Vorurteile: Die zweite Erkrankung bei Schizophrenie

"Menschen mit Schizophrenie sind gewalttätig." "Menschen mit Schizophrenie sind unberechenbar." Mit solchen (falschen) Vorurteilen haben viele Betroffene zu kämpfen. Im Beruf, bei Freunden und sogar in der Familie. Und die wenigsten, die so denken, sprechen es aus. Sie gehen einfach auf Distanz.

Dass diese Form der sozialen Stigmatisierung mindestens genauso belastend ist wie die Erkrankung selbst, darauf hat jetzt Professor Dr. Wolfgang Gaebel von der Universität Düsseldorf erneut hingewiesen. Er plädiert für "Antistigmaprogramme". Also Informationsprojekte, die in der Bevölkerung mit dem negativ und ängstlich besetzten Bild von der Schizophrenie durch gezielte Aufklärung aufräumen.

Für Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, sei es heute praktisch unmöglich, sich öffentlich zu der Erkrankung zu bekennen, ohne nicht gravierende Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Zum Beispiel im Beruf oder auch bei der Wohnungssuche.

Immerhin ist Besserung in Sicht: Wie repräsentative Bevölkerungsbefragungen zeigen, haben Vorurteile und Distanz gegenüber Menschen mit Schizophrenie von 2001 bis 2004 leicht abgenommen. Auffälligerweise am meisten in Düsseldorf und München - beides Städte, in denen in dieser Zeitperiode Antistigmaprojekte durchgeführt wurden, so Gaebel.

WANC 24.11.05

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Kommentare (4)
Schizophrenie ist selten heilbar
4 Sonntag, den 25. August 2019 um 09:30 Uhr
Jutta
Noch einmal zu Marie:
Es ist selten möglich, Schizophrene in den Psychiatrien zu belassen bis sie geheilt sind, da eine Sch. oft chronisch verläuft. An diesen Vorstellungen sieht man wieder einmal, wie unaufgeklärt die Leute sind.
@Marie
3 Sonntag, den 25. August 2019 um 09:24 Uhr
Jutta
Wie soll das gehen? Die Schizophrenen in der Psychiatrie zu belassen bis sie gesund sind? Lesen Sie sich doch mal die Artikel durch, in denen geschrieben steht, dass Sch. chronisch verlaufen. Was haben Sie davon, wenn Sch. als geistige Behinderung gilt? Es ist immer noch eine psychische Behinderung. Und das ist auch richtig so, weil sie in Schüben verläuft. Schizophrene sind durchaus intelligente und begabte Menschen, die nur eine psychische Behinderung haben. Und denken Sie mal daran, dass die Krankheit auch Sie betreffen könnte!
Falsche Richtung
2 Freitag, den 16. September 2016 um 18:23 Uhr
Marie
Natürlich sind Schizos gefährlicher als normale Menschen, fragt mal Herrn Schäuble, John Lennon kann man ja leider nicht mehr fragen. Statistiken im Vergleich zu gesunden Menschen greifen nicht, da Schizophrene das absolut unberechenbar und ohne Grund tun. Man sollte sie solange in geschlossenen Einrichtungen behandeln, bis sie GEHEILT sind. Die wenigen Fälle, die nicht heilbar sind, müssen dann sicher und ihren Bedürfnissen gerecht behandelt werden. Das einzige, das so eine "Aufklärung" bringt, ist ein Verlust an Glaubwürdigkeit. Auch Vergleiche mit Depressiven oder Ptbslern schaden nur.
Mein schizophrener Nachbar hat meinem Vormieter schon die Türe eingetreten, bei mir hat er es auch versucht und mich bedroht, da ich aber keine Zeugen hatte, wird nichts gemacht. Wenn die Schizophrenie nicht heilbar ist (das kann man ja nach einer gewissen Zeit sagen), ist es kein Vergleich mehr zu normalen Menschen, die krank sind, es sollte als geistige Behinderung gelten.
Als Angehöriger selbst betroffen
1 Mittwoch, den 17. Dezember 2014 um 22:23 Uhr
Olschnig Renate
Es stimmt mich traurig, dass es so viele Vorurteile diese Krankheit betreffend gibt zumal der Vater meines Sohnes eine sehr schwere Form der Schizophrenie hat und der Umgang mit ihm schwierig ist weil seine Persönlichkeit sehr schwankt. Mein Sohn kann aufgrund dieser Vorurteile mit keinem seiner Freunde darüber sprechen, weil er Angst hat, selbst als Verrückter abgestempelt zu werden. Es wäre schön wenn das Verständnis für diese Krankheit größer wäre und mit diesem Thema offen umgegangen wird!
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