Wie gefährlich ist eine Operation an der Schilddrüse?

Die Schilddrüsen-Operation zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland und ist mittlerweile zu einem Routine-Eingriff geworden. Dennoch kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen.

Verletzung der Stimmbandnerven

Zu den Risiken einer Schilddrüsen-Operation gehört vor allem die Verletzung der Stimmbandnerven. Diese verlaufen nämlich auf der Rückseite der Schilddrüsenlappen. Eine solche Verletzung kann durch direkten Kontakt mit dem Operationsbesteck, aber auch durch Zug oder Druck oder einen Bluterguss entstehen.

Die Folge ist eine ein- oder beidseitige Lähmung der Stimmbandlippen. Die Stimmlippen öffnen und schließen sich dann nicht mehr richtig. Das wiederum führt zu starker Heiserkeit und einer leisen Stimme. Auch Atemprobleme können auftreten.

In der Regel gehen diese Beschwerden einige Tage oder Wochen nach der Schilddrüsen-OP wieder von alleine weg. Dann hat sich der verletzte Nerv wieder regeneriert. Nur in seltenen Ausnahmefällen werden die Stimmbänder durch die Operation dauerhaft geschädigt. In diesem Fall kann die Stimmqualität durch ein spezielles Sprachtraining (bei einem Logopäden) verbessert werden.

Vorbeugende Maßnahmen verbessert

Wichtig: Eine Beeinträchtigung der Stimmqualität tritt nach einer Schilddrüsenoperation heute nur noch selten auf (bei etwa jedem zwanzigsten Patienten). Unter anderem deshalb, weil die Vorkehrungsmaßnahmen verbessert wurden. So ist es mittlerweile möglich, das Verletzungsrisiko anhand eines speziellen Überwachungsgeräts zu minimieren. Dabei handelt es sich um ein System zum Neuromonitoring, mit dem die Nerven, die in der Nähe der Schilddrüse verlaufen, überwacht werden können. Wird der Kehlkopfnerv zum Beispiel durch Kontakt mit dem Operationsbesteck gereizt, warnt das System den Arzt durch ein optisches und akustisches Signal.

Beschädigung der Nebenschilddrüsen

Außerdem kann es während des Eingriffs an der Schilddrüse zur Beschädigung oder ungewollten Entfernung der Nebenschilddrüsen kommen. Dieses kleine, paarige Organ reguliert den Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel. Sollten die Nebenschilddrüsen während der OP verletzt (oder entfernt) worden sein, kann es vorübergehend zu einem Kalzium-Abfall im Blut kommen.

Durch die Einnahme von Kalzium-Tabletten (eventuell auch Vitamin-D-Tabletten) kann das Gleichgewicht zwischen Kalzium und Phosphat wieder hergestellt werden. Bei anhaltendem Kalziummangel kann es hingegen zu Muskelkribbeln und Kopfschmerzen kommen.

Nutzen und Risiko abwägen

Was wichtig ist: Wer über Risiken und Gefahren der Schilddrüsen-Operation nachdenkt, muss auch darüber nachdenken, was passieren würde, würde man auf den Eingriff verzichten. Ein operativer Eingriff an der Schilddrüse ist in der Regel notwendig, wenn das Schilddrüsengewebe ungebremst Hormone produziert (heiße Knoten, Überfunktion, Morbus Basedow) oder bei bösartigen Erkrankungen wie Schilddrüsenkrebs bzw. Vorstufen einer solchen Erkrankung. Auch wenn ein gutartiger Knoten so groß ist, dass er auf andere Organe drückt, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.

Ob eine Schilddrüsen-Operation empfehlenswert ist und wie dringlich sie ist, hängt dabei sehr stark von der Ausprägung der Erkrankung ab.

Gründe für eine Schilddrüsen-OP

Eine vollständige oder teilweise Entfernung der Schilddrüse kann in folgenden Fällen erforderlich sein:

  • Schilddrüse drückt auf Luft- oder Speiseröhre:
    Wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist (sich zum Beispiel ein Kropf gebildet hat), kann sie auf die Luft- oder Speiseröhre drücken, sodass diese eingeengt werden. Dadurch kann es zu Atemnot, Schluckstörungen oder einem starken Druckgefühl im Hals kommen.

  • Morbus Basedow:
    Bei schwerem Verlauf des Morbus Basedow (autoimmunbedingte Schilddrüsenunterfunktion).

  • Stark ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion:
    Bei starker Überfunktion der Schilddrüse und vermehrter Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen. Wichtig: Abhängig vom Befund und auf eigenen Wunsch kann auch eine Radiojodtherapie oder eine medikamentöse Behandlung in Frage kommen.

  • Krebsverdächtiger Schilddrüsenknoten:
    Wenn der Verdacht auf einen bösartigen Knoten in der Schilddrüse besteht. Bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Schilddrüse wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Unregelmäßig begrenzte Knoten sowie eine auffällige Durchblutung können erste Anzeichen für eine Krebserkrankung der Schilddrüse sein. Oft bleibt aber unklar, um welchen Tumor-Typ es sich handelt. In diesem Fall entscheidet der Arzt, ob eine Operation wirklich notwendig ist. Stellt sich bei der Untersuchung hingegen heraus, dass die Geschwulst gutartig ist, muss nicht operiert werden.

Wichtig: Ein Großteil der Schilddrüsenknoten ist ungefährlich. Bevor man sich also für eine Operation entscheidet, sollte man sicherheitshalber eine Zweitmeinung von einem Experten einholen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz & Dr. med. Jörg Zorn

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