Medikamente bei Gicht: Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Um die Frage zu beantworten, müssen wir unterscheiden zwischen den Medikamenten, die im akuten Gichtanfall verabreicht werden, und der medikamentösen Dauertherapie bei der chronischen Gicht. Hier kommen jeweils unterschiedliche Substanzen zum Einsatz, die aber alle für sich auch Nebenwirkungen auslösen können.

Nebenwirkungen sind grundsätzlich immer möglich, und kein Wirkstoff hat nur seine Sonnenseiten. Wie alle Medikamente können auch Gichtmittel unerwünschte Wirkungen hervorrufen, müssen es aber nicht.

Prinzipiell reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf Medikamente. Zudem sind die Nebenwirkungen abhängig von der Dosis, der Anwendungsdauer und der Art und Weise, wie der Wirkstoff verabreicht wird (beispielsweise als Tablette, Spritze, Salbe).

Außerdem: Je geringer die Dosis und je kürzer der Einnahmezeitraum, desto minimaler die Nebenwirkungen.

Akuttherapie: kurz und schmerzlos

Und da sind wir schon bei der Unterscheidung der beiden Therapieformen. Denn die akute Gicht wird nur über einen kurzen Zeitraum von 1-2 Wochen behandelt, bis die Entzündung und die Schmerzen abgeklungen sind. Die Gefahr für Nebenwirkungen ist daher wesentlich geringer als bei der medikamentösen Langzeittherapie.

Ein akuter Gichtanfall wird entweder mit sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Diclofenac oder Indometacin), Colchicin oder einem Glucocorticoid (Kortison, z.B. Prednison und Prednisolon) behandelt.

NSAR mag der Magen nicht

NSAR, die klassischen Schmerzmittel, zu denen auch ASS und Ibuprofen gehören, sind grundsätzlich nicht gut für den Magen-Darm-Trakt. Sie können Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auslösen, aber auch Geschwüre und Blutungen. Das ist aber nur bei einem längeren Einnahmezeitraum zu befürchten. Auch die möglichen Nebenwirkungen an Nieren, Leber und dem Herz-Kreislauf-System sind bei einer kurzzeitigen Einnahme in der Regel zu vernachlässigen.

Colchicin: Überdosis kann gefährlich werden

Etwas genauer müssen wir beim Colchicin hinsehen. Der Wirkstoff, das Gift der Herbstzeitlosen, greift in die Zellteilung an und weiht die Zellen damit dem Untergang. Als Zellgift kann es überdosiert tödlich sein und ist daher grundsätzlich als Dauertherapie ungeeignet.

In niedriger Dosierung ist es bei der Gicht aber durchaus eine gut wirksame Option mit überschaubaren Nebenwirkungen. Zu nennen sind hier v.a. schwere Durchfälle, die aber erst bei höheren Dosen eintreten. Auch mögliche Nerven- und Muskelschädigungen kommen in der üblichen Dosierung bei Gicht praktisch nicht vor. Bei einer eingeschränkten Leber- oder Nierenfunktion darf Colchicin jedoch nicht eingenommen werden.

Kortison: Dauer und Dosis machen das Gift

Stattdessen können dann sogenannte Glucocorticoide (Kortison) zum Einsatz kommen. Das Nebenwirkungsspektrum dieser Substanzen ist grundsätzlich sehr breit, hängt aber auch wieder entscheidend von Dosis und Dauer der Anwendung ab. Kopfschmerzen und Schwindel, Hautausschläge und Depressionen, Knochenbrüchigkeit, erhöhte Infektionsgefahr, Bluthochdruck und Übergewicht – all diese Gefahren bestehen v.a. bei der langfristigen Einnahme von Glucocorticoiden.

Elegant ist außerdem eine Injektion direkt ins Gelenk, die mit Kortison möglich ist. Dadurch gelangt der Wirkstoff unmittelbar an den Ort des Geschehens, ohne den Umweg über das Blut zu nehmen. Somit halten sich auch die möglichen Nebenwirkungen in Grenzen.

Dauertherapie nur, wenn wirklich nötig

Anders sieht es mit den Medikamenten aus, die bei der chronischen Gicht verordnet werden. Da sie über mehrere Jahre oder sogar lebenslang eingenommen werden, müssen die erwarteten Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen genau gegeneinander abgewogen werden.

Ein erhöhter Harnsäurespiegel alleine, der keine Beschwerden verursacht, wird in der Regel ohnehin nicht mit Medikamenten, sondern durch eine Ernährungsumstellung behandelt. Eine medikamentöse Dauerherapie wird erst nach einem oder mehreren Gichtanfällen empfohlen. Auch eine chronische Gicht, bei der sich bereits Steine im Harntrakt oder Harnsäurekristalle in Gelenken oder Weichteilen gebildet haben, sollte mit Medikamenten behandelt werden.

Eine Dauertherapie mit harnsäuresenkenden Mitteln ist außerdem erforderlich, wenn sich ein erhöhter Harnsäurespiegel nicht durch entsprechende diätische Maßnahmen normalisieren lässt. Dazu gehört eine möglichst purinarme Ernährung und der Verzicht auf Alkohol.

Allopurinol harmoniert nicht mit allem

Zur Langzeittherapie werden entweder Urikostatika oder Urikosurika verschrieben. Erstere verringern die Neubildung der Harnsäure; letztere fördern die Ausscheidung über die Nieren.

Mittel der Wahl ist meist Allopurinol, das zu den Urikostatika gehört. Bei diesem Medikament sind weniger die Nebenwirkungen das Problem (selten einmal kann es zu Magen-Darm-Beschwerden oder schweren allergischen Reaktionen kommen) als vielmehr die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern oder Substanzen, die das Immunsystem unterdrücken, ist Vorsicht geboten. Bei schweren Funktionsstörungen der Niere ist Allopurinol ebenfalls ungeeignet.

Urikosurika brauchen eine gute Niere

Das gilt auch für die Gruppe der Urikosurika (Probenecid, Benzbromaron), die eingesetzt werden, wenn Urikostatika nicht in Frage kommen oder keine ausreichende Wirkung zeigen. Die Substanzen sorgen für eine vermehrte Ausscheidung der Harnsäure über den Urin. Das funktioniert aber logischerweise nur bei intakten Nieren. Bei eingeschränkter Nierenfunktion verlieren sie ihre Wirkung.

Das Nebenwirkungensspektrum ist dagegen auch bei diesen Medikamenten überschaubar. Auch hier können Magen-Darm-Beschwerden auftreten; in seltenen, dann aber gravierenden Fällen außerdem Leberschäden.

Aller Anfang ist schwer

Allen harnsäuresenkenden Medikamenten ist gemein, dass sie während der ersten Zeit der Behandlung einen akuten Gichtanfall auslösen können. Das liegt daran, dass durch die Wirkstoffe die in den Geweben gespeicherte Harnsäure zunächst verstärkt freigesetzt wird. Aus diesem Grund werden meist zu Beginn der Therapie zusätzlich nicht-steroidale Antirheumatika oder Colchicin gegeben, um einen akutem Gichtanfall vorzubeugen. Außerdem kann es in den ersten Wochen der Behandlung zur Bildung von Harnsteinen in der Niere und den Harnwegen kommen.

Wenn es während der Langzeittherapie zu einem akuten Gichtanfall kommt, darf die Behandlung dennoch nicht beendet werden. Die positive (harnsäuresenkende) Wirkung der Medikamente setzt erst nach regelmäßiger und längerer Einnahme ein.

Frei von Nebenwirkungen: eine etwas andere Ernährung

Wie jede medikamentöse Behandlung ist auch die Gichttherapie differenziert zu betrachten und im Einzelfall abzuwägen. Bei einem akuten Gichtanfall gibt es wenig zu diskutieren. Hier gilt es, die unerträglichen Schmerzen möglichst rasch und effektiv zu lindern.

Bei der Langzeitstrategie gegen die Gicht sind auch Sie selbst gefragt. Denn oft lässt sich die Erkrankung allein durch eine entsprechende Ernährung gut in den Griff bekommen, ja sogar heilen. Und ganz nebenbei erübrigt sich dann auch die Frage nach den Nebenwirkungen der Medikamente.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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