Welche Nebenwirkungen haben Schilddrüsenblocker?

Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) werden zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eingesetzt. Wie jedes andere Medikament auch können sie mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen. Oft werden sie jedoch problemlos vertragen und verursachen keinerlei Beschwerden.

Dennoch ist die Einnahme von Substanzen wie Thiamazol oder Carbimazol in der Regel keine Dauerlösung.

Möglichst zu vermeiden: ein Kropf

Infolge der Therapie kann sich nämlich nach einiger Zeit ein Kropf bilden. Das erklärt sich folgendermaßen:

Die Schilddrüse hat über sich ein Steuerzentrum, das ihr vorgibt, wieviele Hormone sie herstellen soll. Wird die Schilddrüse medikamentös blockiert, bekommt sie von oben den Auftrag, wieder mehr zu produzieren. Diesem Befehl versucht sie nachzukommen, indem sie wächst. Das Schilddrüsengewebe schwillt an und bildet irgendwann einen von außen sichtbaren Kropf.

Daneben können mit unterschiedlicher Häufigkeit zahlreiche weitere Nebenwirkungen eintreten. Im Einzelnen sind das folgende:

  • relativ häufig: Juckreiz, allergische Hautausschläge und Kopfschmerzen
  • gelegentlich: Gelenk- und Muskelschmerzen, Geschmacksstörungen, Entzündungen im Mundbereich (offene Stellen im Mund) und Fieber
  • selten: Magen-Darm-Probleme, Verminderung der weißen Blutzellen oder aller Blutzellen (Agranulozytose)
  • sehr selten: Leberschäden

Nebenwirkungen oft nur vorübergehend

Die gute Nachricht: Wenn überhaupt, treten Nebenwirkungen meist nur am Anfang der Therapie auf, da sich der Körper erst an die Zufuhr der Medikamente gewöhnen muss. Zudem sind gerade zu Beginn der Therapie häufig höhere Dosen üblich. Nach Reduzieren der Anfangsdosis können diese Nebenwirkungen aber wieder vollständig abklingen.

Lästiger Nebeneffekt: Gewichtszunahme

Im Verlauf der Therapie kann es auch zu einer Gewichtszunahme kommen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine direkte medikamentöse Nebenwirkung. Vielmehr normalisiert sich durch die Einnahme der Medikamente der Stoffwechsel wieder, was durchaus gewünscht ist. Da er jedoch zuvor auf Hochtouren gelaufen ist und der Körper jede Menge Energie verbraucht hat, kann es sein, dass durch die Umstellung auf einen "trägeren" Modus die Waage ein paar Kilo mehr anzeigt. Dann muss man unter Umständen seine Ernährung und Bewegung entsprechend anpassen.

Langfristige Alternativen zur medikamentösen Therapie

Am besten ist es natürlich, wenn man auf all diese Nebenwirkungen verzichten kann, zumal es gute therapeutische Alternativen zu einer dauerhaften Medikamenteneinnahme gibt.

Im Falle einer sog. Schilddrüsenautonomie etwa, bei der die Schilddrüse ungebremst Hormone ausschüttet, werden Medikamente in der Regel nur so lange verabreicht, bis sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert hat. Danach wird das erkrankte Schilddrüsengewebe entfernt, um die überschießende Hormonproduktion dauerhaft zu beheben. Neben einer Bestrahlung kommt dafür auch eine Operation in Betracht.

Auch beim Morbus Basedow, einer Schilddrüsenerkrankung, die durch das eigene Immunsystem ausgelöst wird, sind Medikamente immer nur eine Übergangslösung. Die Krankheit kann sich danach von selbst zurückbilden, oder sie wird ebenfalls operativ bzw. strahlentherapeutisch behandelt.

Eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) kann ebenfalls eine Überfunktion zur Folge haben, die mit Schilddrüsenblockern behandelt werden muss. Das ist jedoch meist nur vorübergehend nötig, da sich in der Regel im Verlauf eher eine Unterfunktion entwickelt, bei der zu wenig Hormone produziert werden. Diese wiederum lassen sich problemlos auch langfristig mit Tabletten ausgleichen.

Wichtig: Wenn Sie eine oder mehrere Nebenwirkungen an sich beobachten, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Es kann sein, dass das Medikament dann abgesetzt werden muss. Außerdem kann die Wirkung des Arzneimittels durch die übermäßige Aufnahme jodhaltiger Nahrungsmittel (wie Algen, Muscheln, Seefische) verstärkt werden.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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