Welche Medikamente gegen Gicht gibt es?

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die zur Behandlung einer Gicht mit unterschiedlichem Zweck und Nutzen eingesetzt werden. Grundsätzlich muss zwischen einer Akuttherapie beim Gichtanfall und einer langfristigen Dauertherapie zur Vorbeugung unterschieden werden.

Die Behandlung der Gicht ist komplex und umfassend. Medikamente sind dabei einer von mehreren Bausteinen für eine erfolgreiche Linderung akuter Beschwerden wie auch zur Vorbeugung weiterer Gichtanfälle und künftiger Folgeschäden an Gelenken, Weichteilen und Organen.

Im folgenden möchten wir Ihnen die Medikamente vorstellen, die kurzzeitig oder auch längerfristig bei der Gicht eingesetzt werden. Starten wir mit den entzündungs- und schmerzstillenden Medikamenten zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls.

Stark gegen die Schmerzen: NSAR

Kortisonfreie Antirheumatika (kurz NSAR) wie Diclofenac oder Indometacin sind häufig das Mittel der ersten Wahl bei einem akuten Gichtanfall. Zu Beginn der Behandlung werden sie in einer sehr hohen Dosis verschrieben. Wenn die akuten Symptome wieder abgeklungen sind, kann die Dosierung reduziert werden. Die Medikamente werden so lange eingenommen, bis die Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen in den Gelenken verschwunden sind.

Colchicin: auch längerfristig möglich

Colchicin wirkt ebenfalls gegen die Schmerzen und soll zudem wiederkehrenden Anfällen vorbeugen. Das Pflanzengift kann über lange Zeit hinweg (Monate oder Jahre) eingenommen werden oder in einer hohen Dosis kurzfristig zur Anwendung kommen.

Corticosteroide gegen die Entzündung

Prednison und Prednisolon werden verwendet, wenn kortisonfreie Antirheumatika und Colchicin nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Häufig kommen sie auch bei eingeschränkter Nierenfunktion zum Einsatz. Die Substanzen können als Tabletten geschluckt oder als Injektion ins Gelenk gespritzt werden und damit direkt am Ort des Geschehens wirken.

Wenn nichts mehr hilft: Canakinumab

Wenn keines der genannten Mittel vertragen wird oder ausreichend wirkt, gibt es eine weitere Substanz, die im Akutfall eingesetzt werden kann:

Hinter dem merkwürdigen Namen Canakinumab verbirgt sich ein Antikörper, der gegen einen bestimmten Entzündungsbotenstoff gerichtet ist. Dadurch können die Schmerzen und Schwellungen wirksam gelindert werden. Außerdem senkt das Medikament die Gefahr weiterer Gichtanfälle und hat damit auch eine gewisse vorbeugende Wirkung. Allerdings sind die Nebenwirkungen nicht unerheblich und müssen im Einzelfall abgewogen werden.

Medikamente allein reichen nicht

Wenn die Entzündungssymptome abgeklungen sind, kann mit der Dauertherapie begonnen werden. Sie hat zum Ziel, die erhöhte Harnsäure im Körper langfristig zu senken und damit weiteren Schmerzattacken wie auch Folgeschäden an Gelenken und Organen vorzubeugen.

Dabei sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • eine konsequente Ernährungsumstellung
  • bei Übergewicht: die Reduktion des Körpergewichts
  • die Einnahme von harnsäuresenkenden Medikamenten

Medikamentöse Dauerbehandlung

Wenn die Ernährungsumstellung alleine nicht ausreicht, um die Harnsäurewerte in den Griff zu bekommen und es immer wieder zu akuten Gichtanfällen kommt, kann eine Dauerbehandlung mit Medikamenten angezeigt sein. Manche Leitlinien empfehlen sie sogar bereits nach einem ersten Anfall. Denn während die Schmerzmedikamente im Akutfall lediglich symptomatisch wirken und die aktuellen Beschwerden lindern, packen die Arzneimittel zur langfristigen Behandlung das Problem an der Wurzel: dem überschießenden Harnsäurespiegel.

Zur Senkung des Harnsäurespiegels stehen heute zwei moderne Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • Urikosurika, die die Ausscheidung der Harnsäure fördern (Probenecid, Benzbromaron)
  • Urikostatika, die die Neubildung der Harnsäure verringern (Allopurinol, Febuxostat)

Mittel der Wahl: Allopurinol

Das Urikostatikum Allopurinol hemmt die Produktion von Harnsäure im Blut. Es gehört zu dem am häufigsten verwendeten Arzneimittel bei zu hohen Harnsäurewerten. Meist reicht eine Dosierung von 200 bis 300 mg Allopurinol pro Tag aus. Bei schwerer Gicht können aber auch bis zu 500 mg pro Tag erforderlich sein.

Febuxostat als Alternative

Die Substanz verringert ebenfalls die Produktion von Harnsäure. Sie kann ausprobiert werden, wenn eine Behandlung mit Allopurinol nicht den gewünschten Erfolg verspricht oder nicht vertragen wird. Auch eine eingeschränkte Nierenfunktion kann ein Grund für die Wahl von Febuxostat sein.

Die Harnsäure ausschwemmen:  Probenecid und Benzbromaron

Urikosurika sorgen für eine vermehrte Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Sie kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn Allopurinol und Febuxostat nicht vertragen werden. In der ersten Behandlungswoche ist eine Dosis von zweimal 250 mg Probenecid täglich üblich, danach zweimal täglich 500 mg.

Außerdem können folgende Arzneimittel bei Gicht verschrieben werden:

  • Losartan: blutdrucksenkendes Mittel, das unter Umständen dabei hilft, den Harnsäurespiegel zu regulieren
  • Fenofibrat: senkt die Blutfettwerte und kann gegebenenfalls auch den Harnsäurespiegel positiv beeinflussen.

Diese Medikamente werden eigentlich bei anderen Erkrankungen eingesetzt, haben aber einen harnsäuresenkenden Nebeneffekt, den man sich auch in der Behandlung der Gicht zunutze machen kann. Da es jedoch für keine der Substanzen ausreichende Studien gibt, werden sie nicht allgemein empfohlen.

Übrigens: Alle Medikamente können auch miteinander kombiniert werden, um bestehende Beschwerden zu lindern und künftigen Gichtanfällen effektiv vorzubeugen.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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