Hilft eine Rheuma-Diät?

Die Ernährung kann bei vielen Menschen die Beschwerden des entzündlichen Gelenkrheumas (rheumatoide Arthritis) beeinflussen. Allerdings ist Vorsicht geboten bei vielen als Wundermittel angepriesenen Rheuma-Diäten. Sie gefährden oft die ausreichende Versorgung mit anderen wichtigen Nahrungsbestandteilen.

Rheuma und Ernährung

Dass es einen Zusammenhang zwischen Rheuma und der Ernährung gibt, legen etliche Studien und Beobachtungen nahe. Anhand der methodisch schwierigen Untersuchungen, die in ihrer Qualität und Aussagekraft oft unzureichend sind, lässt sich jedoch nicht sagen, ob eine bestimmte Ernährungsform, Diät oder sogar einzelne Nahrungskomponenten an der Entstehung einer Rheumatoiden Arthritis (RA) mitwirken oder ihren weiteren Verlauf bestimmen könnten. Daher lassen sich auch keine genauen Vorgaben zur "richtigen" Ernährung bei Rheuma ableiten. Spezielle Ernährungstipps und angepriesene einzelne Nahrungsergänzungsmittel sind stets mit Vorsicht zu genießen.

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Wir wollen versuchen, Ihnen die wenigen Anhaltspunkte vorzustellen, die einen Einfluss von dem, was wir essen, auf die RA nahelegen.

In einer großangelegten amerikanischen Studie zeigte sich, dass ein niedriges Geburtsgewicht und Unterernährung in der Kindheit mit einem größeren Risiko für die Entstehung einer Rheumatoiden Arthritis einhergehen. Welche Nahrungselemente und andere Faktoren dabei genau eine Rolle spielen, lässt sich aus der Studie freilich nicht ableiten. Am ehesten könnten fetter Seefisch und Fischölkaspeln mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren direkt vor entzündlichen Gelenkerkrankungen schützen und auch den weiteren Verlauf positiv beeinflussen.

Abwehr außer Rand und Band

Die RA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körperliche Abwehrsystem außer Kontrolle gerät und eine überschießende Entzündungskaskade auslöst, die die Gelenke nach und nach zerstört. Diese Immunreaktionen können durch die Ernährung durchaus beeinflusst werden.

So gibt es bestimmte Fettsäuren, die als proinflammatorisch (entzündungsfördernd) gelten und solche, die die Entzündungsprozesse im Körper eindämmen. Zu ihnen gehören langkettige Fettsäuren wie Omega 3, die vor allem in Fisch bzw. Fischöl enthalten sind. Aber auch viele pflanzliche Produkte wie Raps-, Walnuss- und Leinöl sind reich an ungesättigten Fettsäuren.

In zahlreichen Studien ließ sich eine entsprechende Wirkung bei Menschen mit RA nachweisen. So wurde der Schmerz gelindert, Morgensteifigkeit und Beweglichkeit der Gelenke verbesserten sich. Außerdem sank der Bedarf an Medikamenten deutlich.

Konkrete Empfehlungen

Eine entzündungshemmende Ernährung ist im Grunde kein Hexenwerk. Viele Empfehlungen haben Sie bestimmt schon öfter gehört. Dazu gehören laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung):

  • Meidung bzw. Einschränkung des Konsums von Fleisch und Wurst (maximal zweimal pro Woche)
  • mindestens zweimal wöchentlich fettreiche Fischsorten wie Lachs, Hering, Makrele
  • großzügige Verwendung pflanzlicher Öle wie Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl
  • täglich 5 Portionen Obst und Gemüse
  • Verwendung fettarmer Milch und Milchprodukte

Konzentrierte Fischölkapseln sollten Sie nur in Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen. Zu Beginn sind recht hohe Dosierungen nötig, die im Verlauf reduziert werden können.

Hinzu kommen allgemeine Empfehlungen wie ausreichend körperliche Aktivität und Bewegung an der frischen Luft. Dabei bieten sich gelenkschonende Sportarten wie Radfahren an. Das Gewicht sollte im Normalbereich zwischen einem BMI von 25 und 30 kg/m2 liegen. Sowohl Über- als als Untergewicht kann sich schädlich auf die Gelenke auswirken und die Gelenkzerstörung begünstigen.

Diät – ein weiter Begriff

Die antiken Griechen verstanden unter der diaita (altgriech. Diät) ganz allgemein die Lebensführung. Der Begriff war noch nicht reduziert auf eine bloße Gewichtsreduktion und strikte Ernährungsvorgaben, wie sie heute oft als heilbringend suggeriert werden. Und mit diesem Konzept lagen sie vermutlich goldrichtig. Denn viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Abläufe in unserem Körper. Hinzu kommen zahlreiche, zum großen Teil unbekannte Variablen, die nicht in unserer Hand liegen.

Entsprechend unverkrampft und gelassen sollten wir uns ernähren. Wichtig ist, dass unser Essen alle nötigen Nährstoffe enthält, die der Körper braucht. Einseitige Diäten bergen dagegen das Risiko einer Mangelernährung, wenn wichtige Substanzen fehlen.

Genauso wichtig ist aber auch, dass es uns schmeckt und die Ernährung zum individuellen Lebensstil passt. Manchmal sendet der Körper selbst recht klare Signale. Vielleicht achten Sie einmal darauf, ob es bestimmte Nahrungsmittel gibt, die Sie nicht gut vertragen und die Ihre Gelenkbeschwerden verschlimmern. Darauf sollten Sie in Zukunft möglichst verzichten, auch wenn manche Ernährungspostulate möglicherweise etwas anderes vorschreiben.

Halten Sie es also mit den alten Griechen und führen Sie eine möglichst ausgeglichene, gesunde Lebensweise. Dazu gehören neben Essen und Trinken auch Bewegung, Entspannung und Stressbewältigung. Und ganz wichtig: den Genuss nicht vergessen!

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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