Ständig müde oder gereizt und nervös: Kann das von der Schilddrüse kommen?

Ja, das ist durchaus möglich. Wer sich chronisch müde, schlapp und abgeschlagen fühlt, leidet möglicherweise unter einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Da Schilddrüsenhormone fast alle wichtigen Körperfunktionen beeinflussen und auch wesentlichen Einfluss auf unsere psychische Verfassung haben, kann sowohl ein zu viel als auch ein zu wenig an Schilddrüsenhormonen verschiedenste Beschwerden auslösen.

Kleines Organ, große Wirkung

Man muss sich nur einmal klarmachen, was alles zu den Aufgaben der Hormone dieses kleinen Organs gehört! Sie wirken z.B. auf unser Nervensystem und steuern hier die ganze Bandbreite unserer Empfindsamkeit, von der völligen Teilnahmslosigkeit bis hin zur Überempfindlichkeit. Sie haben aber auch einen Einfluss auf die Muskulatur und können sie schwächen oder stärken. Auch auf das Herz wirken sie, indem sie etwa den Herzschlag beschleunigen.

Ganz entscheidend sind sie zudem für das Wachstum und die gesamte Entwicklung. Daher gehört eine Untersuchung der Schilddrüsenfunktion zum Neugeborenen-Screening, um eine Verzögerung der Entwicklungsprozesse zu vermeiden. Und schließlich steht der gesamte Stoffwechsel, alle Vorgänge, die ständig in unserem Körper ablaufen, unter der Schirmherrschaft der Hormone.

Schlapp und schlecht gelaunt?

Wenn man sich diese ganzen Aufgaben bewusst macht, wird klar, was eine Fehlfunktion der Schilddrüse für mannigfaltige Auswirkungen haben kann. So führt ein Mangel an Hormonen häufig dazu, dass sich Patienten ständig müde und energielos fühlen sowie an Leistungsschwäche, Appetitmangel, depressiven Verstimmungen oder Kälteempfindlichkeit leiden.

Des Weiteren sind Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion oft von Verstopfungen geplagt und legen besonders leicht an Gewicht zu, da ein verlangsamter Stoffwechsel mit einem geringeren Energieverbrauch einhergeht.

Der häufigste Grund für eine Unterfunktion ist ein Mangel an Vitalstoffen. Damit die Schilddrüse nämlich genügend Hormone (T3 und T4) produzieren kann, benötigt sie vor allem Jod und Selen. Ein länger anhaltender Jodmangel zum Beispiel reicht bereits aus, um die empfindliche Schilddrüse aus dem Gleichgewicht zu bringen. Fehlt es dem Körper an Jod, können nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone hergestellt werden. Es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Vom Mangel zum Überfluss

Häufig auch geht eine Unterfunktion in eine Überfunktion über. Leidet der Körper nämlich unter einem Jodmangel, muss sich die Schilddrüse vermehrt anstrengen, um ausreichende Mengen an Schilddrüsenhormonen zu produzieren. Die Schilddrüse wächst in Folge, und es bildet sich ein Kropf (Struma).

In der Schilddrüse können sich daraufhin Knoten bilden, die unabhängig vom eigentlichen Bedarf Schilddrüsenhormone bilden. Diese sogenannten „autonomen“ Knoten (Adenome) führen dazu, dass aus einer Unterfunktion eine Überfunktion wird, indem sie ständig zu viele Hormone produzieren.

Lesen Sie dazu auch hier:
Symptome der Schilddrüsen-Überfunktion

Zu viel ist auch nicht gut

Eine Überfunktion kann sich dann dadurch äußern, dass wir besonders leicht gereizt und oft nervös sind. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels leiden Betroffene außerdem häufig unter einem schnellen Puls (Herzrasen) und verlieren leicht an Gewicht. Aber auch Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen können mit einer Überfunktion einhergehen.

Auch viele andere Ursachen denkbar

Wichtig: Die Symptome alleine sind noch kein eindeutiger Beweis dafür, dass bei Ihnen auch tatsächlich eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegt. Neben einer Schilddrüsenstörung sind noch viele weitere Ursachen (z. B. zu wenig Schlaf, Drogenkonsum, Depressionen etc.) möglich, die diese Beschwerden auslösen können. Eine eindeutige Diagnose kann daher immer nur der Arzt stellen.

Generell gilt: Wenn Sie sich ständig müde, gereizt und nervös fühlen - und das ohne erkennbaren Grund - sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Beschwerden aufzuklären. Mittels eines einfachen Bluttest kann der Arzt feststellen, ob Sie tatsächlich an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse leiden. Bei einer Hypothyreose (Unterfunktion) befinden sich zu wenige Schilddrüsenhormone im Blut; bei einer Hyperthyreose (Überfunktion) hingegen zu viele.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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