Muss man nach einem Gichtanfall weiter Medikamente einnehmen?

Nicht zwangsläufig. Eine langfristige Therapie mit harnsäuresenkenden Medikamenten sollte bei der chronischen Gicht erfolgen, oder wenn immer wieder Gichtanfälle (mehr als 2 pro Jahr) auftreten. Dann kann sie weitere Anfälle und mögliche Folgeschäden an Gelenken, Sehnen und anderen Stellen des Körpers verhindern.

Harnsäurekristalle in Schach halten

Nicht immer geht ein akuter Gichtanfall in eine chronische Gicht über. Er kann auch ein einmaliges Ereignis bleiben und dem Betroffenen bei entsprechender Umstellung der Ernährung in Zukunft erspart bleiben. Auch ein erhöhter Harnsäurespiegel allein rechtfertigt keine Dauertherapie.

Finden sich jedoch bereits Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Gichttophi) an Gelenken, Sehnen und Knochen, oder haben sich in der Niere Steine gebildet, sollte eine langfristige Therapie zur Absenkung des Harnsäurespiegels eingeleitet werden. So können vorhandene Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken aufgelöst und eine weiter fortschreitende Kristallbildung verhindert werden. Allerdings soll mit der Therapie frühestens zwei Wochen nach Abklingen des akuten Schmerzes begonnen werden.

Bildung der Harnsäure wird unterdrückt

Zum Einsatz kommen bei der Gichttherapie entweder Medikamente, die die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere erhöhen (Urikosurika) oder Substanzen, die die Bildung von Harnsäure im Körper vermindern (Urikostatika).

Allopurinol ist ein Urikostatikum, das in der Regel als Mittel der ersten Wahl verabreicht wird. Manchmal treten nach Einleitung der Therapie zunächst vermehrt Gichtanfälle auf. In diesem Fall wird während der ersten drei bis sechs Monate der harnsäuresenkenden Langzeittherapie zum Schutz vor weiteren Gichtanfällen zudem die begleitende Einnahme von Colchicin in niedriger Dosierung empfohlen.

Bei guter Einstellung lebenslange Therapie

Der Erfolg der Harnsäuresenkung wird über die Bestimmung des entsprechenden Wertes aus dem Blut im Labor kontrolliert. Nach drei Monaten wird der Harnsäurespiegel erstmals bestimmt. Wenn der Zielwert erreicht ist, sind einjährige Kontrollen ausreichend.

Wenn die Blutwerte mit den Medikamenten gut eingestellt sind, kann und soll die Therapie bei guter Verträglichkeit lebenslang erfolgen. Nach fünf Jahren kann ein Auslassversuch probiert werden. Es kann allerdings sein, dass es in der Folge wieder zu einem akuten Gichtanfall kommt.

Wichtig bei der Therapie mit Allopurinol ist es, im Vorfeld insbesondere die Leber- und Nierenwerte zu kontrollieren. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion muss die Dosis eventuell abgesenkt werden.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie Gerinnungshemmern, Immunsuppressiva, die das Abwehrsystem eindämmen, oder Zytostatika, die z.B. bei Krebserkrankungen eingesetzt werden, zu beachten. Ihr Arzt wird Sie sorgfältig hierüber aufklären und alle nötigen Blutuntersuchungen veranlassen.

Autoren: Dr. med. Petra Schewe, Eva Bauer (Ärztin)

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