Ist es erlaubt, schizophrene Menschen ans Bett zu fixieren?

Im Falle akuter schizophrener Psychosen können die Betroffenen sehr erregt und manchmal auch aggressiv sein, so dass sie sich selbst oder aber andere Personen gefährden. Dann kann eine Fixierung manchmal schlicht notwendig sein, um die betroffene Person und diejenigen drumherum zu schützen.

Ein heikles Thema

Die Vorstellung, einen Menschen gegen seinen Willen zu fixieren und seine Bewegungsfreiheit damit einzuschränken, ist schwer erträglich. Zu Recht ist dieses Thema höchst umstritten und wird medial immer wieder ausgiebig diskutiert. Es ist gut und wichtig – auch aus der Vergangenheit und vor allem der deutschen Psychiatriegeschichte heraus – sensibel darauf zu reagieren und eine solche Maßnahme nur als ultima ratio zu befürworten.

Als solche ist sie jedoch manchmal tatsächlich notwendig. Ein akuter schizophrener Schub etwa kann ein medizinischer Notfall sein. Wie bei einem Schwerverletzten, der im sogenannten Schockraum eines Krankenhauses von allen Seiten "traktiert" wird, gilt es auch hier, möglichen Schaden vom Betroffenen wie auch von seinem Umfeld so schonend wie möglich, aber auch effektiv wie nötig abzuwenden.

Freiwillig oder unfreiwillig

Bei einer schweren Psychose sind Betroffene oft nicht mehr Herr über sich selbst. Dieser Zustand kann nicht nur gefährlich, sondern nicht zuletzt auch für sie selbst äußerst quälend sein. Manchmal wünschen die Betroffenen sogar ausdrücklich, für eine Weile fixiert zu werden, weil sie sich dann sicherer und ruhiger fühlen. Es kann also auch durchaus eine Entlastung für denjenigen sein. Dieser Aspekt wird in der Diskussion meist vernachlässigt.

Kann der Betroffene nicht rechtskräftig in die Fixierung einwilligen, bestehen hohe rechtliche Hürden, die im Jahr 2018 auf zwei konkrete Klagen hin nochmals verschärft wurden. Demnach darf die Zwangsmaßnahme nur das letzte Mittel sein, um eine bestehende oder unmittelbar drohende Gefährdung vom Betroffenen selbst oder von seinem Umfeld abzuwenden. Dauert sie länger an, muss sie richterlich genehmigt werden. Obligat ist zudem ausreichend Pflegepersonal, um den Betroffenen rund um die Uhr zu überwachen, damit er sich nicht aus Versehen selbst verletzt.

Wenn nichts anderes hilft

Natürlich müssen vor einer solchen drastischen Maßnahme sämtliche anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Wenn jemand eine akute Psychose erleidet, kann er zwar neben sich stehen und stark aufgewühlt, aber immernoch zugänglich sein. Vielleicht gelingt es im Gespräch, ihn behutsam auszulenken und zu beruhigen. Oder er willigt ein, Medikamente zu nehmen und wird dadurch ruhiger. Hat die Erkrankung ihn jedoch so stark im Griff, dass er nicht mehr über sich entscheiden kann und eine Gefahr für sich und/oder andere darstellt, ist eine kurzzeitige Fixierung manchmal notwendig.

Letztlich geht es dabei darum, dem Betroffenen zu helfen, auch wenn die Einschränkung der Bewegungsfreiheit manch einem eher wie eine Maßregelung erscheinen mag. Sie ist ohne Zweifel ein erheblicher Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte. Im Grunde ist es jedoch primär die Schizophrenie selbst, die einen Menschen seiner Autonomie und Selbstbestimmung beraubt.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (5)
Fixieren Psychose - Trauma- Trauma-Trauma
5 Freitag, den 28. Juli 2017 um 05:54 Uhr
Nina
Eine Fixierung ist so grausam, es fehlen mir die Worte für solch ein Handeln. Und bin tief betroffen, weil das nicht in der Politik groß besprochen wird! Einem Menschen diese starken Gefühle zu unterbinden ist grausam. Sie müssen raus, und ja, sie sollen raus. Egal in welcher Art: schreien, treten, Wut, Trauer, Freude. Denn Gefühle sind da, um sie zu spüren.
Kommentar zu Frau Dr . Hoffmann
4 Dienstag, den 21. Oktober 2014 um 13:53 Uhr
Richter
Frau Dr. Hoffmann, es ist je nach Fall zu entscheiden!
Man muß aber immer das Eigentliche sehen, nicht nur die Schizophrenie! Von Fall zu Fall werden die Patienten willkürlich fixiert, obwohl diese - wie im speziellen Fall - gar nichts für ihre Psyche können! Wenn ein Patient mit hochdosierten Medikamenten eine BÖSE VERlETZUNG erlebt, sehe ich dies nicht ein!!! Es ist die Aufgabe vom Pflegepersonal, die Schutzbefohlenen ordentlich zu schützen! Egal, ob diese einen Notstand in der Pflegeversorgung haben!!!!
Kommentar vom 02 . 10 . 14
3 Mittwoch, den 08. Oktober 2014 um 06:48 Uhr
Richter
Die Situation hat sich etwas verbessert .
Dieser Arzt ist höflicher geworden .
Fixierung
2 Montag, den 06. Oktober 2014 um 14:40 Uhr
I Richter
Meine Tochter hat eine bipolare Bewusstseinstörung - Schizophrenie. Ist jetzt vier Jahre ohne " Anfall " gewesen. Hat ihren Haushalt und ein normales Leben führen können.
Fixierung kann aber muss nicht unbedingt über längere Zeit erfolgen. Meine Tochter wird in einem Chemnitzer Krankenhaus seit 4 Tagen ununterbrochen fixiert! Sie wird 2 Tage in der Woche operiert und Elektroschocks erfolgen ebenso an diesen Tagen. Sie hat sich Verbrennungen zugezogen auf einer Psychiatrischen Abteilung! Sie muss mehrere Stunden auf eine OP warten, es wird ihr noch nicht einmal während dieser Zeit der Mund benetzt!!! So sieht das mit der Fixierung aus , sie hat sich die Magensonde herausgerissen - deshalb die Fixierung. Die Fixierung sehe ich als Strafe des behandelten Arztes an!!!! L
Ist es erlaubt, schizophrene Menschen ans Bett zu fixieren?
1 Dienstag, den 02. Oktober 2012 um 23:35 Uhr
R. Bernhard
ich glaube dass es manchmal nötig sein kann, Patienten in ihrer Beweglichkeit einzuschränken, allerdings gefällt mir die englische Methode dazu besser, da werden die Patienten festgehalten, können so beruhigt werden. Oft ist es doch so, dass Patienten in der Fixierung alleine gelassen werden.