Was erwartet mich in der Rückenschule?

In der Rückenschule lernen Sie bestimmte Übungen, Bewegungsabläufe und die richtige Körperhaltung. Die Schulung geht aber noch weit darüber hinaus.

Es gibt bei der Rückenschule kein einheitliches Programm oder einen festen Ablauf. Jede Schulung hat ihre eigenen Inhalte und Strukturen. Dennoch sind die Grundprinzipien immer dieselben. Sie werden stets umfassend geschult und sollen nicht nur körperlich fitter werden, sondern auch lernen, in Alltag und Beruf auf sich zu achten und dabei auch Ihr psychisches und soziales Wohlbefinden zu berücksichtigen.

Was das im Einzelnen bedeutet, wollen wir Ihnen hier vorstellen.

1. Stärkung Ihrer körperlichen Aktivität und Fitness

Das entspricht wohl am ehesten dem, was die meisten unter einer Rückenschule verstehen. Hier geht es darum, Rücken- und Rumpfmuskulatur gezielt zu trainieren. Dazu gehören auch spezielle Übungen zu Ausdauer, Koordination, Kraft und Beweglichkeit. Sie zielen darauf ab, bestimmte Muskelgruppen im Rücken zu aktivieren und zu stärken, was zu einer deutlichen Entlastung der schmerzenden Bänder und Bandscheiben führt.

Außerdem lernen Sie, wie Sie sich in Alltag und Beruf, Freizeit und Sport richtig bewegen bzw. eine angemessene Körperhaltung einnehmen. Neben dem Rücken selbst werden auch vor allem die großen Gelenke in das Training einbezogen. Außerdem wird Ihr Herz-Kreislauf-System auf Vordermann gebracht.

Kaum eine Schmerztherapie ist so effektiv und vor allem so dauerhaft erfolgreich. Es lohnt sich also, hier aktiv mitzumachen und das Erlernte auch im Alltag umzusetzen.

2. Verbesserung Ihrer psychosozialen Gesundheitsressourcen

Vielleicht fragen Sie sich, was Ihr psychisches Wohlbefinden und das soziale Umfeld mit Ihrem Rücken zu tun haben. Sehr viel! Rückenschmerzen sind kein rein körperliches Phänomen, sondern haben auch viel mit den Lebensbedingungen zu tun und damit, wie es Ihnen insgesamt geht. Sie kommen meist auch nicht von heute auf morgen, sondern entwickeln und verstärken sich stetig.

Um Sie hier zu unterstützen, ist es zunächst wichtig, dass Sie wissen, wie Ihre Beschwerden überhaupt entstanden sind und warum sie nicht nachlassen. Dabei spielen oft unbewusst Emotionen, bestimmte Gedanken und Einstellungen und auch das gesamte Umfeld und soziale Netz eine Rolle.

In der Rückenschule lernen Sie, auf sich zu hören und zu erkennen, was förderlich für Sie ist und was Ihnen nicht guttut. Sie werden dafür sensibilisiert, wie Sie die Schmerzen wahrnehmen und darauf reagieren. Sie sollen Stresssituationen erkennen und lernen, wie Sie damit umgehen bzw. sich davor schützen können.

Lassen Sie sich auf diese für Sie womöglich völlig neuen Erfahrungen ein. Sie werden merken, dass vieles davon sehr hilfreich ist.

3. Transfer in den Alltag

Was Sie in der Rückenschule lernen, ist natürlich kein Selbstzweck, sondern soll Ihnen langfristig helfen, Ihre Beschwerden eigenständig in den Griff zu bekommen. Sie sollten das Training und die gesundheitsförderlichen Maßnahmen, die Sie für sich kennengelernt haben, also beherzigen und stetig weiterführen.

Dabei werden Sie schnell merken, was es bringt, Kleinigkeiten im Alltag zu bedenken bzw. zu verändern. Vielleicht reichen schon geringfügige Maßnahmen am Arbeitsplatz und veränderte Haltungs- und Bewegungsformen aus. Wenn Sie das Gefühl bekommen, auf Ihre Beschwerden einwirken zu können, ist das sehr motivierend. Vielleicht bekommen Sie ein ganz neues, positives Körpergefühl und finden sogar Gefallen an mehr Bewegung und Aktivität.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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