Wie beginnt eine Schizophrenie?

Dafür gibt es keine feste Regel. Eine Schizophrenie kann sehr plötzlich beginnen, z.B. mit akut einsetzenden Wahnvorstellungen oder Verfolgungsängsten. Sie kann aber auch langsam und schleichend beginnen, so dass längere Zeit niemand etwas bemerkt. Auch das Ausmaß der Erscheinungsformen kann sehr unterschiedlich sein, von ganz leicht und dezent bis sehr heftig.

Mögliche Warnsymptome

Bevor eine Schizophrenie ausbricht, können bestimmte Anzeichen und Symptome auf die Erkrankung hindeuten. Solche Anzeichen nennt man auch Früh- oder Warnsymptome. Von ihnen kann man noch nicht auf das Vollbild einer schizophrenen Erkrankung schließen, und meist kann man sie auch erst rückblickend richtig einordnen. Entsprechend vielfältig und unspezifisch sind diese Vorboten.

Der Betroffene kann z.B. Probleme mit der Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit bekommen. Oder er wird zunehmend nervös und unruhig. Umgekehrt ist aber genauso eine psychische und körperliche Verlangsamung möglich. Die Stimmung kann stark schwanken, soziale und familiäre Beziehungen ändern sich womöglich nach und nach. Es können sich aber durchaus auch schon frühzeitig solche Symptome anbahnen, die man gemeinhin mit einer Schizophrenie in Verbindung bringt, wie Halluzinationen oder wahnhafte Erlebnisse.

An der Aufzählung sehen Sie, wie vielgestaltig die Anzeichen und Symptome sein können. Sie hängen auch ab von der Form der jeweiligen Erkrankung. Es gab und gibt noch immer zahlreiche Versuche, das bunte Spektrum der schizophrenen Erkrankungen zu ordnen und zu systematisieren. So kann man zum Beispiel anhand des Verlaufs der Erkrankung unterschiedliche Manifestationszeitpunkte ausmachen.

Sehr selten: Beginn im Kindesalter

Extrem selten beginnt eine Schizophrenie bereits im Kindesalter. Das kann sich in einem veränderten Sozialverhalten des Kindes zeigen, aber auch in sprachlichen Auffälligkeiten oder emotionalen Schwankungen. Die Diagnose ist allerdings schwierig und sollte nur sehr vorsichtig gestellt werden. Entscheidend ist u.a. ein merklicher „Knick“ in der bis dato unauffälligen Entwicklung.

Bei Jugendlichen oft: Probleme in der Schule

Ein Beginn in der Pubertät zeigt sich primär oft in nachlassenden schulischen Leistungen. Auch ein sozialer Rückzug oder emotionale Verstimmungen können mit einer beginnenden Schizophrenie einhergehen. Hier können aber auch schon deutlichere Anzeichen wie bestimmte, von außen nicht nachvollziehbare Befürchtungen oder auch Gefühle der Fremdheit der Umgebung oder des eigenen Körpers hervortreten. Für Außenstehende können die Betroffenen in irgendeiner Weise wesensverändert erscheinen.

Junge Erwachsene: Beginn meist vage und diffus

Auch bei der häufigsten Erstmanifestation im frühen Erwachsenenalter sind erste Anzeichen äußerst variabel und zu Beginn meist eher diffus. Veränderte Verhaltensweisen, merkwürdige, unpassende Äußerungen und Handlungen können flüchtige Vorboten einer Erkrankung sein. Sie können über Monate und Jahre hinweg schwelen, bevor die Symptomatik akuter und eindeutiger wird. Ein plötzlicher Beginn ist demgegenüber seltener, kommt aber ebenso vor. So kann eine Schizophrenie auch in Form von Wahnvorstellungen oder Sinnestäuschungen plötzlich in das Leben eines Menschen hereinbrechen.

Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Aber Vorsicht: All die genannten Hinweise erlauben noch nicht die Diagnose einer Schizophrenie! Man geht heute nicht mehr davon aus, dass es bestimmte eindeutige Symptome gibt, die eine Diagnosestellung rechtfertigen, wie das z.B. bei einem Knochenbruch möglich ist, wenn der Bruch offen liegt und einem die Bruchstücke regelrecht ins Auge springen.

Um das komplexe Bild schizophrener Erkrankungen richtig zu beurteilen, ist es entscheidend, den Verlauf retrospektiv, also im Nachhinein zu betrachten. Wann gab es erste Anzeichen? Wie lang hielten sie an? Waren sie zwischenzeitig wieder verschwunden? Wie haben sie sich weiterentwickelt?

Zu jeder psychiatrischen Untersuchung gehört außerdem immer eine Fremdanamnese, also der Einbezug von Angehörigen oder nahestehenden Personen, die den Betroffenen von außen einschätzen können. Nur in der Zusammenschau der bisherigen Entwicklung und unter Berücksichtigung aller möglichen Vorboten ist es angebracht, eine Diagnose zu stellen. Das ist eine echte Herausforderung und erfordert viel Erfahrung.

Und noch ein weiterer Grund, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen: Ein Symptom ist ein Anzeichen, das auf eine Krankheit lediglich hindeutet. Zugleich kann es Ausdruck ganz unterschiedlicher Erkrankungen sein. Genauso wie bei Kopfschmerzen können sich auch hinter psychischen Auffälligkeiten zahlreiche Krankheiten verbergen. Sie können aber auch ohne einen weiteren Krankheitswert einfach mal im Leben auftreten und wieder verschwinden.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (4)
Interview
4 Mittwoch, den 07. November 2018 um 08:53 Uhr
Abschluss-Arbeit
Guten Tag,
ich bin auf der Suche nach einer Person, die an Schizophrenie leidet, und für die es möglich wäre mir einige Fragen zu beantworten. Ich bin gerade an meiner schulischen Abschlussarbeit dran und würde es sehr wichtig finden, Antworten zu erhalten, wie die betroffenen Personen damit umgehen, was sie fühlen und wie das überhaupt begonnen hat. Es wäre sehr nett, wenn sich jemand melden könnte. Ich lese viel im Internet. Leider verwirrt dies ein wenig, da nicht überall das Gleiche steht. Wenn ich von jemandem einige Antworten hätte, würde ich mich sicherer fühlen, da ich weiß, dies erlebt man als Mensch.
damit das Kind auch die Schule schafft
3 Montag, den 10. Oktober 2016 um 01:10 Uhr
retalin ist auch amphetamin
ich hatte jemanden kennengelernt, dessen Etern nur sein bestes wollten, sie waren dann immer bei ihm und haben sich gegenseitg angeschrien in seinem Kopf
Mobbing
2 Montag, den 06. Juni 2016 um 16:42 Uhr
arme wurst
Ich bin nach einem oder mehreren Fehltritten dermaßen fertig gemacht worden, dass ich nicht mehr schlafen konnte, fast verhungert wäre, und tja, nun bin ich schizophren. Ich denke, alle Leute reden schlecht über mich, habe durch die Medikamente Hirnschäden und werde im Leben nicht mehr glücklich. Warum hat mir niemand zugehört und mir jeder erzählt, ich wäre sowieso nur ein Kind? Halluzinationen habe ich auch. Als ich das erste Mal in der Klinik war, wurde ich noch ausgelacht von den Ärzten, wie blöd ich wäre. Die folgenden 5 Jahre bin ich mit hochpotenten weggeschossen worden und heute wird mir noch gesagt, jeder ist für sich selber verantwortlich. DANKE!!!!
Beginn meiner Schizophrenie
1 Mittwoch, den 16. September 2015 um 09:43 Uhr
Timo Knoblich
Bei mir begann sie mit extremen Störungen der Kognition, Schlaflosigkeit, schlimmsten Depressionen und massiven Angstzuständen.
Ich dachte, dass meine Lehrer durch Außerirdische ersetzt worden seien, alles kam mir so unwirklich vor, wie in einem Horrorfilm, als hätte ich, der nie im Leben Drogen konsumiert hat, einen Horrortrip nach LSD-Einnahme durchgemacht!!!
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