Was ist eine Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie zählt zu den rheumatischen Erkrankungen. Sie wird auch als "funktionelles somatisches Syndrom" bezeichnet.

Was eine Fibromyalgie (lat. fibra: "Faser", griech. mys: "Muskel", griech. algos: "Schmerz") genau ist, ist gar nicht so leicht zu sagen. Das sieht man schon allein daran, wie viele verschiedene Fachgesellschaften an der aktuellen Leitlinie zu der Erkrankung beteiligt sind. Da wären neben den Rheumatologen die Neurologen und Orthopäden sowie Vertreter der Physikalischen Medizin. Daneben reden auch noch Psychiater und Psychosomatiker mit.

Versuch einer Definition

Sie alle nähern sich dem schwer greifbaren Krankheitsbild eher indirekt über die Beschreibung der wichtigsten Kernsymptome, zusammengefasst in einem Syndromkomplex. Ein Syndrom ist eine Einheit aus bestimmten Beschwerden, die in ihrer Kombination typisch und charakteristisch für bestimmte Erkrankungen sind.

Viele psychische Störungen werden hauptsächlich über solche Symptomkomplexe beschrieben, aber z.B. auch das häufige Reizdarmsyndrom. Analog sprechen Mediziner lieber von einem Fibromyalgiesyndrom (FMS).

Demnach lässt sich die Fibromyalgie folgendermaßen definieren:

  • Sie ist ein Symptomkomplex (Syndrom) aus einzelnen, für sich genommen unspezifischen Symptomen, die in ihrer Konstellation charakteristisch sind.
  • Kennzeichnend sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen sowie Druckschmerzhaftigkeit.
  • Kernsymptome sind weiterhin Schlafstörungen, Müdigkeit und körperliche/geistige Erschöpfung.

Typische Beschwerden ohne greifbare Ursache

Manchmal ist beim FMS von einem sogenannten funktionellen somatischen Syndrom die Rede. Mit dieser Bezeichnung sind zwar wiederum nicht alle Experten glücklich; sie lässt jedoch immerhin einen recht weiten Interpretationsspielraum und legt die Erkrankung hinsichtlich ihrer Ursachen und Entstehungsmechanismen nicht fest.

Unter dem Fibromyalgiesyndrom (FMS) als einem funktionellen somatischen Syndrom versteht man:

  • einen typischen körperlichen Beschwerdekomplex
  • mit definierter Zeitdauer
  • ohne ursächlich erklärende, greifbare körperliche Faktoren (z.B. Entzündungen, veränderte Laborwerte)

Ausschlussdiagnose Fibromyalgie

Man kann sich der Fibromyalgie auch von der entgegengesetzten Seite her nähern, indem man sich über den Ausschluss anderer Erkrankungen langsam an sie heranpirscht. Bei der Diagnosestellung ist es wichtig, mögliche organische Ursachen auszuschließen. Ein FMS kann zwar neben weiteren beispielsweise rheumatischen oder neurologischen Erkrankungen bestehen, muss aber klar von ihnen abgegrenzt werden. Erst wenn die entsprechenden Untersuchungen keine wegweisenden Ergebnisse zeigen, kann die sogenannte Ausschlussdiagnose FMS gerechtfertigt sein.

Abzugrenzen ist das Fibromyalgiesyndrom außerdem von "somatoformen Schmerzstörungen" bzw. "Somatisierungsstörungen", sprich von körperlichen Beschwerden ohne eine organische Erklärung. Wenngleich viele Betroffene auch psychisch stark belastet sind, darf die Fibromyalgie außerdem nicht mit einer depressiven Störung verwechselt werden.

International eine Muskel-Skelett-Erkrankung

Um Sie vollends zu verwirren, sei zum Schluss noch erwähnt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer internationalen Klassifikation die Fibromyalgie bei den Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes dem Unterkapitel "Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes, anderenorts nicht klassifiziert" zuordnet.

Die Fibromyalgie ist ein hoch komplexes Krankheitsbild, das die Mediziner und natürlich die Betroffenen weiterhin vor große Herausforderungen stellt.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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