Was sind Biologika, und wie wirken sie gegen Rheuma?

Biologika sind aus der Behandlung rheumatischer Erkrankungen nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Eiweißstoffe gehören zusammen mit anderen Substanzen, die das Immunsystem beeinflussen, zu den Basismedikamenten. Sie kommen meist dann ins Spiel, wenn andere Therapien versagt haben.

Der jüngste Spross in der Basistherapie

Wie der Name bereits vermuten lässt, bilden die Basismedikamente die Grundlage in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis, aber auch anderer entzündlicher Erkrankungen, die durch eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers gekennzeichnet sind.

Anders als Schmerzmedikamente wie NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) wirken sie nicht nur kurzzeitig gegen akute Schmerzen und Entzündungen, sondern greifen langfristig in den Krankheitsprozess ein. Auch wenn sie die Erkrankung nicht heilen können, lassen sich mit ihnen doch gravierende Folgen wie Gelenkzerstörungen und Organschäden aufhalten, manchmal sogar gänzlich vermeiden.

Innerhalb der Basismedikamente gibt es drei verschiedene Medikamentengruppen. Während Goldverbindungen, Chloroquin (ursprünglich ein Mittel gegen Malaria) und immunsupprimierende Medikamente wie Azathioprin (aus der Transplantationsmedizin) und Methotrexat (aus der Krebsbehandlung) zu den "alten Hasen" der Rheumatherapie gehören, sind Biologika vergleichsweise neue Medikamente. Auf ihnen ruht die Hoffnung nicht nur vieler Mediziner und Forscher, sondern vor allem auch der Menschen, die mit der Erkrankung zu kämpfen haben.

Alles läuft wie am Schnürchen...

Alle Biologika werden gentechnisch aus lebenden Zellkulturen gewonnen. Es handelt sich um Eiweißstrukturen, die sich geschickt in die Entzündungsprozesse im Körper einmischen und sie an bestimmten Stellen blockieren.

Sie müssen sich unsere Körperabwehr und die vielen Zellen, die daran beteiligt sind, wie ein großes, perfekt durchorganisiertes Unternehmen vorstellen mit klaren, aufeinander abgestimmten Arbeitsabläufen. Ergeht ein neuer Auftrag an die fleißigen Arbeiter, beginnt eine ganze Kaskade an einzelnen Arbeitsschritten. Eine Zelle kommuniziert mit der anderen, empfängt Signale und gibt ihrerseits Anweisungen an die nächsten in der Arbeitskette weiter.

Um den reibungslosen Austausch zu erleichtern, kursieren Botenstoffe zwischen den einzelnen Zelle, die einerseits vermitteln, andererseits aber auch direkt Entzündungsreaktionen anstoßen können, wenn sie dazu aufgefordert werden.

...bis sich die Biologika einmischen

Bei einem derart strukturierten Unternehmen müssen die einzelnen Arbeitsschritte Hand in Hand gehen. Wird eine Stelle blockiert, stockt die gesamte Kaskade. Genau das ist die Strategie der Biologika.

Die einzelnen Substanzen sind dabei auf unterschiedliche Ziele ausgerichtet. Manche hemmen beispielsweise Botenstoffe wie den Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) oder Interleukine, die die Entzündungsreaktionen bei Rheuma anfachen; andere sind auf bestimmte Abwehrzellen der Lymphozyten (eine Gruppe der weißen Blutkörperchen) ausgerichtet.

Weil es in unserem Immunsystem so viele Teamspieler gibt, werden ständig neue Substanzen hergestellt und erprobt, die das selbstzerstörerische Geschehen an einer bestimmten Stelle unterbrechen.

Nicht nur schnell, sondern auch nachhaltig

Neben ihrer zielgerichteten Wirkung haben Biologika einen weiteren Vorteil gegenüber den herkömmlichen Basismedikamenten. Sie wirken nämlich in der Regel recht schnell.

Immunsuppressiva und andere entzündungshemmende Substanzen können zwar den Krankheitsverlauf langfristig eindämmen, sind aber im Akutfall wenig hilfreich. Dann ist rasche Hilfe mit Schmerzmitteln und/oder Kortison geboten, die allerdings wiederum keinen anhaltenden Effekt haben.

Die biologischen Medikamente wirken sowohl schnell als auch dauerhaft. Indem sie die Entzündung stoppen, lindern sie die akuten Schmerzen zuverlässig. Andererseits eignen sie sich auch zur Langzeittherapie und halten die Krankheit insgesamt in Schach.

Mögliche Gefahren und unerwünschte Wirkungen

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich gibt es auch bei den neuen Hoffnungsträgern der Rheumatologie einen Wermutstropfen. Denn die gute Wirkung hat leider auch ihren Preis. Substanzen, die in die körpereigene Abwehr eingreifen, hemmen nicht nur die überschießenden Immunreaktionen, sondern dämpfen die Körperabwehr insgesamt.

Bei den Biologika ist hier besondere Vorsicht geboten. Gefürchtet sind schlummernde Infektionen wie eine Tuberkulose, die das geschwächte Immunsystem ausnutzen und wieder ausbrechen kann. Eine Infektionserkrankung muss daher vor der Therapie sicher ausgeschlossen werden. Außerdem verbieten sich Lebendimpfungen, bei denen intakte, wenn auch abgeschwächte Erreger injiziert werden.

Da die Medikamente noch relativ neu sind, gibt es zudem noch keine Erfahrungen zu den Langzeitwirkungen und -nebenwirkungen. So könnte es sein, dass die Mittel im Lauf der Jahre das Krebsrisiko erhöhen. Man weiß nämlich inzwischen, dass auch die Entwicklung bösartiger Erkrankungen mit den immunologischen Abläufen im Körper zusammenhängt.

Aufgrund all dieser Gefahren und Vorbehalte werden Biologika erst dann eingesetzt, wenn andere Basismedikamente nicht die erwünschte Wirkung zeigen.

Forschung auf Hochtouren

Seit etwa 20 Jahren haben die Biologika ihren festen Platz in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis und anderer Autoimmunerkrankungen. Fortlaufend kommen neue Substanzen auf den Markt, die das Therapiespektrum erweitern und gerade Betroffenen, bei denen die herkömmlichen Präparate nicht ausreichend wirken, weitere Optionen eröffnen. Es bleibt spannend, wie sich die kleinen Eiweißmoleküle weiterentwickeln.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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