Gicht: Wie kann man zu viel Harnsäure reduzieren?

Von zu viel Harnsäure (einer Hyperurikämie) sprechen Mediziner, wenn der Anteil im Blut mehr als 6,5 mg/dl beträgt. Meist sind eine purinreiche Ernährung, Überernährung mit Übergewicht, hoher Alkoholkonsum sowie das metabolische Syndrom Ursachen für einen zu hohen Harnsäurewert. Das Gute daran: Sie können selbst etwas daran ändern!

Purine sind wesentliche Bestandteile der Nukleinsäuren, aus denen unsere Erbsubstanz aufgebaut ist. Der Körper stellt sie zum Teil selbst her. Daneben werden sie auch mit der Nahrung von außen aufgenommen – beim einen mehr, beim anderen weniger. In einem komplizierten Prozess werden die Purine von unserem Organismus zu Harnsäure abgebaut und anschließend ausgeschieden. So weit, so gut.

Feste Kristalle an Gelenken und Organen

Das Problem ist, wenn der Körper mit dem Abbau nicht mehr hinterherkommt. Das kann dann passieren, wenn die Ausscheidung über die Nieren nicht mehr richtig funktioniert, wie es bei einer erblichen Veranlagung vorkommen kann. Wenn dann zusätzlich noch viele Purine zugeführt werden, häuft sich die Harnsäure immer mehr an.

Im Lauf der Zeit bilden sich daraus feste Harnkristalle, die in den Gelenken heftige Schmerzattacken auslösen können. Auch in den Nieren, im Harntrakt oder in der Blase können sich die Kristalle als Steine ansammeln und erheblichen Schaden anrichten.

Tipps zur Ernährung

Ein gering erhöhter Harnsäurespiegel (unter 9 mg/dl) lässt sich meist durch eine purinarme Ernährung (ovo-lakto-vegetabile Ernährung, d.h. eine vegetarische Kost mit Eiern, Milch und Milchprodukten) und eine Gewichtsnormalisierung ausreichend senken. Purinreiche Lebensmittel sind so gut wie möglich zu vermeiden. Dazu zählen vor allem: Fleisch (insbesondere Innereien), bestimmte Fischsorten (z.B. Lachs, Thunfisch), Schalen- und Krustentiere sowie Hülsenfrüchte (Linsen, Erbsen, Sojabohnen). Die Purinzufuhr sollte dabei die Grenze von 500 mg am Tag nicht überschreiten.

Zu den Lebensmitteln, die Personen mit leicht erhöhtem Harnsäurespiegel bedenkenlos verspeisen können, zählen zum Beispiel Milchprodukte, Teigwaren, pflanzliche Lebensmittel wie Früchte, Gemüse, Blattsalat, Getreide, Sprossen und Kartoffeln (ausgenommen purinreiche Sorten wie Kohl, Spinat und Spargel). Auch Eier (max. 3 die Woche) sind erlaubt.

Außerdem: Kochen ist besser als Braten, da beim Kochen ein Teil der Purine ins Kochwasser übergeht und sich der Puringehalt dadurch um etwa 10-20% verringern kann. Das Kochwasser darf natürlich nicht zur weiteren Speisenzubereitung (z.B. für Suppen, Soßen, etc.) weiterverwendet werden.

Genug trinken, aber das Richtige

Des Weiteren sollten Betroffene auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter pro Tag) achten. Die am besten geeigneten Durstlöscher sind Wasser, Mineralwasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Auch Kaffee und Kakao sind in den üblichen Verzehrmengen erlaubt. Auf alkoholhaltige Getränke (vor allem Bier) hingegen sollte gänzlich verzichtet werden, da sie die Ausscheidung von Harnsäure behindern.

Wenn die Ernährung allein nicht ausreicht: Medikamente

Stark erhöhte Harnsäurewerte (ab einem Wert von über 9 mg/dl Harnsäure im Blut) erfordern die zusätzliche Einnahme entsprechender Medikamente (Urikosurika und/oder Urikosurika). Die Arzneimittel müssen meist lebenslang eingenommen werden, um Gichtanfällen vorzubeugen und um zu verhindern, dass die Gicht chronisch wird.

Für die medikamentöse Dauertherapie verschreibt der Arzt meist Allopurinol oder Febuxostat, die die Harnsäureproduktion im Körper verringern. Wenn sich die Harnsäurewerte durch die Einnahme von Allopurinol in Kombination mit einer purinarmen Diät nicht normalisieren, können sogenannte Urikosurika (z.B. Probenecid und Benzbromaron) zusätzlich oder stattdessen zum Einsatz kommen. Dies sind Arzneimittel, die die Ausscheidung der Harnsäure mit dem Urin fördern.

Außerdem: Naturheilmittel wie zum Beispiel Belladonna oder Arnica können den Behandlungserfolg möglicherweise positiv beeinflussen und zusätzlich eingenommen werden. Wer jedoch seine Harnsäure effektiv senken möchte, kommt um eine lebenslange Ernährungsumstellung und gegebenenfalls um die Medikamente nicht herum.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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