Kann aus einer Schilddrüsenunterfunktion eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen?

Ja, das ist möglich und kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann eine zu hoch dosierte Therapie mit Schilddrüsenhormonen zu einer Überfunktion führen, zum anderen aber auch ein Knoten der Schilddrüse, bedingt durch zu wenig Jod.

Ein erster Grund: zu hoch dosierte Schilddrüsentherapie

Werden Schilddrüsenhormone in einer zu hohen Menge eingenommen, kann es zu einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse kommen. Zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion oder eines Kropfes wird normalerweise die Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) empfohlen, um den Mangel an Hormonen wieder auszugleichen. Gerade am Anfang der Behandlung kann es sein, dass durch die plötzliche und vermehrte Zufuhr von Hormonen aus einer Unterfunktion eine Überfunktion entsteht. Das hat den Grund, dass zu Beginn einer Therapie erst die richtige Dosis gefunden werden muss, um den Mangel an Hormonen auszugleichen. Das ist nicht immer einfach und erfordert meist viel Zeit und Geduld.

Außerdem kommt es häufig vor, dass eine zu hohe Anfangsdosis gewählt oder die Dosis zu schnell gesteigert wird, sodass die Schilddrüse plötzlich zu viele Hormone produziert. Nur durch eine geringe Anfangsdosis und eine schrittweise Steigerung der Dosen kann verhindert werden, dass es zu einer (kurzzeitigen) Überfunktion der Schilddrüse kommt.

Ein weiterer Grund: Jodmangel

Aber auch ein Knoten in der Schilddrüse (autonomes Adenom) kann dazu führen, dass aus einer Unterfunktion eine Überfunktion entsteht. Das hat folgenden Grund:

Ein Jodmangel (die Schilddrüse benötigt Jod, um ausreichend Hormone zu produzieren) kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) und knotigen Veränderungen führen, weil sich die Schilddrüse vermehrt anstrengen muss, genügend Hormone herzustellen. Dabei können Schilddrüsenknoten (autonome Knoten) entstehen, die selbstständig und ohne Kontrolle durch das Gehirn Hormone produzieren. Wird dem Körper nun von außen noch weiteres Jod zugeführt (zum Beispiel durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder aber auch durch die Einnahme von Jodidtabletten), kann sich aus der Unterfunktion eine Überfunktion entwickeln.

Autorin: Nina Schratt-Peterz

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Schilddrüsenunterfunktion: Symptome und Behandlung

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