Wie wirkt Baricitinib (Olumiant) gegen rheumatoide Arthritis?

Seit 2017 ist Olumiant® mit dem Wirkstoff Baricitinib in Deutschland zu haben. Als Vertreter der JAK-Inhibitoren, einer neuen Substanzklasse gegen Rheuma, muss es seinen Platz in der Basisbehandlung der Erkrankung in Zukunft noch behaupten. Schon jetzt hat das Medikament aber beachtliche Erfolge vorzuweisen.

Verheerende Folgen der Entzündung

Sie stehen an der Eingangspforte im Inneren der Zelle, nehmen Signale von außen entgegen und leiten sie in die Zelle weiter: Januskinasen (JAK) sind kleine Eiweiße, die im Rahmen des Entzündungsgeschehens im Körper eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. Denn das Signal, das die Zelle erreicht, löst eine ganze Kaskade an Reaktionen aus, die letztlich zu den typischen unangenehmen Erscheinungen bei Rheuma führen: geschwollene Gelenke, Schmerzen und irgendwann womöglich sogar Funktionseinbußen und Fehlstellungen.

Derart ausgeprägte Formen einer rheumatoiden Arthritis sind heutzutage allerdings erfreulicherweise selten geworden. Zwar ist die Erkrankung nach wie vor nicht heilbar; doch es gibt immer mehr Medikamente, die die zerstörerischen Prozesse eindämmen und den Verlauf damit deutlich lindern können.

Neue Substanz, neues Glück

Ein ganz neuer Kandidat ist dabei Olumiant®, ein Wirkstoff, der eben jene Überbringer der Botschaften, die Januskinasen, blockiert und die Weiterleitung des Signals versagt. Die entfesselten Entzündungsreaktionen werden damit unterdrückt.

Anders als sein Genosse Tofacitinib, ebenfalls ein Vertreter der Januskinasen, der zumindest in den USA und der Schweiz bereits seit 2012 zur Behandlung der mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, ist Baricitinib noch sehr neu auf dem Markt. Es gibt daher noch wenig Erfahrungen zu den längerfristigen Wirkungen und vor allem Risiken.

Allerdings könnte der Wirkstoff hier gegenüber Tofacitinib im Vorteil zu sein. Denn Baricitinib hemmt zwar auch mehrere Januskinasen, nämlich JAK-1 und JAK-2. Im Gegensatz zu seinem Partner lässt er jedoch die Nummer 3 aus.

Wirksam in Kombination und alleine

Was die Wirkung angeht, kann man schon jetzt sagen, dass Olumiant® es locker mit seinem Vorgänger und anderen Basistherapeutika aufnehmen kann. Gegenüber bisherigen biologischen Medikamenten konnte er sich in Studien souverän behaupten. Sowohl die Krankheitsaktivität als auch die Lebensqualität besserten sich deutlich unter der Behandlung, ohne dass das Risiko für Infektionen gegenüber dem Vergleichsmedikament erhöht war.

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Anders als Tofacitinib, das in der Regel nur in Kombination mit Methotrexat, einem altbewährten Rheumamittel, vorgesehen ist, kann Baricitinib auch alleine gegeben werden. Es verbleibt recht lange im Körper und muss daher nur einmal täglich eingenommen werden.

Infektionsgefahr nicht zu unterschätzen

Der schwache Punkt bei Olumiant® ist die Niere, worüber die Substanz hauptsächlich ausgeschieden wird. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann der Verordnung einen Strich durch die Rechnung machen.

Aber auch eine verringerte Zellzahl im Blut (Zytopenie) kann ein Grund sein, auf das Medikament zu verzichten. Denn bei aller Wirkung und vergleichsweise guten Verträglichkeit bleibt es ein Stoff, der das körpereigene Immunsystem empfindlich einschränkt. Dadurch werden nicht nur überschießende Entzündungsprozesse eingedämmt, sondern leider auch die normale Abwehr gedrosselt.

Unter Baricitinib ist daher, wie unter jedem anderen Basismedikament bei der rheumatoiden Arthritis auch, die Gefahr für schwere Infektionen erhöht. Gefürchtet sind vor allem schlummernde Infektionen wie eine Hepatitis oder Tuberkulose, die bei einem unterdrückten Immunsystem wieder aufflammen könnten. Diese Erkrankungen sind vor der Behandlung unbedingt auszuschließen. Aber auch das Risiko für eine Herpes-zoster-Infektion ist erhöht.

Noch fehlen langfristige Erfahrungen

Daher werden die neuen JAK-Inhibitoren erst dann eingesetzt, wenn eines oder mehrere der bisherigen Basismedikamente gegen Rheuma, die sich schon länger bewährt haben, keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. In Zukunft wird sich weisen, ob sie ihren Stellenwert in der Rheumatherapie behaupten.

Wenn bei Ihnen bislang jede Therapie versagt hat, könnte Olumiant® aber vielleicht schon jetzt das richtige für Sie sein.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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