Sonographie der Schilddrüse: Kann der Hausarzt das machen?

Ja. Eine Schilddrüsen-Sonographie (Ultraschall) kann jeder Hausarzt durchführen. In der Regel ist er die erste Anlaufstelle, wenn man merkt, dass etwas mit der Schilddrüse nicht stimmt. Voraussetzung ist natürlich, dass der Hausarzt über ein entsprechendes Ultraschallgerät verfügt.

Ultraschallkopf Schilddrüse Ultraschallkopf Schilddrüse

Ein Sonographiegerät gehört heute allerdings zur Grundausstattung einer soliden Hausarztpraxis. Auch ein spezieller Schallkopf, der für die Untersuchung der Schilddrüse benötigt wird, sollte vorhanden sein. Manche Geräte verfügen darüber hinaus über einen sogenannten Doppler (Duplexsonographie), mit dem auch der Blutfluss beurteilt werden kann. Bei einigen Schilddrüsenerkrankungen kann das dem Arzt weitere wichtige Informationen liefern.

Je mehr Erfahrung, umso besser

Neben der apparativen Ausstattung sollte der Hausarzt auch über eine entsprechende Erfahrung verfügen. Die Ultraschalluntersuchung ist in ihrer Durchführung zwar sehr einfach, die Beurteilung will jedoch gelernt sein. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen ist die Qualität ihrer Aussagekraft stark davon abhängig, wer sie durchführt.

Wer schon einmal das Grau in Grau auf dem Monitor eines Ultraschallgerätes gesehen hat und den Erläuterungen des Arztes fasziniert, aber verständnislos gelauscht hat, ahnt vielleicht, wieviel Übung und Erfahrung nötig ist, um ein Organ beurteilen zu können.

In der Regel gehört der Ultraschall aber zum täglich Brot des Hausarztes. Er ist schließlich meist der erste, an den man sich mit Beschwerden wendet und muss sie richtig beurteilen und einordnen.

Wenig Aufwand, hohe Aussagekraft

Mithilfe der Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Lage, Form, Größe und Struktur der Schilddrüse erkennen. Er kann das Organ genau ausmessen und herausfinden, ob es vergrößert ist. Das merkt er mithilfe der Sonographie sogar früher als mit bloßen Händen. Ein Kropf lässt sich erst ab einem gewissen Stadium von außen ertasten.

Neben der Beurteilung der Schilddrüse selbst kann der Hausarzt auch nach Zysten und Knoten suchen. Verdächtige Areale sieht er genau ein und beurteilt sie anhand unterschiedlicher Grauwerte. Man unterscheidet bei der Sonographie verschiedene Graustufen, je nach dem, wie hell bzw. dunkel die abgebildeten Strukturen auf dem Monitor erscheinen.

Daneben kann der Arzt mit der Duplexsonographie die Durchblutung des Schilddrüsen-Gewebes prüfen, die z.B. bei einer Entzündung oder einer Autoimmunerkrankung wie Morbus Basedow stark erhöht sein kann.

Szintigraphie: Überweisung zum Nuklearmediziner

Stellt der Hausarzt größere Knoten (größer als 1 Zentimeter) fest oder möchte er noch genauere Aussagen über sie gewinnen, wird er zu einer Szintigraphie der Schilddrüse raten. Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung wird eine leicht radioaktive Substanz gespritzt und beobachtet, wie sie von der Schilddrüse aufgenommen wird. Daraus wird ersichtlich, wie produktiv die einzelnen Areale der Schilddrüse sind, was wiederum Aufschluss über die zugrundeliegende Erkrankung gibt.

Die Szintigraphie kann der Hausarzt jedoch nicht selbst vornehmen. Sie wird in der Regel von einem Nuklearmediziner durchgeführt.

Außerdem: Wenn der Hausarzt sich mit der Diagnose nicht sicher ist oder den Verdacht auf eine spezielle Schilddrüsenerkrankung hegt, wird er Sie zum Endokrinologen, einem Spezialisten für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, weiterleiten. Er wird bestimmt eine weitere Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchführen und den Befund noch genauer beurteilen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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