Muss ein Kropf unbedingt behandelt werden?

Ja, auch ein Kropf (medizinisch: Struma), der anfangs noch keine Beschwerden verursacht, muss auf jeden Fall behandelt werden. Und das gilt auch für den häufigsten und zugleich harmlos klingenden Fall, dass hinter der vergrößerten Schilddrüse "nur" ein Jodmangel steckt. Denn bleibt eine vergrößerte Schilddrüse unbehandelt, können sich im Laufe der Zeit Knoten im Schilddrüsengewebe ("Struma nodosa" = Knoten-Kropf) bilden.

Ist die Ursache der vergrößerten Schilddrüse noch ungeklärt, ist ein Arztbesuch ohnehin dringend anzuraten, denn neben dem Jodmangel kann auch eine gefährlichere Erkrankung dahinter stecken, wie eine Unterfunktion, eine Entzündung oder in seltenen Fällen auch ein bösartiger Tumor.

Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor?

Mitunter kann in einer durch Jodmangel vergrößerten Schilddrüse auch die Hormonproduktion außer Kontrolle geraten, so dass das Gewebe plötzlich mehr Hormone produziert als benötigt. Man spricht dann auch von sogenannten „heißen Knoten“. Ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen kann unterschiedliche Beschwerden auslösen, wie:

  • Herzrasen,
  • Gewichtsabnahme,
  • Unruhe und Nervosität,
  • Schlaflosigkeit,
  • vermehrte Schweißbildung,
  • Zittern,
  • Durchfall
  • und Haarausfall.

Durch den Überschuss an Hormonen läuft der gesamte Stoffwechsel – Herz und Kreislauf, Magen und Darm sowie Nerven und Muskeln – dauerhaft auf Hochtouren. Die ständige Überlastung kann unter anderem zu Herzproblemen (Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Herzschwäche) führen.

Mit Jod und Hormonen wird Schilddrüse verkleinert

Ein Kropf muss daher immer behandelt werden – selbst wenn er keine Beschwerden verursacht. Die Behandlung erfolgt in der Regel (wenn Jodmangel die Ursache ist) durch die Gabe von Jodid-Tabletten. Um das Schilddrüsengewebe bei der Produktion von Schilddrüsenhormonen zu entlasten, kann es außerdem sein, dass der Arzt die zusätzliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen verordnet. Unter diesen Bedingungen bildet sich ein Kropf meist wieder von alleine zurück. Ziel der Behandlung ist, dass der die Schilddrüse wieder auf ihre normale Größe schrumpft.

Welche Folgen hat ein Kropf?

Ein Kropf kann unterschiedliche Symptome auslösen. Häufig (vor allem im Anfangsstadium) verursacht er aber auch keinerlei Beschwerden. Das hängt vor allem von der Größe der Schilddrüse ab.

Luftnot, Heiserkeit, Schluckbeschwerden

Viele Menschen mit einem Kropf berichten von einem unangenehmen Fremdkörpergefühl (Druck- oder Kloßgefühl) im Hals. In der Regel werden die Beschwerden mit zunehmender Größe der Schilddrüse immer störender. Da sich die Schilddrüse direkt neben der Luftröhre befindet, kann ein großer Kropf auf die Luftröhre drücken, sodass diese eingeengt wird. In der Folge leiden Betroffene oft unter Luftnot (Atemnot). Zudem kann  die vergrößerte Schilddrüse auf die Stimmbandnerven, Speiseröhre oder Blutgefäße drücken und dadurch zu weiteren Beschwerden (wie Heiserkeit, Schluckbeschwerden) führen. Sogar ein Blutstau im Kopf ist möglich.

Da ein Kropf zudem häufig in Zusammenhang mit einer Schilddrüsenerkrankung entsteht, können Betroffene zusätzlich an Symptomen leiden, die für eine Schilddrüsenunterfunktion oder Überfunktion typisch sind.

Knoten-Kropf

Besteht der Kropf über eine längere Zeit, können sich – wie oben bereits angesprochen – zusätzlich Gewebeinseln (Knoten-Kropf) im Schilddrüsengewebe bilden. Produzieren diese Gewebeinseln wenige oder gar keine Hormone mehr, sprechen Mediziner von sogenannten "kalten Knoten“. In seltenen Fällen kann sich aus einem kalten Knoten ein bösartiger Tumor (Schilddrüsenkrebs) entwickeln.

Heiße Knoten hingegen sind autonome Gewebe, die unabhängig vom tatsächlichen Bedarf ungehemmt Hormone produzieren. Diese Knoten können sich im Laufe der Zeit vermehren und Beschwerden wie Herzrasen, Gewichtsabnahme, Nervosität und Schlaflosigkeit auslösen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz & Dr. med. Jörg Zorn

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