Muss bei Rückenschmerzen ein Röntgenbild gemacht werden?

Die für viele Menschen eher überraschende Antwort lautet: In den meisten Fällen kann bei akutem Rückenschmerz auf eine Röntgenaufnahme verzichtet werden. Zum einen, weil die Schmerzen häufig von selbst wieder verschwinden. Zum anderen, weil die radiologische Diagnostik bei erst kürzlich aufgetretenen Beschwerden meistens keinen zusätzlichen Erkenntniswert beisteuert.

Zwar gibt es im Röntgenbild bzw. Computertomogramm desöfteren etwas zu sehen, was nicht unbedingt dem Normalbefund aus dem Lehrbuch entspricht. Ob allerdings ein Zusammenhang dieser meist verschleißbedingten Auffälligkeiten mit der akuten Symptomatik besteht, ist fraglich.

In Deutschland wird eher zu viel geröntgt

Für einen zurückhaltenden Umgang mit dem Röntgen – also die Anordnung einer Röntgenaufnahme nur dann, wenn es unbedingt nötig ist – sprechen zwar auch finanzielle, vor allem aber gesundheitliche Gründe. Denn das gesundheitsgefährdende Potenzial der Röntgenstrahlung steigt mit ihrer Menge und Häufigkeit. Und die medizinisch verursachte Strahlenbelastung in der deutschen Bevölkerung liegt im internationalen Vergleich ohnehin ziemlich hoch. Experten führen das vor allem auf den (überhöhten) Einsatz der strahlenintensiven Computertomographie (CT) zurück. Röntgenuntersuchungen sollten grundsätzlich zurückhaltend eingesetzt werden, sie liefern auch bei Schmerzen, die erst seit kurzem bestehen, meistens keinen zusätzlichen Nutzen.

Und das sollte man vielleicht auch noch wissen: Bei einer MRT-Untersuchung des Rückens ist man keinen radioaktiven Strahlen ausgesetzt (sondern Magnetfeldern, die nach allem, was man weiß, harmlos sind). Aber aufwändig und teuer ist diese Untersuchung auch.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Anzeigen