Akupunktur ist Schmerzmitteln oft überlegen

Akupunktur wirkt. Vor allem gegen Rückenschmerzen. Dennoch greifen die meisten Ärzte nach wie vor lieber zu den herkömmlichen Schmerzmitteln. Das ist das Fazit einer schmerztherapeutischen Fachtagung.

Ärzte greifen reflexartig zum Rezeptblock

Bisher erstatten die gesetzlichen Krankenkassen eine Schmerztherapie mit Akupunktur nur bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzen und einer Arthrose im Knie. Nicht aber bei Muskel- und Nackenschmerzen, obwohl auch hier Studien eindeutig gezeigt haben, dass die Akupunktur Schmerzmedikamenten überlegen ist, beklagt Dr. Dominik Irnich, Leiter der Schmerzambulanz an der Universität München.

Er kritisiert aber nicht nur die Kassen für ihre etwas zähflüssige Übernahme von Akupunkturkosten, auch dann, wenn die Wirkung längst erwiesen ist. Auch die Ärzte bekommen ihr Fett weg, und das wahrscheinlich zurecht.

Die wenigsten niedergelassenen Ärzte nämlich kommen bei einem Patienten mit Rückenschmerzen oder ähnlichen Beschwerden auf die Idee, eine Akupunktur-Behandlung zu verschreiben. Dann doch lieber das altbekannte Schema F, und ein Schmerzmittel auf den Rezeptblock. Das gilt natürlich vor allem für jene Ärzte, die selbst keine Akupunktur-Ausbildung haben und daher ihren Patienten zu einem Kollegen überweisen müssten. Das tut man nicht so gern, schon gar nicht, wenn der Kollege oder die Kollegin den Patienten dann vielleicht gleich ganz für sich gewinnt.

Überlegenheit der Akupunktur mehrfach nachgewiesen

Aber auch in den offiziellen Leitlinien der Ärzteschaft spielt die Akupunktur immer noch eine Nebenrolle. Warum eigentlich? Weil sie aus China kommt? Weil sie die unumstößlichen Wahrheiten unserer Schulmedizin mächtig in Frage stellt? Oder weil die Pharmaindustrie wieder mal mitmischt und natürlich nicht das geringste Interesse an einer Ausbreitung der Akupunktur hat.

Die Fakten jedenfalls: Akupunktur lindert in über 70% der Fälle effektiv Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen. Auch bei Schulterschmerzen ist die Akupunktur einer neuen Studie zufolge doppelt so effektiv wie Schmerzmedikamente. Damit ist sie den herkömmlichen Schmerzmitteln weit überlegen und zudem auch noch verträglicher. Aber eben auch umständlicher und – solange die Kassen nicht nachziehen – teurer. Die Kosten für Selbstzahler liegen etwa bei 25-50 € pro Sitzung.

Autor: , 25.03.2011
Quelle: Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2011

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