Wie wirken JAK-Inhibitoren gegen Rheuma?

Die neuen JAK-Inhibitoren bereichern seit Frühjahr 2017 die Behandlung der rheumatoiden Arthritis und erweitern das therapeutische Spektrum um ein zusätzliches Basismedikament. Sie hemmen sehr spezifisch Zellen des Immunsystems und Entzündungsbotenstoffe. Im Gegensatz zu den Biologika handelt es sich jedoch um synthetische Substanzen.

Schon länger bewährt: Biologika

Zu den krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMARD) in der Rheumatologie zählen seit etwa 20 Jahren auch Biologika. Diese gentechnisch hergestellten Eiweißstrukturen greifen gezielt in Entzündungsprozesse ein und blockieren sie an bestimmten Stellen.

Seit Einführung der biologischen Medikamente Ende der 90er Jahre haben Wissenschaftler immer weitere Angriffspunkte gefunden, auf die sie die kleinen Eiweißstoffe ansetzen können. Es gibt Biologika, die bestimmte Entzündungsbotenstoffe hemmen; andere blockieren direkt Zellen der Immunabwehr. Allen gemein ist, dass sie in die Signalwege der körpereigenen Abwehr eingreifen, um überschießende Reaktionen einzudämmen.

Die neuen im Bunde

JAK-Inhibitoren sind seit 2017 neu auf dem Markt. Mit Tofacitinib (Xeljanz®) und Baricitinib (Olumiant®) stehen damit zwei weitere Wirkstoffe zur Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis zur Verfügung.

Gleichzeitig bilden die Präparate eine neue Gruppe von Basismedikamenten. Neben den bisherigen synthetischen Substanzen wie Methotrexat und den biologischen Präparaten wie TNF-Blocker existieren nun sogenannte targeted synthetic DMARD. Sie sind zielgerichtet wie die Biologika, werden jedoch wie die konventionellen Rheumamittel synthetisch hergestellt.

Mit den Biologika haben sie außerdem eine weitere Gemeinsamkeit: Neben komplizierten Namen haben sie auch sehr komplexe Aufgaben. Schauen wir uns die Wirkweise der beiden Neulinge einmal etwas genauer an.

Entzündung wird gezielt unterdrückt

JAK steht für Januskinase. Benannt ist sie nach dem römischen Gott Janus, der für Anfang und Ende und allgemein für das Prinzip der Dualität steht und in der Kunst oft als Gestalt mit zwei Gesichtern dargestellt ist. Zu dem altehrwürdigen Namen sind die Januskinasen deshalb gekommen, weil sie aus zwei unterschiedlichen Proteinabschnitten bestehen.

Kinasen an sich sind recht nüchterne Gebilde, die mit Mythologie wenig am Hut haben. Es handelt sich dabei um Eiweiße, die bestimmte chemische Reaktionen anstoßen. Dadurch werden andere Moleküle (elektrische Teilchen) aktiviert und so eine Kettenreaktion in Gang gesetzt.

Januskinasen sitzen unter anderem an bestimmen Rezeptoren der Zelloberfläche. Das sind Andockstellen, über die die Zellen Signale von sogenannten Zytokinen empfangen können. Zytokine fungieren als Botenstoffe und können Entzündungsreaktionen in Gang setzen. Die Januskinasen helfen dabei, ihre Signale weiterzuleiten und entsprechende Vorgänge im Inneren der Zellen anzuregen.

Genau hier setzen die JAK-Inhibitoren an. Sie heften sich an die Januskinasen und verhindern damit die Übertragung des Signals. Die Leitung wird gewissermaßen unterbrochen und die Abwehrkaskade verhindert.

Test bestanden

Studien haben den beiden neuen Substanzen Tofacitinib und Baricitinib eine gute und anhaltende Wirksamkeit bescheinigt. Sie können eingesetzt werden, wenn andere Basismedikamente keine ausreichende Wirkung erzielt haben. Während Xeljanz® in Kombination mit Methotrexat eingenommen werden sollte, eignet sich Olumiant® auch als alleiniges Medikament zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis.

Künftige Studien und Beobachtungen werden die Wirkung weiter verfolgen und den Stellenwert der JAK-Inhibitoren innerhalb der bisherigen Basismedikamente beleuchten. In jedem Fall sind sie schon jetzt nicht nur ein Erfolg für die Forschung, sondern vor allem eine Bereicherung für die Betroffenen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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