Was kann der Arzt beim Abtasten der Schilddrüse herausfinden?

Beim Abtasten der Schilddrüse kann der Arzt feststellen, ob das Organ vergrößert ist und sich ein Kropf (auch Struma genannt) gebildet hat. Auch knotenförmige Veränderungen im Schilddrüsengewebe lassen sich mit geübten Händen sehr gut ertasten.

Sehen, fühlen, hören, riechen

Die ärztliche Untersuchung "mit allen Sinnen" gehört trotz der rasanten Weiterentwicklung hochauflösender bildgebender Verfahren in der Medizin nach wie vor zum Kern einer gründlichen Untersuchung. Ein erfahrener Arzt kann mit seinem Blick, seinen Händen und manchmal auch mithilfe des Geruchssinns oft viel mehr herausbekommen als ein bloßes Bild ihm verraten könnte.

Bei der Schilddrüse gehört die manuelle Untersuchung zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren, um das Organ beurteilen zu können. Dazu wird der Arzt Sie bitten, auf einem Stuhl Platz zu nehmen und den Kopf etwas in den Nacken zu legen, damit der Hals leicht gestreckt ist. Anschließend stellt er sich hinter Sie, um die Schilddrüse mit beiden Händen abtasten zu können.

Entdeckt er einen Knoten in der Schilddrüse, wird er darauf achten, wie fest er sich anfühlt, welche Oberfläche er aufweist, und ob er sich beim Schlucken mit dem Adamsapfel verschiebt oder an einer Stelle verharrt. Sollte der Knoten eine höckerige Oberfläche besitzen, von harter Konsistenz sein und sich beim Schlucken nicht verschieben, könnte das auf einen bösartigen Tumor (Schilddrüsenkrebs) hinweisen.

Außerdem: Wenn das Abtasten der Schilddrüse starke Schmerzen auslöst, kann auch eine Schilddrüsenentzündung vorliegen.

In der Regel sind Schilddrüsenknoten jedoch harmlos. Sie fühlen sich dann eher weich an, haben eine gleichmäßige Oberfläche und wandern beim Schlucken auf und ab. Sie können einzeln auftreten oder zu mehreren große Teile der Schilddrüse befallen.

Weitere Untersuchungen

Außerdem wird der Arzt die Schilddrüse, wenn sie vergrößert ist, eventuell auch mit seinem Stethoskop abhören. Denn manchmal ist das Gewebe stark durchblutet, so dass man von außen die Strömungsgeräusche des Blutes wahrnehmen kann. Ein solches "Schwirren" ist typisch für den Morbus Basedow, der mit einer Überfunktion der Schilddrüse einhergeht.

Allerdings hat die Untersuchung mit den Händen auch ihre Grenzen. Daher sind ergänzend weitere bildgebende Verfahren durchaus sinnvoll. Eine beginnende Struma zum Beispiel ist mit bloßen Händen noch nicht spürbar, kann aber mittels Ultraschall (Sonographie) bestätigt werden. Hierbei kann man nämlich das Volumen der Schilddrüse genau ausmessen. Bei Frauen liegt ab einem Volumen von > 18 ml eine Struma vor, bei Männern ab > 25 ml.

Vergrößerte Schilddrüse: Was tun?

Wer eine Vergrößerung der Schilddrüse bei sich beobachtet, sollte möglichst rasch einen Arzt aufsuchen. Denn wenn man bereits von außen Veränderungen sieht, ist der Kropf meist schon recht ausgeprägt.

Die häufigste Ursache für die Entstehung eines Kropfes ist Jodmangel. Aber auch viele weitere Gründe wie eine Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, eine akute Schilddrüsenentzündung, gut- und bösartige Tumore sowie bestimmte Autoimmunkrankheiten (wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow) können mit einem "dicken Hals" einhergehen.

Um herauszufinden, warum sich die Schilddrüse vergrößert hat, sind weitere Tests (Bluttest) und Untersuchungen notwendig. Anhand der Sonographie können nicht nur Knoten, sondern auch die genaue Lage, Größe, Form und Struktur der Schilddrüse selbst festgestellt werden. Zudem ist es mit einer Sonographie möglich, Zysten und Lymphknoten genau zu diagnostizieren.

Bei größeren Knoten (mehr als ein Zentimeter) oder Blutwerten, die ein hormonelles Ungleichgewicht zeigen, kann außerdem eine sogenannte Szintigraphie sinnvoll sein. Sie gibt Aufschluss darüber, wie aktiv die Knoten sind. Man spricht auch von sogenannten heißen und kalten Knoten. Ein kalter Knoten muss immer anhand weiterer Untersuchungen abgeklärt werden, um Schilddrüsenkrebs ausschließen zu können.

Jodtabletten und Hormone gegen den Kropf

Hat sich ein Kropf, wie es meistens der Fall ist, aufgrund eines Jodmangels gebildet, werden Jodtabletten verschrieben, um die Drüse zu entlasten. Zusätzlich kann auch das künstlich hergestellte Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) eingenommen werden.

Ist die Schilddrüse so stark vergrößert, dass sie auf die Luft- oder Speiseröhre drückt und dadurch weitere Beschwerden verursacht, kann sie auch operativ entfernt oder mithilfe der Radiojodtherapie verkleinert werden.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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