Wie wird Gicht behandelt?

Bei der Behandlung der Gicht muss zwischen einem akuten Gichtanfall und einer chronischen Gichterkrankung unterschieden werden. Während im Akutfall in erster Linie die Schmerzen eingedämmt werden sollen, zielt die langfristige Therapie auf eine Reduktion der vermehrten Harnsäure im Blut.

Im Akutfall rasch handeln

Ein akuter Gichtanfall ist für den Betroffenen äußerst unangenehm. Er tritt in der Regel ohne Vorankündigung spontan und rasch ein. Typischerweise ist ein einzelnes Gelenk betroffen, das sich bei der Untersuchung gerötet und überwärmt zeigt. Ohne Behandlung kann es ein bis zwei Wochen dauern, bis die Entzündung abgeklungen ist. Zum Glück gibt es im Akutfall jedoch Medikamente, die rasch Linderung verschaffen.

Die Behandlung sollte möglichst frühzeitig (12 bis 24 Stunden nach Schmerzbeginn) erfolgen. Ziel ist es, die heftigen Schmerzen zu lindern und die Entzündungen in den Gelenken so schnell wie möglich zum Abklingen zu bringen.

Diese Mittel helfen Ihnen

Folgende Arzneimittel werden meist zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls verwendet:

  • Diclofenac oder Indometacin: kortisonfreie Antirheumatika (abgekürzt NSAR), die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken
  • Prednisolon: Kortisonpräparat, das die Entzündung hemmt und entweder in Tablettenform eingenommen werden kann oder direkt ins Gelenk gespritzt wird; bei eingeschränkter Nierenfunktion Mittel der ersten Wahl
  • Colchicin: Pflanzengift, das verhindern soll, dass Harnsäurekristalle in die Gelenke wandern. Da Colchicin schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann, wird es heutzutage nur noch in seltenen Fällen (als Reservemittel) zur Gichttherapie eingesetzt.

Zusätzlich kann es helfen, das betroffene Gelenk hochzulagern und zu schonen (auch Bettruhe kann in manchen Fällen erforderlich sein). Des Weiteren ist es empfehlenswert, das Gelenk mit kalten Umschlägen zu kühlen.

Jetzt sind Sie dran

Nach einem akuten Gichtschub sind erst einmal Sie selbst gefragt. Denn nun geht es darum, ein solch schmerzhaftes Erlebnis in Zukunft möglichst zu vermeiden, was auch in Ihrem Interesse liegen dürfte.

Während die Schmerzmedikamente schnell wirken und immer nur kurzzeitig gegeben werden, erfordert die Vorbeugung eines Gichtanfalls ein langfristiges Engagement von Ihnen. Denn von der wohltuenden Linderung durch die Medikamente sollten Sie sich nicht täuschen lassen. Sie wirken nur symptomatisch, bekämpfen also die akuten Beschwerden, ohne jedoch an die Wurzel des Problems zu rühren. Diese nämlich liegt im erhöhten Harnsäuregehalt im Blut, der sich durch den Verzehr purinreicher Lebensmittel wie Wurst, Fisch oder Innereien mit der Zeit entwickelt.

Harnsäurekristalle können gefährlich werden

Purine fallen im Stoffwechsel an und werden vom Körper in Harnsäure umgewandelt. Ab einem gewissen Spiegel bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken ablagern und eine akute Entzündung hervorrufen. Längerfristig können sich die Kristalle auch in Organen wie der Niere ansammeln und großen Schaden anrichten.

Es lohnt sich daher, die Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und den Speiseplan entsprechend umzustellen. Dabei müssen Sie keine spezielle Diät einhalten, sollten sich aber möglichst purinarm ernähren und öfter zu Milchprodukten, frischem Obst und Gemüse geifen.

Damit die überflüssige Harnsäure besser aus dem Körper ausgespült werden kann, ist es außerdem wichtig, genügend (mindestens 2 Liter Flüssigkeit pro Tag) zu trinken. Eine gute Wahl sind hier Mineralwasser und ungesüßte Kräutertees. Auf alkoholhaltige Getränke sollte ganz verzichtet werden, da Alkohol das Ausscheiden der Harnsäure verhindert.

Medikamentöse Dauerbehandlung

Wenn sich die Harnsäurewerte mit einer Ernährungsumstellung allein nicht ausreichend senken lassen und es immer wieder zu Gelenkschmerzen kommt, kann eine langfristige Behandlung erforderlich sein. Dabei geht es darum, weitere Anfälle sowie ein Fortschreiten der Erkrankung mit Kristallablagerungen zu vermeiden.

Wenn die akuten Schmerzattacken abgeklungen sind oder schon längere Zeit zurückliegen, kann mit einer Dauertherapie begonnen werden. Sie verfolgt von Anfang an das Ziel, die zu hohen Harnsäurewerte im Blut wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die den Blutspiegel auf verschiedenen Wegen niedrig halten. Sogenannte Urikostatika wie Allopurinol sorgen dafür, dass weniger Harnsäure gebildet wird; Urikosurika wie Benzbromaron und Probenecid hingegen fördern die Ausscheidung der Substanz über die Nieren.

Gicht ist heilbar

Mit einer regelmäßigen, konsequenten Behandlung, verbunden mit der entsprechenden Anpassung beim Einkaufen, Kochen und Essen können Sie die Harnsäure dauerhaft in Schach halten und wieder völlig gesund werden. Damit bleiben Ihnen nicht nur weitere Schmerzattacken erspart, sondern auch Dauerschäden an den Nieren und anderen Organen. Es lohnt sich also, sich an die Empfehlungen zu halten!

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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