Blockierung: Neurophysiologische Erklärung

Schmerzhafte Störungen am Haltungs- und Bewegungsapparat lassen sich unter neurophysiologischen Gesichtspunkten in einen „gerichteten Rezeptorschmerz“ (klassische Blockierung), sowie die primär und die sekundär erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) einteilen.

Die derzeitige Vorstellung des Pathogenesemechanismus einer Blockierung ist folgende: Nervenzellen, die auf die Verarbeitung von Schmerzreizen (Aδ- und C-Schmerzfasern) spezialisiert sind, werden durch Schmerzreize elektrisch erregt und leiten diese Erregung an eine weitere Nervenzelle im Rückenmark weiter.

Die Erregung dieser zweiten Nervenzelle, WDR-Neuron (wide dynamic range neuron, multirezeptives Neuron im Rückenmark) genannt, wird durch die Ausschüttung der Neurotransmitter Glutamat und Substanz P vermittelt. Die weitere neuronale Verarbeitung des Schmerzreizes erfolgt auf zwei Pfaden: zum Einen gelangt die Information über den Nervenzellstrang des Tractus spinothalamicus zum Gehirn, wo die bewusste Wahrnehmung des Schmerzes stattfindet. Zum Anderen erfolgt über Axonkollateralen eine Erregung von motorischen Nervenzellen (α- und γ-Motoneuronen) auf der gleichen Ebene im Rückenmark.

Die von diesen motorischen Nervenzellen versorgten Muskeln werden – gemäß ihrer jeweiligen Wirkung an einem Gelenk, also beispielsweise im Sinne einer Beugung oder Streckung – in Agonisten und Antagonisten eingeteilt.

Durch die Erregung der motorischen Nervenzellen kommt es zu einer Aktivierung der Agonisten und einer gleichzeitigen Hemmung der Antagonisten (Renshaw-Interneuron) in Sinne der klassischen Schmerzabwehr.

Die Aktivierung der Muskulatur äußert sich dabei in einer Tonuserhöhung des Muskels. Neben der Extremitätenmuskulatur (Muskeln der Arme und Beine) wird auch die autochthone Rückenmuskulatur (funktionell: tiefe Wirbelsäulenrotatoren) infolge dieses Reflexbogens in ihrem Tonus gesteigert. Die autochthone Rückenmuskulatur wird in diesem Zusammenhang ebenfalls zu den Agonisten gerechnet. Ihre Tonusveränderungen sind als „Irritationspunkte“ tastbar.


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