Wie wirken Interleukin-Hemmstoffe gegen Rheuma?

Man nennt sie auch zielgerichtete Therapeutika – biologische Medikamente greifen an ganz bestimmten Stellen gezielt in die entzündlichen Abläufe ein, die bei Rheuma für die fatalen Folgen verantwortlich sind. Einer dieser Angriffspunkte sind die sogenannten Interleukine.

Interleukine zählen wiederum zu den Zytokinen. Hinter all diesen Fremdwörtern verbergen sich schlicht Proteine (Eiweiße), die in unserem Körper bestimmte Funktionen übernehmen.

Zytokine (griech. kytos: "Gefäß, Höhlung", kinos: "Bewegung") sind für das Zellwachstum und die Differenzierung der verschiedenen Zellarten verantwortlich. Je nach dem, wo gerade Not am Mann ist, sorgen sie für Nachschub etwa von Blutzellen oder Entzündungsbotenstoffen.

Kommandozentrale der Feuerwehr

Eine der fünf Hauptgruppen der Zytokine bilden die Interleukine, deren Name (lat. inter: "zwischen", griech. leukos: "weiß") Programm ist: Als Botenstoffe des Abwehrsystems vermitteln sie zwischen den weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die die körpereigene Verteidigung stellen. Sie leiten gewissermaßen die Feuerwehr, die bei Entzündungen und anderen Bränden ausrückt. Die Interleukine koordinieren die Einsätze, indem sie jedem Feuerwehrmann seine Aufgabe zuweisen, diejenigen losschicken, die gerade gebraucht werden, und andere zurückhalten.

Um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, gibt es gleich mehrere Gruppen von Interleukinen (und es werden vermutlich in Zukunft noch viel mehr entdeckt). Da gibt es das Interleukin-1, einen Entzündungsbotenstoff, der Abwehrzellen gegen Erreger oder Tumoren ins Feld führt. Andere, wie beispielsweise Interleukin-4, haben genau die gegenteilige Wirkung und drosseln die Immunantwort.

Richtige Balance zwischen Offensive und Defensive

Die Abstimmung und Koordination dieser Prozesse ist enorm wichtig für ein intaktes Abwehrsystem. Denn einerseits braucht unser Körper eine starke Verteidigung im Kampf gegen Eindringlinge und Schadstoffe von außen; andererseits muss die Abwehr klug und gezielt eingesetzt und beizeiten auch wieder abgezogen werden. Andernfalls kann es so weit kommen, dass die Reaktionen aus dem Ruder laufen und irgendwann dem eigenen Organismus schaden.

Genau das ist bei Rheuma und anderen entzündlichen Autoimmunerkrankungen der Fall. Die Immunantwort wendet sich hier mit voller Wucht irrtümlich gegen den eigenen Organismus. Die eifrige Feuerwehr ist gewissermaßen außer Kontrolle geraten und richtet im Körper erheblichen Schaden an.

Abwehr gezielt unterstützen oder hemmen

So vielfältig die Interleukine sind, so unterschiedlich kann man sie sich auch für therapeutische Zwecke zunutze machen. Bei einer Immuntherapie gegen Krebs werden die Vermittler angehalten, das ganze Arsenal an Abwehrkräften gegen die entarteten Zellen in Stellung zu bringen.

Ganz andere Ziele werden dagegen in der Behandlung von autoimmunen Krankheiten verfolgt. Hier geht es darum, die Abwehr zurückzuhalten, indem Entzündungszellen oder -botenstoffe gehemmt werden.

Noch kennen Mediziner und Forscher die Hintergründe der Autoimmunerkrankungen zu wenig und verfügen nicht über die Mittel, Krankheiten wie Rheuma oder entzündliche Darmerkrankungen zu heilen. Das selbstzerstörerische Geschehen können sie jedoch wirksam eindämmen.

Stark gegen die Entzündung

Die Hemmung der Interleukine spielt dabei eine entscheidende Rolle. Indem diese wichtigen Koordinatoren gezügelt werden, wird auch die fatale Kaskade an Reaktionen, die sie auslösen, unterbunden. Die Entzündung kommt damit zum Erliegen oder bricht im besten Fall erst gar nicht aus.

Das ist das Ziel der langfristigen Behandlung bei Rheuma. Die Basismedikamente sollen vor wiederkehrenden Entzündungsschüben schützen und Gelenke wie auch Organe vor der stetigen Zerstörung bewahren.

Interleukin-Hemmstoffe gehören schon seit längerer Zeit zum Repertoire der Rheumatherapie. Und es werden immer weitere Substanzen entwickelt, die der Erkrankung zielsicher Einhalt gebieten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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