Was ist Kevzara (Sarilumab) für ein Medikament gegen Rheuma?

Im Kampf gegen die rheumatoide Arthritis werden immer neue Substanzen entwickelt. Eine davon ist Sarilumab, das unter dem Handelsnamen Kevzara® seit 2017 auf dem Markt ist. Es macht sich ein schon länger bewährtes Wirkprinzip zunutze: die Hemmung von Interleukin-6.

Unglücksbote Interleukin-6

Der Entzündungsbotenstoff Interleukin-6 hat bei der rheumatoiden Arthritis so einiges auf dem Kerbholz. Er aktiviert zahlreiche Abwehrzellen und schürt damit die schmerzhafte Entzündung in den betroffenen Gelenken und anderen Körperregionen. Indem er außerdem Zellen des Bindegewebes und der Gefäße anregt, trägt er zur Pannusbildung in der Gelenkflüssigkeit bei. Gemeint ist damit eine Wucherung des Gewebes, die bei chronischem Rheuma typisch ist und dazu führen kann, dass ein Gelenk irgendwann völlig funktionslos wird.

Doch damit nicht genug. Interleukin-6 richtet noch mehr Schaden an, und zwar nicht nur in den Gelenken, sondern auch an den Knochen. Der kleine Eiweißstoff ist ein Unterstützer der sogenannten Osteoklasten, deren Aufgabe darin besteht, Knochensubstanz abzubauen. Darüber hinaus schüttet er Substanzen ins Blut, die für Fieber und ein starkes Müdigkeitsgefühl verantwortlich sind.

Eigentlich eine gute Sache...

Das alles kann manchmal durchaus sinnvoll sein. Überhaupt ist zur Ehrenrettung von Interleukin-6 zu sagen, dass es sehr wichtige Aufgaben erfüllt (abgesehen von einzelnen entwicklungsgeschichtlichen Hinterlassenschaften ist im Grunde nichts in unserem Körper umsonst angelegt).

Interleukine (lat. inter: "zwischen", griech. leukos: "weiß") sind grundsätzlich dafür da, zwischen den Abwehrzellen im Körper (Leukozyten, weiße Blutkörperchen) zu vermitteln. Wenn Erreger oder Schadstoffe unserem Organismus zu Leibe rücken, sind gezielte Abwehrmaßnahmen unerlässlich, um ihn zu schützen. Auch in der Bekämpfung von Tumorzellen spielen Immunzellen und vermittelnde Botenstoffe eine ganz entscheidende Rolle.

...aber manchmal übers Ziel hinaus

Bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen meint es die Abwehr allerdings allzu gut und sieht Gespenster, wo es eigentlich gar keine gibt. Eine solch ungezügelte Immunantwort sollen die Medikamente bei Rheuma eindämmen, um sowohl die akute Entzündung als auch langfristige Schäden an Gelenken und Organen zu vermeiden.

Wissenschaftler haben das Interleukin-6 bereits vor einigen Jahren als geeigneten Angriffspunkt entdeckt. Mit Sarilumab schicken sie nun einen weiteren Antikörper gegen den Botenstoff ins Feld. Er gehört zu den biologischen Basismedikamenten. Das sind unterschiedliche Eiweißstrukturen, die im Labor hergestellt werden und ganz bestimmte Abläufe der Entzündungskaskade unterbinden. Indem Kevzara® speziell gegen Interleukin-6 ausgerichtet ist, kann es die oben beschriebenen Wirkungen gezielt eindämmen.

Bessere Lebensqualität trotz Spritzen

In Studien zeigte sich Sarilumab ähnlich effektiv wie seine Vorgänger, und zwar sowohl in Kombination mit anderen Medikamenten als auch als alleiniges Mittel. Es reduziert die Entzündungszeichen, beugt einer fortschreitenden Gelenkzerstörung vor und – ganz wichtig – verbessert die Beweglichkeit und die subjektiv empfundene Lebensqualität von Betroffenen.

Kevzara® kann nicht als Tablette eingenommen werden, sondern muss subcutan ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden. Es reicht allerdings, wenn Sie sich alle zwei Wochen einmal pieksen. Das ist ein Vorteil gegenüber dem Vorgänger, der wöchentlich gespritzt oder alle vier Wochen über die Vene verabreicht werden muss.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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