Behandlung von Rückenschmerzen: Was wird empfohlen, und was nicht?

„Ich habe Rücken“ ist in Deutschland zum geflügelten Wort geworden. Rein zahlenmäßig scheint es kaum ein größeres medizinisches Problem in diesem Land zu geben. Der Büchermarkt ist geflutet mit gedruckten Elaboraten, die sich um dieses Thema ranken. Entsprechend bunt ist auch das Versorgungsangebot im Gesundheitsmarkt. Doch nur, weil ein Verfahren von (ärztlichen und anderen) Fachkräften vorgehalten wird, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch wirksam sein muss.

In der Kurzfassung der "Nationalen Versorgungs-Leitlinie Kreuzschmerz" findet sich folgende Auflistung zu nichtmedikamentösen Therapieverfahren bei unspezifischen Kreuzschmerzen und die jeweilige Einschätzung der Experten:

Akute Kreuzschmerzen

  • Akupunktur: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Bettruhe: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Bewegungstherapie: Die körperliche Aktivität sollte unbedingt beibehalten werden. Aber eine Verordnung von Bewegungstherapie (auch Krankengymnastik) wird nicht empfohlen.
  • Interferenztherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • PENS: ausdrücklich nicht empfohlen
  • TENS: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Progressive Muskel-Relaxation: eine Option bei akuten/subakuten Kreuzschmerzen und erhöhtem Risiko für eine Chronifizierung
  • Ergotherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Kurzwellendiathermie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Lasertherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Magnetfeldtherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Manipulation/ Mobilisation: kann angewendet werden
  • Massage: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Orthesen: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Schulungen: soll bei akuten/subakuten Kreuzschmerzen durchgeführt werden
  • Rückenschule auf biopsychosozialem Ansatz: empfehlenswert bei länger anhaltenden (> 6 Wochen) oder wiederkehrenden Kreuzschmerzen
  • Wärmetherapie: kann angewendet werden in Verbindung mit aktivierenden Maßnahmen
  • Kältetherapie: eher nicht zu empfehlen
  • Traktionsbehandlung: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Therapeutischer Ultraschall: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Verhaltenstherapie: sinnvoll bei subakuten Kreuzschmerzen und Vorliegen psychosozialer Risikofaktoren
  • invasive Therapie: ausdrücklich nicht empfohlen

Chronische Kreuzschmerzen

  • Akupunktur: sehr eingeschränkt empfohlen
  • Bettruhe: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Bewegungstherapie: Bewegungstherapie sollte die primäre Behandlung sein.
  • Interferenztherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • PENS: ausdrücklich nicht empfohlen
  • TENS: eher nicht empfohlen
  • Progressive Muskel-Relaxation: wird empfohlen
  • Ergotherapie: sollte angewendet werden im Rahmen von Behandlungsprogrammen, die auch noch andere Maßnahmen einschließen
  • Kurzwellendiathermie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Lasertherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Magnetfeldtherapie: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Manipulation/ Mobilisation: kann angewendet werden in Kombination mit Bewegungstherapie
  • Massage: kann angewendet werden bei subakuten/chronischen Kreuzschmerzen in Kombination mit Bewegungstherapie
  • Orthesen: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Schulungen: soll durchgeführt werden
  • Rückenschule auf biopsychosozialem Ansatz: sollte angewendet werden
  • Wärmetherapie: sollte eher nicht angewendet werden
  • Kältetherapie: eher nicht zu empfehlen
  • Traktionsbehandlung: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Therapeutischer Ultraschall: ausdrücklich nicht empfohlen
  • Verhaltenstherapie: soll angewendet werden, eingebunden in ein multimodales Behandlungskonzept
  • invasive Therapie: ausdrücklich nicht empfohlen

Autor: Dr. Hubertus Glaser
Quelle: Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. Herausgeber: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

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