Was ist zu tun, wenn Verdacht auf Schizophrenie besteht?

Weist ein Familienmitglied oder ein Freund/eine Freundin ein auffälliges verändertes Verhalten auf, berichtet über ängstigende Wahrnehmungen von Dingen, die andere nicht wahrnehmen können, oder zieht sich mehr und mehr zurück, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Der lange Weg zur Diagnose

Bis die Diagnose einer Schizophrenie gestellt ist, vergehen meist viele Jahre. Betroffene haben oft eine lange Leidensgeschichte, verbunden mit Angst und Unsicherheit, hinter sich. Da in der Regel auch das Umfeld unmittelbar betroffen ist und die Veränderungen miterlebt, tragen auch die Familie und Freunde diese unruhige, aufwühlende Zeit zwischen dem Beginn erster Symptome und der korrekten Diagnosestellung mit.

Entlastend: das Kind beim Namen nennen

Umso wichtiger ist es, rasch, aber auch sorgfältig zur richtigen Diagnose zu gelangen. Das ist zwar für alle Betroffenen am Anfang oft ein großer Schock, weil der Begriff Schizophrenie in unserer Gesellschaft nach wie vor mit vielen Vorurteilen und Stigmata belegt ist; es kann aber nach einer gewissen Zeit auch beruhigend sein, wenn all die merkwürdigen, unerklärlichen Anzeichen der vergangenen Monate oder Jahre einen Namen bekommen. Was benannt werden kann, wird greifbarer. Man weiß jetzt oder kann lernen, mit was man es zu tun hat und wie man damit umgehen kann.

Von der Diagnose zur passenden Therapie

Ein weiterer Grund, weshalb eine frühzeitige Diagnose wichtig ist, liegt darin, dass erst dann eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann. Es gibt nicht die eine Schizophrenie als einheitliche Erkrankung, sondern viele verschiedene Formen und Verläufe. Jede wird anders behandelt und erfordert unterschiedliche Strategien. Manche können ambulant behandelt werden, andere bedürfen (zumindest anfänglich) einer stationären Therapie.

So gibt es Formen der Erkrankung, die akut und oft sehr dramatisch ausbrechen. In einem solchen Fall verläuft der Weg in eine stationäre psychiatrische Klinik meist schnell und direkt. Aber auch dann ist es für Ärzte und Therapeuten nicht leicht, zur richtigen Diagnose zu kommen.

Verwandte und Freunde sind gefragt

Oft äußert sich die Erkrankung jedoch nicht so eindeutig, sondern beginnt eher schleichend. Angefangen von Problemen mit der Konzentration über Stimmungsschwankungen und soziale Auffälligkeiten bis hin zu skurrilen Verhaltensweisen oder Äußerungen. Irgendwann entwickeln sich daraus meist große Schwierigkeiten im Alltag, private und berufliche Pflichten können nicht mehr erfüllt werden, der Betroffene zieht sich zunehmend zurück.

Spätestens dann ist es wichtig, sich Hilfe zu holen und einen Arzt aufzusuchen. Denn die Erkrankung birgt auch die Gefahr, dass jemand sich selbst oder andere gefährdet. Den Arztbesuch zu arrangieren, ist daher unter Umständen heikel und gar nicht so einfach, denn bei einer Schizophrenie ist mit einer Einsicht des Betroffenen nicht unbedingt zu rechnen. Neben möglichen Schamgefühlen spielt dabei auch die Erkrankung selbst eine Rolle. Wer z.B. unter Wahnvorstellungen leidet und sich verfolgt fühlt, lässt sich auch nicht mit dem besten Gegenargument von dieser Überzeugung abbringen.

Umso wichtiger ist das soziale Umfeld. Für den gesamten Verlauf und die weitere Prognose einer schizophrenen Erkrankung spielen Familie und Freunde eine entscheidende Rolle. Vielleicht kann eine Person des Vertrauens doch irgendwann zu einem Besuch beim Arzt oder in einer Klinik motivieren. Ihr Angehöriger bzw. Freund/Freundin ist auf Ihre Unterstützung angewiesen!

Übrigens: In vielen Städten ist es möglich, einen sozial-psychiatrischen Dienst anzurufen. Mitarbeiter des Dienstes kommen auch nach Hause. Die Hemmschwelle ist dann niedriger. Das geschulte Personal kann den Betroffenen in seinem gewohnten Umfeld erst einmal beobachten und gegebenenfalls eine Einweisung ins Krankenhaus veranlassen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (2)
Freund hört Stimmen und unterstellt anderen, was er selbst aber macht
2 Sonntag, den 15. April 2018 um 15:30 Uhr
Inkognito
Guten Tag,
mein bester "Freund" unterstellte mir zig mal, ich hätte Kontakt etc. zu seinen Ex-Freundinnen usw. Er ruft seine Partnerinnen an, sagt dann, er müsse eben mal was erledigen (Nase putzen/Wäsche aufhängen etc.), sie solle aber so lange dran bleiben. Er nimmt mit einem zweiten Gerät alles auf.
Anschließend unterstellt er, dass man in seiner Abwesenheit hört, wie bei der Frau was zu hören sei, was auf Fremdgehen schließen ließe. Zuletzt hört er ganz deutlich "Dominik, lass das. Geh runter".
Mir liegt diese Audio vor (ca. 2 Minuten). Es ist absolut nichts zu hören.
Dummerweise sprach ich ihn direkt drauf an. Er spielte die Aufnahme ab, woraufhin ich ihn fragte, wann da was zu hören sein solle. Ist doch ganz deutlich, meinte er. Ich bat ihn, mir die genaue Zeitansage zu geben. Stattdessen fing er damit von vorne an - und brach dann ab.
Er hingegen geht wöchentlich fremd, versucht mit allen Mitteln meine Ex-Freundinnen zu treffen, unterstellt es aber anderen. Jetzt bedrohte er sogar seine Ex. Warum sie ihn betrogen hätte? Auf dem Audio höre er ja alles deutlich. Er zerstörte sogar Mobiliar bei ihr usw.
Es gibt noch so vieles zu berichten. So feiert er ständig krank und unterstellt anderen, sie wären bei ihm eingebrochen - tat es aber wahrscheinlich selbst. Er hat überall ungeschützten Sex, bedroht aber seine jetzige Ex, dass sie sich bestimmt was eingefangen hätte bei diesem "Dominik". Er lässt sich nicht helfen. Wo melde ich so etwas?
Verdacht auf S.
1 Montag, den 23. Mai 2016 um 18:55 Uhr
Numan D.
Ich bin mir nicht ganz sicher, aber manchmal höre ich Stimmen und Geflüster oder Töne einfach so ohne jeden Grund und weiß auch nicht, woher sie kommen. Die Stimmen sind immer unterschiedlich und treiben mich in den Wahnsinn. Das ist nicht wie früher als Nebensache zu bezeichnen, sondern öfters tut es wirklich im Kopf weh und plötzlich bekomme ich Angst und fange an, irgendetwas sinnloses zu machen oder mich unwillkürlich zu bewegen und ziellos durch die Wohnung zu laufen. Nachts hab ich immer öfter Alpträume und die Schule geht langsam den Bach runter.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte einfach nur weg.
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