Gicht: Muss man Medikamente ein Leben lang nehmen?

Medikamente zur Bekämpfung akuter Gichtanfälle müssen nur vorübergehend eingenommen werden, bis die Schmerzen wieder abgeklungen sind. Danach ist allerdings in der Regel eine Therapie mit weiteren Medikamenten notwendig, die dauerhaft eingenommen werden müssen.

Akut: bis die Schmerzen verklungen sind

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, einem akuten Gichtanfall entgegenzuwirken: mit kortisonfreien Antirheumatika (NSAR), Colchicin (pflanzliches Zellgift) oder einem Glucocorticoid (Kortison). In den meisten Fällen lässt sich ein akuter Gichtanfall mit diesen Medikamenten rasch wieder in den Griff bekommen.

In der Regel wird mit einer hohen Dosis begonnen, um die Schmerzen schnell zu bessern. Außerdem ist es wichtig, mit der medikamentösen Therapie sofort zu beginnen. Auf diese Weise lassen sich die akuten Beschwerden innerhalb weniger Stunden erheblich reduzieren.

Wenn die akuten Symptome wieder abgeklungen sind, kann die hohe Anfangsdosis reduziert werden. Normalerweise werden die Medikamente so lange eingenommen, bis die Schmerzen und Entzündungen vollkommen verschwunden sind.

Allpourinol meist lebenslang

Für die medikamentöse Langzeittherapie sind meist Allopurinol oder Febuxostat Mittel der ersten Wahl. Beide Medikamente tragen dazu bei, die Harnsäureproduktion im Körper zu verringern. Ziel der Dauertherapie ist es, den Harnsäurespiegel wieder ins Gleichgewicht (d.h. auf einen Wert ≤ 6 mg/dl) zu bringen, um weiteren Gichtanfällen vorzubeugen und eine chronische Gicht zu verhindern.

Neben der medikamentösen Langzeittherapie sollte zudem eine entsprechende Ernährungsumstellung (purinarme Kost, kein Alkohol, Abbau von Übergewicht, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme) erfolgen. Auch hier geht es um eine langfristige Änderung der Koch- und Essgewohnheiten. Denn die Purinaufnahme lässt sich in erster Linie über die Nahrung regulieren. Da Purin im Körper zu Harnsäure umgewandelt wird, haben wir somit direkten Einfluss auf unseren Harnsäurespiegel.

Abhängig vom jeweiligen Verlauf

Um die Harnsäurewerte dauerhaft zu senken, müssen die Medikamente oft ein Leben lang eingenommen werden. Dabei sind jedoch immer das jeweilige Beschwerdebild, Verlauf und Schweregrad der Erkrankung zu berücksichtigen.

Ob eine lebenslange Dauertherapie mit harnsäuresenkenden Medikamenten erforderlich ist, hängt u.a. von folgenden Faktoren ab:

  • Häufigkeit der Gichtanfälle: Treten mehr als zwei Gichtanfälle pro Jahr auf, ist eine medikamentöse Dauertherapie notwendig. Ein einmaliger und leichter Gichtanfall hingegen erfordert noch nicht zwingend eine langfristige Behandlung.
  • Harnsäurekonzentration im Blutserum: Eine medikamentöse Dauertherapie wird erst bei Harnsäurewerten über 9,0 mg/dl für notwendig erachtet.
  • Ablagerung der Kristalle in den Nieren (Uratnephropathie)
  • Harnsäuresteine im Harntrakt
  • Gichtknoten (Tophi)

Auslassversuch nach 5 Jahren

Wenn sich bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen normale Blutwerte zeigen, kann man nach einiger Zeit versuchen, die Medikamente abzusetzen. Sofern sich noch keine Harnsäurekristalle in Gelenken oder Weichteilen abgelagert haben, sollte die Therapie über mindestens 5 Jahre erfolgen, bevor ein Auslassversuch unternommen wird.

Haben sich bereits Ablagerungen gebildet, wird die Behandlung bis zu deren Auflösung und fünf Jahre darüber hinaus fortgeführt. Wenn dann keine Beschwerden mehr bestehen und sich die Harnsäurewerte konstant normalisiert haben, können die Medikamente auch in diesen Fällen versuchsweise abgesetzt werden.

Auf die Ernährung kommt es an

Ob eine Dauertherapie mit Medikamenten lebenslang erforderlich ist, hängt nicht zuletzt auch entscheidend davon ab, ob sich der Harnsäurespiegel durch eine Ernährungsumstellung normalisieren lässt. Bei manchen Menschen mit erblicher Veranlagung zur Gicht reichen diese Maßnahmen allein tatsächlich nicht aus. In der Regel entwickelt sich eine Gicht jedoch aus dem Zusammenspiel von genetischer Ausstattung und Lebensweise. Einen guten Teil haben Sie also selbst in der Hand und können den Verlauf der Erkrankung mitbestimmen. Eine konsequente Anpassung der Ernährungsgewohnheiten kann die Medikamente manchmal sogar überflüssig machen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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