Morbus Bechterew: Therapie

Beim Morbus Bechterew ist es sehr wichtig, sich regelmäßig zu bewegen und systematisch Krankengymnastik durchzuführen, um die Gelenke beweglich zu halten und eine Kyphose zu vermeiden. Dies kann für die Betroffenen jedoch oft sehr schmerzhaft sein. Damit kann die Beweglichkeit des Körpers oft ausreichend erhalten werden.

Standardmäßig werden gegen die Schmerzen wie auch als kausale, antientzündliche Therapie nichtsteroidale Antirheumatika wie z. B. Indometacin oder Diclofenac eingesetzt, darüber hinaus bei bestimmten Formen Sulfasalazin. Außerdem sollen, Studien zufolge, Pamidronat, ein Bisphosphonat, Thalidomid (der Wirkstoff in Contergan, wirkt vermutlich auch durch Hemmung von TNF-α) und das radioaktive Isotop Radium 224 als Infusion wirksam sein.

Seit 2003 ist das erste und einzige Rezeptorfusionsprotein Etanercept zugelassen, das nach dem körpereigenem Wirkprinzip funktioniert. Seit 2006 ist der erste vollständig humane monoklonale Antikörper Adalimumab zugelassen. Es handelt sich bei beiden um sogenannte TNF-α-Blocker, die die durch TNF-α vermittelten Entzündungsprozesse hemmen. Mit diesen teuren Präparaten werden in vielen Fällen gute Ergebnisse erzielt und es ist noch nicht abzusehen, wie sich die Prognose für betroffene Patienten durch die Anti-TNF-α-Therapie ändern wird, da noch keine Erkenntnisse über einen längeren Zeitraum als 6 Jahre vorliegen.

Nachteile sind die hohen jährlichen Therapiekosten (bei Behandlung mit Etanercept und Adalimumab mehr als 20.000 €) und Nebenwirkungen, die aus der aggressiven Unterdrückung des Immunsystems resultieren. Hierzu gehört die Gefahr der (Re-)Aktivierung latenter Infektionen, z.B. einer Tuberkulose, demyelinisierende Erkrankungen, Störungen der Blutbildung und ein erhöhtes Risiko der Lymphombildung.

Bei sehr weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien gibt es auch operative Therapieoptionen, bei denen die bereits versteifte Wirbelsäule in einer aufwändigen und komplikationsreichen Operation an mehreren Stellen „gebrochen“ und mit Metallplatten in einer aufrechteren Stellung verschraubt wird.

Obwohl sich die Beweglichkeit der Wirbelsäule dadurch nicht verbessert, kann eine deutliche Steigerung der Lebensqualität die Folge sein, weil unter anderem das Blickfeld der Betroffenen deutlich größer wird. Bei Beteiligung der Hüftgelenke kann ebenfalls eine Operation mit Einsetzen einer Hüftprothese hilfreich sein.

Alternative Therapien sind eine stärkefreie Diät, um das Bakterium Klebsiella pneumoniae im Dickdarm quasi 'auszuhungern', mit dem Ziel, dass sich der vom Immunsystem gebildete erhöhte Antikörper gegen Klebsiella sich nach und nach wieder reduziert, und Dehnübungen wie Yoga und Pilates als Erweiterung zur Bechterew-Gymnastik. Außerdem wird in verschiedenen Kurorten (z. B. Bad Kreuznach, Bad Gastein im Gasteiner Heilstollen, Bad Schlema) Radon zur Therapie verwendet. Dabei sollen die Radonbäder schmerzstillend und entzündungshemmend wirken und eine allgemeine Verbesserung der Lebensqualität zur Folge haben.


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