Rückenschmerzen oft falsch behandelt

Deutschlands Ärzte behandeln Rückenschmerzen keineswegs immer so, wie es die offiziellen Leitlinien vorgeben. Statt Bewegung empfehlen sie Schonung und Wärmeanwendungen. Zumindest viele Orthopäden tun das. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Heidelberg.

Bettruhe und Krankschreibungen statt Bewegung

Die Wissenschaftler befragten über 600 Personen, die wegen Rückenschmerzen eine orthopädische Praxis aufgesucht hatten. Und zwar einmal beim Praxisbesuch im Wartezimmer (mit Fragebogen) und dann ein zweites Mal ein halbes Jahr später.

Die in den meisten Fällen geeignetste Behandlungsmaßnahme, nämlich der Rat zu viel Bewegung und maximal kurzzeitig die Einnahme von Schmerzmitteln, war eher die Ausnahme. Stattdessen wurde den Patienten häufig Bettruhe und Schonung verordnet, oft kombiniert mit sogenannten passiven Therapieformen wie Wärmeanwendungen. Letztere sind zwar nicht verkehrt, aber sie machen eigentlich nur Sinn in Kombination mit körperlicher Aktivität und nicht mit Bettruhe und Schonung.

Nicht nur die Ärzte schuld

Wie kommt es zu diesem ärztlichen "Fehlverhalten"? Zu wenig Fortbildung seit dem Eintritt in die Praxis? Sind Verschreibungen von Medikamenten und Wärmeanwendungen finanziell attraktiver als nur ein beratendes Gespräch? Die Heidelberger Wissenschaftler suchen die Schuld nicht nur bei den Orthopäden. Auch die Patienten hätten daran einen erheblichen Anteil. Weil sie oft Medikamente und andere bequeme Behandlungsformen fordern. Und weil sie lieber Bettruhe und eine Krankschreibung verordnet bekommen als die Empfehlung, sich endlich mal mehr zu bewegen.

Autoren: WANC/, 14.07.09
Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes

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