Wie wirkt L-Thyroxin?

Levothyroxin oder kurz L-Thyroxin (T4) ist ein Hormon, das natürlicherweise in unserer Schilddrüse gebildet wird. Für die Anwendung als Medikament wird es synthetisch hergestellt. Grob vereinfacht kann man sagen, dass das Schilddrüsenhormon den Energiestoffwechsel ankurbelt. Wem es daran fehlt, der wird schlapper, um es mal sehr salopp zu formulieren.

Die Aktivator-Hormone: Thyroxin und Trijodthyronin

Aber nun etwas genauer: Thyroxin ist die Vorstufe für ein weiteres Schilddrüsenhormon, das Trijodthyronin (T3). Beide Schilddrüsenhormone werden für die Regulation zahlreicher Vorgänge im Körper benötigt, insbesondere für den Energiestoffwechsel. Aber auch im Protein-, Kohlenhydrat-, Lipid-, Nukleinsäure- und Vitaminstoffwechsel mischen sie mit. Sie beeinflussen damit neben dem Grundumsatz auch Vorgänge in Magen und Darm, Herz und Kreislauf sowie Nervensystem und Psyche. Das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln steuern sie ebenfalls. Entsprechend vielfältig sind die möglichen Symptome einer mangelhaften Bildung von körpereigenem Thyroxin.

Hauptanwendungsgebiet: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Präparate mit L-Thyroxin werden folglich in erster Linie als Ersatz (Substitution) des natürlichen Hormons verschrieben, wenn dieses nicht mehr ausreichend arbeitet. Also zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion. Eine solche Unterfunktion ist nicht selten und muss meist lebenslang behandelt werden. Hypothyreose nennen das die Ärzte.

Seine volle Wirksamkeit entfaltet das von außen zugeführte Hormon dabei nicht sofort. In der Regel dauert es bis zu drei Wochen nach Beginn der Einnahme, bis der volle Effekt erreicht ist.

Auch zur Kropf-Behandlung

Zu weiteren Anwendungsgebieten von Thyroxin zählen:

  • die Behandlung einer gutartigen Vergrößerung der Schilddrüse (bekannt als Kropf, medizinisch: benigne Struma)
  • die autoimmun bedingte Hashimoto-Thyreoiditis (eine Schilddrüsen-Entzündung)
  • und spezielle Fälle einer Schilddrüsenüberfunktion

Um den Sinn einer Kropf-Behandlung mit Thyroxin zu verstehen, muss man etwas tiefer einstiegen. Ein Kropf, also eine vergrößerte Schilddrüse entsteht in der Regel durch Jodmangel. Jod wird von der Schilddrüse benötigt, damit sie Schilddrüsenhormone herstellen kann. Fehlt es an Jod in der Ernährung, führt das dazu, dass die Schilddrüse ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Sie reagiert darauf, in dem sie sich vergrößert, um den Mangel an Hormon irgendwie auszugleichen. Das ist lobenswert, reicht aber nicht aus. Besser ist, der Körper bekommt wieder mehr Jod zugeführt.

Und warum dann Thyroxin? Wenn man zusätzlich zum Jod auch noch Thyroxin als Medikament zu sich nimmt, bekommt die Schilddrüse gemeldet: "Es ist genug Hormon da". Dann hört sie auf, wie irrwitzig zu schuften und sich dadurch zu vergrößern.

Weitere Einsatzgebiete von Thyroxin

Thyroxin kommt außerdem zum Einsatz bei:

  • Operationen an der Schilddrüse
  • bösartigen Tumoren
  • einem Test (Suppressionstest) zur Untersuchung der Schilddrüsenfunktion

Bekannt ist, dass Thyroxin auch missbräuchlich von Übergewichtigen mit normaler Schilddrüsenfunktion als Schlankheitspille eingesetzt wird. Davon ist angesichts der möglichen Nebenwirkungen dringend abzuraten. Todesfälle aufgrund von Überdosierungen sind bei diesem Medikament ebenfalls bekannt.

Milliarden von Tagesdosen in Deutschland verordnet

Übrigens: Levothyroxin war nach AOK-Angaben im Jahr 2012 mit 17 Millionen Verordnungen bzw. über 1 Milliarde (!) Tagesdosen das am zweithäufigsten verschriebene Medikament in Deutschland. Das ist umso erstaunlicher, als die sich zeitgleich der Jodversorgungszustand der deutschen Bevölkerung verbessert hat. Dafür wurde aber der Schwellenwert eines behandlungsbedürftigen Hormonspiegels herabgesetzt (exakt gesagt, von TSH, dem Hormon, das die übrigen Schilddrüsenhormone übergreifend steuert. Man hat also in gewisser Weise künstlich nachgeholfen. Offiziell heißt es, aus medizinischen Gründen, es gehört aber nicht viel Phantasie dazu, auch finanzielle Begehrlichkeiten zu vermuten.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn
Quellen: u.a. Badische Zeitung, 17.04.2014; http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/viele-aerzte-verschreiben-schilddruesenhormone-zu-schnell--80821757.html

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