Ein komischer Sonntagmorgen

Es ist gegen 4 Uhr am Morgen. Ich kann kaum schlafen. Die letzen drei Tage habe ich im St. Josef Krankenhaus in Gelsenkirchen verbracht. Gott sei Dank musste ich nicht operiert werden. Huh, was für eine Erleichterung. Ich bin kaum in Deutschland angekommen, und musste sofort ins Krankenhaus mit Blinddarmentzündungsverdacht. Ich meine, diese Symptome sind bei mir eher psychosomatisch – tja, neue Umgebung, neues Land, neue Lebensphase, und viel Stress.

Ich bin momentan auf Arbeitssuche. Und ich habe schon einen Vorstellungsgesprächstermin. {#emotions_dlg.smile} Mein Freund hat es auch nicht leicht: Er arbeitet und dazu kommt noch seine Ausbildung. Ich helfe ihm, wo ich nur kann. Aber ich möchte so früh wie möglich einen Job finden. Die Arbeit tut mir sehr gut: Wenn ich spüre, dass ich wichtig bin, dass man auf mich zählt, dass ich finanziell nicht so abhängig bin – dann bin ich viel glücklicher.

Meine ehemalige Chefin in Ungarn von unserem Verein hat mich als Vertreterin eines ungarischen Zentralvereins für psychisch Kranke empfohlen. Was für eine Ehre! Ich sollte auf internationalen Konferenzen Ungarn vertreten. Ich freue mich darüber.

Und heute ist gerade Sonntag: das heißt – ich gehe zum Gottesdienst. Ich habe eine sehr sympathische evangelische Gemeinde hier in der Nähe gefunden. Mal sehen, was der liebe Gott von mir will, was für einen Plan Er mit mir vorhat.

Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag!

Susanna, 14.04.2013

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Kommentare (3)
Borderline
3 Donnerstag, den 14. Januar 2016 um 08:39 Uhr
Farina
Schön Klinik Rosenheim: Hat mir 2013 das Leben gerettet, möchte jetzt keine Station angeben, dort wird man eh hingesteckt, wo es am besten passt. Hatte einfach dort eine Therapeutin, die es geschafft hat, ihr zu vertrauen, und das wirklich in jeder Beziehung. Konnte und kannte ich davor gar nicht.
Ich weiß noch, dass ich damals, als ich ankam, in einem Anfall gesagt habe, dass ich sterben werde und sie mir auch nicht helfen kann. Sie hat gesagt, dass das nicht passieren wird, was ich ihr zu dem Zeitpunkt nicht geglaubt habe. Denke daran oft zurück, weil ich durch diesen Aufenthalt, zum großen Teil durch das Vertrauen, dass ich zu ihr hatte, wieder ein Stück Leben zurückgewonnen habe. Der Rest der Klinik ist ok, es ist in Sachen Essen, Cotherapeuten, Therapieangeboten sicher noch Platz nach oben offen, jedoch gibt es definitiv schlimmeres.
Es gibt, denke ich, auch überall solche und solche Therapeuten, überwiegend jedoch sehr nah am Menschen, sehr liebevoll und bemüht. Manche Rahmenbedingungen sind noch nicht ganz ausgereift, sag ich mal, das liegt aber auch einfach daran, dass die Klinik erst 2013 eröffnet wurde. Wenn man dort hinkommt, und weiß woran man arbeiten möchte, und das auch wirklich mit Fleiß und Eigeninitiative schaffen möchte, darauf wird dort großen Wert gelegt, kriegt man definitiv alles an die Hand, was es braucht. Wenn man darauf wartet, dass einer kommt und dich mit Engelszungen aus seiner Depression oder sonst was rausholt, ist man fehl am Platz.
Aber gerade das finde ich gut, weil man im Leben draußen genau das braucht, sich selber sein bester Helfer zu werden. War insgesamt dreimal dort. Jedes Mal zur Stabilisierung, Traumatherapie ansatzweise, einfach weil mir meist ersteres noch sehr gefehlt hat. Umgebung ist natürlich der Wahnsinn, Rosenheim ist umgeben von tollen Badeseen, den Alpen, viel viel Grün, tolle Ausflugsziele, Chiemsee mit Schlössern ist nicht weit, eine tolle Therme gibt es, und auch die Innenstadt von Rosenheim ist sehr romantisch, schön.
Also soweit erstmal, wenn mir noch was wichtiges einfällt, schreib ich‘s dazu.
Farina ist mein Vorname :D
migration und fremdsein
2 Samstag, den 08. März 2014 um 02:12 Uhr
A.
Hi Susanna,

ich wundere mich auch , wie perfekt deine Sprache ist .
ich bin auch betroffen und bin Migrant , seit 4 Jahren lebe ich in Deutschland .

ich habe die ersten Episoda vor ca. 3 Jahren , und ich wusste nicht mal , was überhaupt die Diagnose bedeutete . ich war damals erst seit 7 Monaten in Deutschland .Nach der stationären Behandlung habe ich alles einfach ignoriert und habe weiter studiert , es war erfolgreich bis ich letzt endlich verstehen wollte , was eigentlich mit mir passiert ist .
ich habe die Diagnose übersetzt und ich habe direkt danach so eine Art von Enttäuschung und Depression . Direkt danach -ca. 2 Monaten später - habe ich die zweite Episode gehabt .

ich habe es nicht geschafft , mich ,wie du, in der Gesellschaft richtig zu integrieren.
ich habe aber mein Studium fortsetzen können .
ich studiere Medizin ,bin einfach zufrieden mit meinem Leben und will immer Freundschaften mit Deutschen und anderen anzuknüpfen .
es scheint sehr schwer viele deutsche Freunde zu haben für mich , aber ich habe viele Freunde aus meinem Heimatland und kann mich unter denen verstehen

ich habe mich entschieden , einfach das ganze zu beleugnen und die Medikamente nicht mehr zu nehmen , ich habe es so mit meinem Arzt gemacht , dass ich die Medikamente nur bei Bedarf annehmen .

ich glaube immer daran , dass Liebe und das soziales Leben die besten Medikamente sind .

ich wünsche dir von Herzen ein schönes Leben .
interessant und sensibel geschrieben - weiter so!!
1 Donnerstag, den 12. Dezember 2013 um 08:38 Uhr
Veronika
Hallo Susanna,
was fuer ein netter Blog. Ich bin selbst nicht betroffen, ich wollte nur auf der Seite etwas nachsehen ueber Schizophrenie und bin dann ueber Deinen Namen gestolpert. Ich mag, wie Du die deutsche Sprache verwendest. Dein deutsch ist super, keine Frage, und doch hat sie diesen gewissen "Zungenschlag" der mir so gut vertraut ist, weil ich viele Jahre in Ungarn gelebt habe. Das macht mich etwas nostalgisch :) Mach unbedingt weiter, ich finde es spannend, wie Du ueber Dich, Deine Gefuehlswelt und Dein Leben schreibst.