Welche Medikamente werden bei Rückenschmerzen empfohlen? Und welche nicht?

Sofern es sich bei den Rückenschmerzen um deren häufigste Form, den nichtspezifischen Kreuzschmerz handelt (also Rückenschmerzen ohne eine bestimmte Erkrankung als Ursache), kommen gemäß Experten-Leitlinien folgende Medikamente in Frage:

  • Paracetamol: bei leichten bis moderaten Kreuzschmerzen.
  • NSAR (nicht steroidale Antirheumatika): Hinter dieser kryptischen Bezeichnung verbergen sich vor allem die allseits bekannten Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin® u.v.a.), Diclofenac und Ibuprofen.
  • Cox-2-Hemmer: wenn NSAR nicht eingenommen werden dürfen oder nicht vertragen werden (Wirsktoffe: Celecoxib, Etoricoxib, Parecoxib).
  • Opioid-Schmerzmittel: bei fehlendem Ansprechen auf andere Schmerzmittel. Es handelt sich bei den Opioiden um sehr starke Schmerzmittel mit einem gewissen Abhängigkeitspotential.
  • Muskelrelaxanzien (Muskel-Entspanner): wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen oder leichtere Schmerzmittel wie NSAR keine Besserung bewirken.
  • Antidepressiva: nur bestimmte dieser Wirkstoffe, und nur in bestimmten Fällen als Nebenmedikation.

Ausdrücklich nicht empfohlen werden folgende des öfteren angebotete Mittel:

  • Bestimmte Mittel gegen Epilepsie: keine Anwendung von Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin.
  • pflanzliche Mittel (das sehen viele naturheilkundlich orientierte Ärzte aber sicher anders).
  • Salben und andere über die Haut verabreichte Schmerzmittel.
  • Spritzen in Vene oder Muskel, meist Kortison und verwandte Substanzen.

Keine Benzodiazepine gegen Rückenschmerzen und Ischialgie

Übrigens: Viele Ärzte verschreiben bei akuten Rückenschmerzen, Ischialgien oder Bandscheibenvorfall zusätzlich zur Schmerzmedikation auch Benzodiazepine zur Muskelrelaxation (z.B. Valium, Diazepam und andere Wirkstoffe, die meist auf zepam enden). Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Pain veröffentlichte Studie hat sich dieser seit Jahrzehnten gepflegten Praxis angenommen und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis:  Das bringt nichts.

In keinem der untersuchten Parameter (u.a. Schmerzdauer, Schmerzintensität, neurologische Ausfälle) schnitten Benzodiazepine besser ab als Placebo – im Gegenteil: In der Schmerzdauer war  Placebo den Benzodiazepinen signifikant (!) überlegen – die Schmerzen verschwanden also unter Placebo schneller.

Wer heilt, hat recht

Wie in anderen Fällen auch weichen die „offiziellen“ Leitlinien mehr oder weniger von der geübten therapeutischen Praxis ab, in der etwa Salben, pflanzliche Heilmittel und Schmerzspritzen durchaus nicht unüblich sind. Unsere Empfehlung: Besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt – und wechseln Sie ihn ggf., wenn er keinen „Nerv“ für ein offenes und vertrauensbildendes Gespräch mit Ihnen hat. Denn noch wichtiger als die Einhaltung von Leitlinien ist eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung, in der es um ein gemeinsames Ziel geht: Ihre baldige Gesundung. Und hier gilt am Ende: Wer heilt, hat recht.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn
Quelle: Patientenleitlinie "Rücken- und Kreuzschmerzen (Lumbalgie)" des Medizinischen Wissensnetzwerks evidence.de der Universität Witten/Herdecke

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (1)
Facettengelenkarthrose - schlimmste Rückenschmerzen
1 Samstag, den 24. September 2016 um 16:29 Uhr
Czub, Heidemarie
Nach einem großen Bandscheibenvorfall und nicht mehr aufhörenden sehr schlimmen Rückenschmerzen wurde auch eine Facettenarthrose an mehreren Lendenwirbeln festgestellt. Einige Wochen nahm ich täglich Ibu 400, bis mir dauernd übel wurde und ich heftige Magenschmerzen bekam. Auch Globuli Rhus toxi codendron D6 nahm ich dann ein, was aber überhaupt nicht half.
Im Internet stieß ich dann auf die Blumenfeld Matte, welche Linderung versprach. Ich habe mir dann eine NoName Akupressurmatte im Internet bestellt und wende sie seit 5 Monaten täglich an. Ich lege mich morgens 1/2 Stunde auf diese Matte. Gleichzeitig sind meine Beine auf einigen Kissen 90 Grad stufengelagert. Zuerst stechen die spitzen Kunststoff-Rosetten der Matte sehr, aber das legt sich nach ein paar Sekunden und der Rücken wird sehr warm und durchblutet. Was ich zuerst nicht glauben wollte, denn ich bin sehr skeptisch, aber nach dieser halben Stunde täglich sind die Schmerzen nicht weg, aber sehr sehr gelindert und ohne Medikamente erträglich. Ich bin morgens süchtig nach dieser Matte und sie gehört wie Zähne putzen zu meinem Morgenritual. Dafür stehe ich extra früher auf. So ist mein Leben wieder lebenswert geworden.
Mein Neurochirurg, dem ich von meiner Erfahrung berichtete, sagte zu mir "vergessen Sie es, das bringt nichts, lassen Sie sich lieber operieren". Ich war sprachlos. Vielleicht hilft mein Erfahrungsbericht einigen Leidensgenossen.
Anzeigen