der Körperwahrnehmung.

Bei manchen Erkrankungen ist typischerweise ein ganz bestimmter Sinn betroffen. Für die Schizophrenie charakteristisch sind vor allem akustische Halluzinationen. Betroffene hören oft Stimmen, die ihnen Befehle erteilen oder sie kommentieren. Manchmal hören sie auch zwei Stimmen im Dialog miteinander. Optische Sinnestäuschungen treten dagegen seltener auf, sind aber auch nicht auszuschließen.

Es erfordert daher eine große Sorgfalt, die einzelnen Symptome zu erkennen und richtig zuzuordnen. Bevor eine Schizophrenie diagnostiziert werden kann, sind zunächst alle anderen möglichen Ursachen, die hinter der Symptomatik liegen können, auszuschließen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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