Ist Röntgen bei Verdacht auf Arthrose wirklich nötig?

Ja! Zur Abklärung von Gelenkbeschwerden, die auf eine Arthrose hindeuten könnten, führt an einer Röntgenuntersuchung kein Weg vorbei. Sie zeigt dem Arzt typische Veränderungen, mit denen er die Diagnose sicher stellen kann. Und je früher ein Gelenkverschleiß erkannt wird, umso besser sind Ihre Aussichten.

Röntgenuntersuchungen in Deutschland – zu häufig?

Im Durchschnitt wird jeder Bundesbürger 1,7 Mal pro Jahr geröntgt. Im Hinblick auf die vergangenen 20 Jahre ist damit ein leichter Rückgang an Röntgenuntersuchungen zu verzeichnen. Die Strahlendosis, die dabei pro Kopf im Jahr verwendet wird, reduzierte sich laut Bundesamt für Strahlenschutz ebenfalls. Sie beträgt mit den heutigen digitalen Röntgengeräten knapp 0,6 Millisievert (mSv).

Zum Vergleich: Bei einem Flug von Frankfurt nach New York und zurück bekommen Sie etwa 0,1 mSv Strahlung ab. Wenn Sie privat oder beruflich öfter zu entfernten Zielen unterwegs sind, sind Sie also schnell bei der jährlichen Strahlendosis durch Röntgenuntersuchungen.

In den Medien ist immer wieder von zu häufigem Röntgen und damit verbundenen Strahlenschäden die Rede. Röntgenstrahlen können aufgrund ihrer Radioaktivität durchaus gesundheitsschädigend sein. Vor allem in hohen Dosen steigt das Risiko für Zellschäden des Erbguts und für Krebserkrankungen.

Ein differenzierter Blick hilft

Jede Untersuchung, die den Betroffenen einer potentiell schädlichen Bestrahlung aussetzt, muss daher abgewogen werden und sollte nie leichtfertig oder gar ohne ein zielführendes Ergebnis durchgeführt werden. Bei der Abwägung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So ist nicht jede Röntgenuntersuchung mit denselben Strahlendosen und Risiken verbunden.

Ausschlaggebend für das Risiko negativer Folgen durch die Röntgendiagnostik ist neben der Häufigkeit der Untersuchungen und der benötigten Strahlendosis auch die Körperregion, die Strahlung abbekommt. Schilddrüse und Speiseröhre zum Beispiel weisen eine mittlere Strahlenempfindlichkeit auf. Die weibliche Brust, die Lunge und das blutbildende Knochenmark reagieren empfindlicher auf Röntgenstrahlung. Nur gering strahlenempfindlich sind dagegen unsere Knochen.

Strahlen gibt es übrigens nicht nur beim Arzt. Jährlich sind wir durch umwelt- und zivilisationsbedingte Umstände einer natürlichen Strahlenbelastung von durchschnittlich 2,1 mSv ausgesetzt. Entstehende "Schäden" beseitigen die körpereigenen Reparaturmechanismen allerdings zu 99%, ohne dass wir etwas davon mitbekommen.

Den Röntgenstrahlen entgeht keine Arthrose

Mit dem altbewährten Röntgenverfahren lassen sich speziell unsere Knochen sehr gut darstellen und beurteilen. Um die Frage zu klären, ob Sie an einer Arthrose leiden, sind Röntgenaufnahmen daher unumgänglich. Dadurch lässt sich nicht nur die Diagnose sichern, sondern auch das Ausmaß der degenerativen Veränderungen feststellen.

Denn nicht immer entsprechen sich subjektiv empfundene Beschwerden und Röntgenbild. Mit einer sich entwickelnden Arthose können Betroffene lange Zeit gut zurechtkommen, obwohl die Erkrankung bereits deutliche Zerstörungen im Gelenk angerichtet hat. Leider wird eine Arthrose daher oft erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt, wenn der beste Zeitpunkt für prophylaktische und therapeutische Maßnahmen verpasst ist.

Nur mit klarer Indikation

Natürlich gehen jeder apparativen Diagnostik eine ausführliche Befragung (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und verschiedene Tests voraus. Außerdem werden Sie nicht gleich mit Röntgenstrahlen beschossen, wenn es einmal in der Hüfte oder im Knie schmerzt. Je nach dem, was am wahrscheinlichsten dahinter stecken könnte, wird Ihr Arzt zunächst zu anderen Mittel greifen.

Bei anhaltenden Beschwerden, die charakteristisch für einen Gelenkverschleiß sind, ist die Röntgenuntersuchung allerdings das Mittel der Wahl. Unter Abwägung von Nutzen und Risiken, die selbstverständlich zur ärztlichen Fürsorgepflicht gehört, sollte man in diesem Fall nicht davor zurückschrecken. Es gibt sehr zuverlässige radiologische Zeichen, die den Verdacht bestätigen können.

Untersuchungen wie die Computertomographie (CT, ebenfalls mit Strahlung) und die Kernspintomographie (MRT, strahlungsfrei) lassen zum Zustand von Knochen und knöchernen Gelenkanteilen hingegen weniger präzise Aussagen zu. Sie sind aber eventuell angebracht, um andere Erkrankungen oder Verletzungen als Schmerzursache auszuschließen.

Strikte Vorgaben zu Ihrem Schutz

Für jede Körperregion gibt es Richtwerte der Strahlenmenge, die ausreichend ist, um Aufnahmen von guter Qualität zu erhalten. Bei einer Aufnahme zur Beurteilung eines Gelenks und der angrenzenden Knochen ist in der Regel eine vergleichsweise geringe Strahlendosis nötig.

Außerdem werden, je nach betroffenem Gelenk, angrenzende Gewebe, die besonders empfindlich auf die Strahlung reagieren, mit einem Bleischutz abgedeckt. Insbesondere die Keimdrüsen müssen geschützt werden. Mit diesen Sicherheitsvorkehrungen minimiert sich das Risiko für mögliche Folgeschäden deutlich. Das kleine Restrisiko sollten Sie in Anbetracht der Möglichkeiten, die sich nach einer sicheren Diagnosestellung für Sie eröffnen, in Kauf nehmen.

Autoren: Tanja Lodermeier, B.Sc. Health Care Studies, Eva Bauer (Ärztin)

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