Kein Kineret, wenn Sie schwanger werden wollen

Aktueller Arzt-Tipp

Kineret® mit dem Wirkstoff Anakinra wird mitunter bei schwerem entzündlichem Rheuma verschrieben. Bisher galt strikt: Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der gesamten Anwendung und auch etwa ein halbes Jahr danach streng darauf achten, nicht schwanger zu werden.

Da Anakinra möglicherweise in die Muttermilch übergeht, wurde auch empfohlen, Säuglinge in dieser Zeit nicht zu stillen. Das galt natürlich auch andersherum: Wenn Sie schwanger werden wollten, sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt einen Medikamentenwechsel vornehmen.

Neue Erkenntnisse

In den letzten Jahren sind nun neue Studien dazugekommen, und die ersten Erkenntnisse daraus zeigen, dass dieses Mittel aus der Gruppe der Biologicals offenbar weniger fruchtschädigend ist, als bislang befürchtet.

Die überwiegende Mehrzahl der Frauen, die während der Gravidität mit Anakinra behandelt wurden, brachte gesunde und auch im Entwicklungsverlauf unauffällige Kinder zur Welt. Dabei gab es offenbar keinen relevanten Unterschied, ob die Exposition in der frühen, späten oder sogar der gesamten Schwangerschaft stattgefunden hat. Und auch die Laktations-Phase mit teils jahrelangem Follow-up erwies sich für die untersuchten Säuglinge als weitgehend komplikationslos. Darüber hinaus scheint auch das Sperma von entsprechend therapierten männlichen Patienten mit Kinderwunsch keine nennenswerten Veränderungen aufzuweisen, weder hinsichtlich der Qualität noch bezüglich einer potenziellen Embryotoxizität.

Keine endgültige Entwarnung

Das ist erstmal eine gute Nachricht für werdende Eltern, die während oder direkt nach einer Behandlung dieses Biologica-Typs von einer Schwangerschaft überrascht wurden.

Zu erwähnen ist aber auch, dass in diesen kleinen, oft nur zweistelligen Kollektiven die Fehlgeburtsrate leicht erhöht war und dass auch einige Fälle von kindlichen Nierenanomalien nicht abschließend aufgeklärt werden konnten.

Zu beachten ist ferner, dass Kineret® oft zusammen mit Methotrexat verabreicht wird, einem Arzneimittel, bei welchem bekanntermaßen Schäden im Erbgut auftreten können.

Fazit:

Wenn auch das Verbot bei der alleinigen Verwendung von Anakinra vor und während einer Schwangerschaft/Stillzeit heute weniger „absolut“ gesehen wird, ist es dennoch ratsam, eine mögliche Empfängnis sicher zu verhüten bzw. in Absprache das Medikament zu wechseln. Auch auf das Stillen sollte bei der weiterhin noch dürftigen Studienlage vorsichtshalber lieber verzichtet werden.

Kurz-Info zum Medikament

Anakinra ist ein gentechnisch hergestellter sogenannter humaner Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist. Das heißt, der entzündungsfördernde körpereigene Botenstoff Interleukin 1, der beim klassischen Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis) vermehrt vorkommt, wird durch dieses Medikament gehemmt. Das Arzneimittel ist ausschließlich zugelassen bei erwachsenen Personen und wird einmal täglich unter die Haut gespritzt.

Ihre Dr. med. Monika Steiner

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Kommentare (2)
Kineret
2 Dienstag, den 05. März 2019 um 11:01 Uhr
Dr. J. Zorn
Hallo Frau Wesarg,
Sie haben recht, die Datenlage hat sich wohl in den letzten Jahren dahingehend geändert, dass die Bedenken während der Schwangerschaft reduziert wurden. Zunehmende Erfahrungen zeigen weniger gravierende Schäden, als man befürchtet hatte. Einige Anomalien bleiben allerdings unklar und völlige Entwarnung gibt es auch nicht.
Wir werden den Beitrag, der schon ein paar Jahre alt ist, in den kommenden Tagen aktualisieren.
Danke für den Hinweis
J. Zorn
Anakinra geht in die Muttermilch über
1 Sonntag, den 03. März 2019 um 18:08 Uhr
Christiane Wesarg
Hallo, auf Ihrer Internetseite steht, dass Kineret in die Muttermilch übergeht. Können Sie auf eine wissenschaftliche Studie verweisen, aus der dies hervorgeht? Aktuelle Berichte und auch der Beipackzettel des Medikaments geben an, dass es bisher unklar ist, ob Kinderet in die Muttermilch übergeht. Da es hier als Tatsache dargestellt wird, wäre ein Verweis auf eine Studie von Belang bzw. eine differenziertere Darstellung der Lage hilfreich. Mit freundlichen Grüßen,
Christiane Wesarg
Anzeigen