Welche Nebenwirkungen können unter Thyroxin (Schilddrüsenhormon) auftreten?

Das Medikament Levothyroxin bzw. L-Thyroxin wird normalerweise gut vertragen. Das ist insofern kein Wunder, als es sich bei der natürlichen Substanz um ein körpereigenes Hormon handelt, das der Körper also auch selbst produziert.

Probleme am ehesten zu Beginn

Wenn es zu Problemen kommt, liegt das – abgesehen von eventuellen Unverträglichkeitsreaktionen gegen das Präparat – vor allem an einer zu hohen oder zu schnell gesteigerten Dosierung. Dann machen sich typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion als unerwünschte Wirkungen bemerkbar. Dazu zählen:

  • Herzklopfen
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • andere Herzrhythmusstörungen
  • seltener auch Brustschmerzen mit Engegefühl wie bei einer Angina pectoris

Weitere typische Zeichen einer Überdosierung von L-Thyroxin

Als typisch werden ferner beschrieben:

  • Nervosität
  • Schlaflosigkeit
  • Heißhunger
  • Durchfall
  • Zittern (Tremor)
  • Hitzegefühl und übermäßiges Schwitzen
  • Störungen der Regelblutung
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Haarausfall

Das alles ist recht gut dadurch zu erklären, was das Schilddrüsenhormon im Körper macht: Es kurbelt nämlich den Stoffwechsel an.

Herausforderung: die richtige Dosis

Ohne die Schilddrüsenhormone kann der Körper grundlegende Funktionen nicht ausführen. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse ist es daher sehr wichtig, die fehlenden Hormone zu ersetzen. Das ist allerdings keine leichte Aufgabe. Die richtige Dosis zu finden, kann manchmal zur Herausforderung werden.

Das liegt daran, dass die sogenannte therapeutische Breite von L-Thyroxin gering ist. Sie gibt den Dosisbereich an, in dem ein Medikament wirkt, ohne jedoch Nebenwirkungen zu verursachen. Bei L-Thyroxin liegt er in engen Grenzen, d.h. der Weg von einer guten Wirkung hin zu Nebenwirkungen ist nicht weit.

Langsame Dosissteigerung

Daher muss eine Substitutionsbehandlung sehr behutsam eingeleitet werden. Sie beginnen in der Regel mit 25-50 µg L-Thyroxin. In längeren Abständen kann der Arzt die Dosis dann schrittweise um jeweils dieselbe Menge erhöhen und sich so langsam an Ihren Bedarf heranzutasten.

Bei älteren und/oder herzkranken Menschen muss der Arzt noch vorsichtiger sein. Sie reagieren unter Umständen noch empfindsamer auf die von außen zugeführten Hormone. Auch bei Diabetikern ist die richtige Einstellung mit Schilddrüsenhormonen oft schwierig, da L-Thyroxin den Blutzuckerspiegel erhöhen kann.

Wechselnder Bedarf an L-Thyroxin

Aber auch, wenn die richtige Dosis erstmal gefunden ist, heißt das nicht, dass Sie in Zukunft immer gut damit zurechtkommen. Unser Hormonsystem folgt einem sehr komplexen, fein austarierten Kreislauf, der stetig in Gang gehalten wird und sich auf die jeweiligen Umstände und Erfordernisse einstellt. So benötigen wir in manchen Situationen mehr von dem einen Botenstoff und weniger von einem anderen. Ändert sich die Situation, kann es wieder genau umgekehrt sein.

Dieses ständige Wechselspiel können Sie auch hin und wieder zu spüren bekommen. Wenn Sie längerfristig mit der Dosierung nicht mehr klarkommen, muss Sie ggf. angepasst werden. Das ist im Verlauf einer langjährigen bis lebenslangen Behandlung durchaus möglich.

Sie können sich aber vielleicht auch vorstellen, dass man die Hormone von außen nicht so zielgerecht und punktgenau am Bedarf ausrichten kann, wie das der Körper schafft. Daher kann es sein, dass Sie immer mal wieder Beschwerden bekommen.

Wenn L-Thyroxin zu niedrig dosiert ist

Übrigens kann das auch daran liegen, dass Sie zu wenig L-Thyroxin einnehmen. Eine Unterdosierung führt zu Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Gewichtszunahme und depressiven Verstimmungen. Das kann passieren, wenn Sie das Mittel nicht sachgemäß einnehmen und z.B. keinen ausreichenden Abstand zum Frühstück einhalten. L-Thyroxin kann dann vom Körper weniger gut aufgenommen werden und entsprechend keine ausreichende Wirkung entfalten.

Achten Sie daher genau auf die Anweisungen Ihres Arztes und wenden Sie sich an ihn, wenn Sie im Verlauf der Behandlung Nebenwirkungen bemerken.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser, Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (2)
Überdossierung von Thyroxin
2 Samstag, den 10. Februar 2018 um 08:35 Uhr
Ich habe keine Symptome einer Überdosierung. Mein Arzt möchte aber immer die Dosierung reduzieren. Ich nehme z.Zt. L-Th 150 (KG 62 kg) Bei 100 ging es mir schlechter. Soll der Arzt trotzdem die Dosierung herabsetzen oder kann ich weiterhin 150 nehmen?
Zittern der Beine
1 Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 12:04 Uhr
Seit zwei Monaten zittern der Beine ! Nehme 75 mg seit Jahren ! Was ist das kann sich was verändert haben mit der SD Unterfunktion ? Ich hab Panik
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