Wie äußert sich Gicht?

Gicht ist nicht gleich Gicht. Es gibt verschiedene Stadien der Erkrankung, die sich jeweils unterschiedlich äußern: von einer bloßen Erhöhung des Harnsäurespiegels ohne Beschwerden über den akuten Gichtanfall bis hin zum chronischen Stadium.

Mit zu viel Harnsäure fängt es an

Ein erhöhter Harnsäurewert im Blut (≥ 6,8 mg/dl) geht meist auf eine genetische Veranlagung zurück, verbunden mit einer hohen Purinzufuhr über die Nahrung. Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Wenn die Ausscheidung nicht richtig funktioniert und obendrein immer mehr "Nachschub" geliefert wird, häuft sich die Substanz irgendwann an.

Eine sogenannte Hyperurikämie, wie Mediziner den erhöhten Harnsäurespiegel auch nennen, muss nicht unbedingt mit Beschwerden einhergehen. Erst wenn sich die Harnsäure im Blut nicht mehr löst und harte Kristalle ausbildet, die sich in Gelenken oder anderen Geweben ablagern, kann es zum schmerzhaften akuten Gichtanfall kommen.

Äußerst unangenehm: die akute Gicht

Ein Gichtanfall tritt meist plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Oft werden die Betroffenen in der Nacht oder am frühen Morgen von starken Schmerzen in den Gelenken geweckt. Sehr häufig (in etwa 60% der Fälle) ist es das Grundgelenk der großen Zehe, das von der schweren Schmerzattacke betroffen ist. Aber auch andere Gelenke wie die Fingergelenke, insbesondere die Daumengrundgelenke, sowie die Mittelfuß-, Sprung- und Kniegelenke können von den gewaltigen Schmerzattacken heimgesucht werden.

Geschwollene, überwärmte, livide verfärbte Gelenke

Typischerweise ist das betroffene Gelenk stark geschwollen und sehr berührungsempfindlich. Schon der Druck der Bettdecke kann heftige Schmerzen auslösen. Häufig ist das entzündete Gelenk rötlich-violett verfärbt und fühlt sich extrem heiß an. Außerdem klagen Betroffene oftmals über ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Erbrechen und Herzrasen.

Meist lassen die akuten Schmerzen nach einigen Stunden wieder von allein nach. Die Schmerzattacken können aber auch mehrere Tage lang anhalten oder immer wieder anfallsartig zurückkehren. Daher sollte ein akuter Gichtanfall möglichst frühzeitig behandelt werden. Zum Glück stehen hierfür wirksame Medikamente zur Verfügung.

Ein Gichtanfall kommt selten allein

Auf einen Gichtanfall kann wiederum eine Phase ohne jegliche Symptome folgen. Manchmal bleibt es auch dabei, und der Betroffene wird von einer weiteren Schmerzattacke verschont. Wenn die Ursache dahinter aber nicht behoben wird und der Harnssäurespiegel nach wie vor erhöht ist, besteht die Gefahr eines weiteren Anfalls.

Wieso allerdings der eine immer wieder von Gichtattacken heimgesucht wird, während ein anderer mit denselben Harnsäurewerten beschwerdefrei bleibt, ist unklar.

Möglichst zu vermeiden: chronische Gicht

Im chronischen Stadium besteht eine dauerhafte Gelenkentzündung mit immer wiederkehrenden Gichtanfällen. Jede Bewegung kann unangenehm werden, und sogar in Ruhe sind manche Betroffene schmerzgeplagt. Mit der Zeit können sich in den Gelenken und Weichteilen Harnsäurekristalle, sogenannte Gichttophi, ablagern. Aber auch vor inneren Organen macht die verhärtete Harnsäure keinen Halt, allen voran der Niere und dem Harntrakt.

Die Behandlung der chronischen Gicht ist eine große Herausforderung für den Arzt und den Betroffenen selbst. Abgesehen von den möglichen Folgeschäden an Gelenken oder Organen, die behandelt werden müssen, sind Medikamente, die den Harnsäurespiegel senken, nur ein Teil einer umfassenden Therapie. Entscheidend ist nämlich, dass nicht immer mehr Harnsäure anfällt. Das gelingt über eine konsequente Ernährungsumstellung mit möglichst purinarmen Nahrungsmitteln.

Es lohnt sich, damit frühzeitig anzufangen. Wer seinen erhöhten Harnsäurewerten von Anfang an gegensteuert, kann Schmerzattacken vorbeugen und verhindern, dass es überhaupt bis zum chronischen Stadium kommt.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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