Weder Fleisch noch Fisch? Tipps für Rheuma-Kranke

Es gibt viele Hinweise darauf, dass die Ernährung den Verlauf rheumatischer Erkrankungen beeinflussen kann. Was dahinter steckt und was tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Durch eine entsprechende Umstellung der Ernährung können viele Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ihre Gelenkschmerzen lindern und die Wirkung von Medikamenten unterstützen. Zuviel dürfen sich Betroffene allerdings nicht davon versprechen. Die starke Entzündungshemmung, wie sie mit den heutigen Basis-Medikamenten erreicht wird, könne keine Ernährungsweise ersetzen, betont Prof. Dr. med. habil. Gernot Keyßer vom Universitätsklinikum Halle/Saale.

Gicht: Purine vermeiden

Besonders deutlich ist der Einfluss der Ernährung bei der Gicht-Arthritis: Wird hier die Ernährung schon im Frühstadium radikal umgestellt, ist prinzipiell eine Heilung möglich. Allerdings kommen bei dieser Krankheit heute fast immer Medikamente zum Einsatz, die rascher und zuverlässiger wirken als eine reine Ernährungstherapie, so Keyßer.

Dreh- und Angelpunkt einer Ernährungsumstellung ist in diesem Fall der Puringehalt der Nahrungsmittel. Denn Purine sind die -Ausgangssubstanzen für die Bildung von Harnsäure. Ein Zuviel an Harnsäure wiederum ist für die Beschwerden verantwortlich und wirkt sich ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus.

Als besonders purinreich – und damit ungünstig – gelten beispielsweise Sprotten, Ölsardinen, Schweineschnitzel, Schinken sowie Linsen. Faustregel: Lebensmittel mit einem Puringehalt von mehr als 150 mg pro 100 g sind zu vermeiden oder zumindest deutlich einzuschränken. Generell ist es sinnvoll, Fleisch- und Wurstwaren sowie Bier weitgehend vom Speiseplan zu streichen. Auch Abspecken hilft: So lassen sich etwa bei einer Gewichtsreduktion von 5 bis 10 kg niedrigere Harnsäurespiegel im Blut nachweisen.

Arthritis: Arachidonsäure im Fokus

Zur Frage, ob sich die rheumatoide Arthritis mit einer entsprechenden Ernährung günstig beeinflussen lässt, liegen zahlreiche Untersuchungen vor. Im Fokus steht dabei die Arachidonsäure, eine vielfach ungesättigte Fettsäure, die nur in tierischen Produkten, nicht aber in Pflanzen vorkommt. Die Fettsäure unterstützt Entzündungsprozesse beispielsweise in den Gelenken. Hieraus leitet sich die Vermutung ab, dass „rotes“ Fleisch von Schweinen und Rindern an der Entstehung und Unterhaltung von rheumatischen Gelenkentzündungen beteiligt sein könnte. Sichere Belege gibt es für diese Vermutung jedoch bislang nicht. Auch für den langfristig günstigen antientzündlichen Effekt einer vegetarischen Ernährung steht der Beweis noch aus.

Menü für die Gelenke

Im Gegensatz zum „roten“ Fleisch wird Fisch oftmals eine günstige antirheumatische Wirkung nachgesagt. Das gilt vor allem für Fischarten, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Diese Fettsäuren können dem entzündungsfördernden Effekt der Arachidonsäure entgegenwirken.

  • In klinischen Tests hat eine Diät mit hohem Seefischanteil (800 g Fisch pro Woche) zu leichten Verbesserungen der Zahl geschwollener Gelenke und der allgemeinen Schmerzstärke geführt. Besonders vorteilhaft sind dabei Seefische wie Makrele oder Heilbutt sowie Hering und Lachs.
  • Auch eine Behandlung der rheumatoiden Arthritis mit reinem Fischöl in Kapselform kann nachweislich die Zahl schmerzhafter Gelenke verringern. Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass auch für die positiven Effekte der Fischöle keine eindeutigen Beweise vorliegen.
  • Daneben wurden auch für verschiedene Pflanzenöle wie beispielsweise Borretsch-, Nachtkerzen- und Schwarzkümmelöl sowie Öl aus den Samen der Schwarzen Johannisbeere entzündungshemmende Eigenschaften nachgewiesen. Die wissenschaftliche Aussagekraft im Hinblick auf die Effekte bei rheumatischen Erkrankungen ist allerdings dünn.

Autoren: Birgit Bok & Cornelia Weber
Quelle: Broschüre „Die richtige Ernährung bei Rheuma – Informationen und Tipps für den Alltag“, herausgegeben von der Deutschen Rheuma-Liga, www.rheuma-liga.de
Patienten Journal Reise & Gesundheit 5/2013


Mittelmeer-Diät statt Fastenkur

Nachgefragt bei Prof. Dr. med. habil. Gernot Keyßer, Leiter des Arbeitsbereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Halle/Saale

Oftmals wird Menschen mit rheumatoider Arthritis eine Fastenkur empfohlen, um ihre Gelenkschmerzen zu lindern. Was bringt das?

Eine Fastenkur bedeutet eine Stresssituation für den Körper. Er reagiert mit erhöhter Cortison-Produktion, was sich auf die rheumatoide Arthritis positiv auswirken kann.

Wie lange darf eine solche Fastenkur dauern?

Wissenschaftliche Belege existieren für die Dauer von ein bis zwei Wochen. Eine längere Fastenkur ist nicht ratsam. Ihre antirheumatoiden Medikamente sollten die Patienten in dieser Zeit aber weiter unverändert einnehmen.

Wie lange hält der Effekt so einer Fastenkur an?

Eine Studie hat gezeigt, dass Patienten, die 14 Tage fasteten, sich anschließend vegan und dann vegetarisch ernährt haben, über mehrere Monate weniger Schmerzen und weniger geschwollene Gelenke aufwiesen. Wie viel von diesem Effekt jedoch tatsächlich auf das Fasten zurückgeht, ist nicht völlig klar.

Welchen Patienten raten Sie von einer Fastenkur ab?

Wenn übergewichtige Patienten mit einer stabil eingestellten rheumatoiden Arthritis von sich aus eine Fastenkur machen wollen, rate ich nicht ab. Bei einer aktiven rheumatoiden Erkrankung sehe ich eher Nachteile, da beim Fasten möglicherweise Muskelmasse abgebaut wird.

Empfehlen Sie selbst auch Ihren Patienten eine Fastenkur?

Ich biete die Fastenkur selbst nicht aktiv an und empfehle eher, den Prinzipien der Mittelmeerdiät zu folgen, die sich entzündungshemmend für die Gelenke auswirkt. Dies ist auch aus  einem weiteren Grund sinnvoll: Rheumakranke tragen auch ein  erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, das eine Mittelmeerdiät ebenfalls senkt.

Interview: Birgit Bok




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