Was sind Thyreostatika und bei welchen Schilddrüsenproblemen helfen sie?

Thyreostatika sind Medikamente, die eingesetzt werden, um eine zu starke Produktion von Schilddrüsenhormonen wieder zu normalisieren. Sie werden daher auch als Schilddrüsenblocker bezeichnet und kommen zur Behandlung einer Schilddrüsen-Überfunktion zum Einsatz.

Unterbrechen der Produktionskette

Die Herstellung von Schilddrüsenhormonen ist ein sehr komplexer Vorgang. Es sind viele einzelne Schritte nötig, bis die fertigen Hormone T3 und T4 in den Blutkreislauf ausgeschüttet werden können.

Medikamente, die die Schilddrüse dabei hemmen, greifen an unterschiedlichen Stellen dieses Herstellungsprozesses ein. Man kann sich das wie eine Produktionskette vorstellen: Wird sie an einer Stelle unterbrochen, kommt das gesamte System zum Erliegen.

Verschiedene Substanzklassen

Thyreostatika lassen sich nach ihrem Wirkmechanismus in zwei Klassen einteilen. Die sog. Thioamide unterbrechen die Herstellung der Schilddrüsenhormone an unterschiedlichen Stellen. Zu ihnen gehören Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil.

Daneben gibt es das Perchlorat, das die Aufnahme von Iod in die Schilddrüsenzellen verhindert. Iod ist essentieller Bestandteil der Hormone, ohne den die Produktion erst gar nicht beginnen kann.

Hier nochmal im Überblick:

  • Thioamide (Thiamazol, Carbimazol und Propylthiouracil): hemmen die Herstellung von Schilddrüsenhormonen
  • Perchlorat: hemmt die Iodaufnahme in die Schilddrüsenzellen

Vielfältiger Einsatz

Die Thioamide kommen bei sämtlichen Formen der Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) zum Einsatz. Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse unkontrolliert und über den eigentlichen Bedarf hinaus Hormone. Ziel der Behandlung mit Thyreostatika ist es, eine erhöhte Konzentration der Schilddrüsenhormone wieder zu normalisieren.

Folgende Erkrankungen und Ursachen können einer Hyperthreose zugrunde liegen:

  • Schilddrüsenautonomie (heiße Knoten)
  • Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung)
  • Hashimoto (Schilddrüsenentzündung)
  • Schwangerschafts-Hyperthyreose
  • thyreotoxische Krise (lebensbedrohlicher Zustand einer Überfunktion)
  • eine verstärkte Freisetzung des TSH-Hormons aus der Hirnanhangsdrüse
  • Vergiftung mit Jod
  • Überdosierung mit Schilddrüsenhormonen.

Eher die Ausnahme: Perchlorat

Perchlorat kann die Schilddrüse rasch blockieren, wird aber aufgrund der Gefahr gravierender Nebenwirkungen seltener eingesetzt. Geeignet ist es beispielsweise vor der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln, die bei anfälligen Patienten zu einer schweren Schilddrüsen-Überfunktion führen können. Auch bei einer Überdosierung von Iod finden sie Anwendung.

Wichtig: Im Gegensatz zu Perchlorat wirken Thioamide erst nach einer Weile. Sie hemmen zwar die Neubildung von Hormonen, können aber nicht verhindern, dass bereits hergestellte Hormone, die in den Zellen gespeichert sind, freigesetzt werden. Erst wenn dieser Vorrat verbraucht ist, tritt die Wirkung ein (nach ca. einer Woche).

Zu Beginn werden die Substanzen recht hoch dosiert, bis der Hormonhaushalt ausgeglichen ist (sog. Euthyreose). Danach kann die Dosis langsam reduziert werden.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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