Was tun, wenn Stimmungstief und Hochgefühl die Nerven strapazieren?

Stimmungsschwankungen haben alle Menschen. Wenn Sie aber spüren, Sie hängen immer wieder in einer Stimmung fest oder Sie sind Ihren Stimmungen mehr oder weniger ausgeliefert, dann sollten Sie genauer hinschauen.

  • Belastet Sie eine wiederkehrend schlechte Stimmung oder eine zu übersteigerte, zu euphorische Stimmung oder auch beides?
  • Wird das mehr?
  • Spüren Sie zunehmend, dass da etwas nicht in Ordnung ist?
  • Und wichtig ist auch, kennen Sie den einen oder anderen Zustand aus früheren Phasen?

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Oder haben Sie erst jetzt bemerkt, dass sich ihre Stimmungen im Laufe der Zeit in die eine oder andere Richtung verstärken oder im Wechsel stimmungsmäßig nach oben oder unten verlaufend mehr werden? Das heißt, eine ganz bestimmte gute oder schlechte Stimmung nimmt zu, ist immer öfter da ist und Sie kommen da auch nur schwer heraus?

Wenn Stimmungen als stark belastend erlebt werden

Der Fachbegriff oder Oberbegriff für ungesunde und damit krankhafte Veränderungen der Stimmungen lautet Affektive Störungen. Mit affektiven Störungen sind im Grunde drei ungesunde Stimmungsrichtungen gemeint. Hierzu zählt einmal die Depression als eine dauerhafte oder immer öfter auftretende bedrückende Stimmung. Jedoch kann sie von den Symptomen her vielfältig ausgeprägt sein. Im Vordergrund stehen aber bestimmte Symptome, wie eine bedrückte Stimmung, wenig Antrieb, gehemmtes Denken, Schlafstörungen. Das heißt, je weniger Sie sich noch zu etwas aufraffen können, je unkonzentrierter und denkmüder Sie sind, je weniger Lebensfreude Sie spüren und je mehr Traurigkeit da ist, je öfter Sie sich erschöpft und müde fühlen – desto stärker ausgeprägt ist die Depression. Suizidgedanken sind das deutlichste Warnzeichen.

Chronisch depressive Verstimmung

Wenn die Depression eher gering ausgeprägt ist – jedoch schon seit einiger Zeit besteht, also mindestens zwei Jahre, spricht man auch von Dysthymia. Das meint eine anhaltende affektive Störung mit depressiver Ausprägung oder, anders gesagt, eine chronisch depressive Verstimmung leichten Grades. Damit leben vermutlich viele Menschen, was Sie aber nicht müssten. Es lässt sich etwas dagegen tun. Jedoch gilt auch hier, wie bei allen depressiven Episoden, sich Hilfe zu holen.

Auch Hochstimmungen können viel zu viel sein

Auch für das Gegenteil, die extreme Hochstimmung, gibt es einen Fachbegriff, die Manie oder manische Episode. Eine weniger stark ausgeprägt Form der Manie, die Hypomanie, kann auch positive Züge haben, wie eine mitreißende Hochstimmung oder sinnvolle Antriebssteigerung. Eine Manie – ohne dazukommende psychotische Symptome – ist vor allem aber eine überreizte, unangemessene gehobene Stimmung, in der Sie sich zum Teil auch als hemmungslos oder enthemmt erleben und in einer Art übersteigertem Hochgefühl sind.

Sie haben in dieser immer wieder auftretenden Hochstimmung dauernd neue Ideen, haben Rededrang, sind hyperaktiv oder tun Dinge, die Sie sonst nicht tun. Möglicherweise spüren Sie auch, dass Sie sich zum Teil darin verlieren oder erleben, dass Ihre Ideen zu viel sind für andere.

Bin ich größenwahnsinnig oder sind die anderen einfach feindlich gestimmt?

Eine ausgeprägtere Form ist eine Manie mit psychotischen Symptomen. Damit einher geht ein erheblicher Realitätsverlust. Sie steigern sich in Dinge, fühlen sich leistungsfähig und in bester Verfassung, phantasieren Ereignisse und verfolgen verrückte Ideen.

Aber vertraute Menschen reagieren verstört darauf? Ihre Angehörigen weisen Sie vielleicht zunehmend darauf hin, dass da etwas falsch läuft bei Ihnen? Oder sie bezeichnen Sie als völlig überdreht und durchgeknallt? Feindseligkeit von Angehörigen zu erleben, obwohl Sie aus Ihrer Perspektive nur eine Menge sehr guter Ideen haben, weil Sie sich überlegen fühlen, kann zum Erleben einer Manie gehören.
In der fachlichen Zuordnung gelten Selbstüberschätzung oder Größenwahn als Symptome einer Manie. Sie selbst erleben sich dabei aber gar nicht als krank – sondern die Umwelt kapiert aus Ihrer Sicht einfach nicht, welche Geistesgröße sie wirklich haben.

Jemand, der Ihnen nahe steht, gerät außer sich?

Als Angehöriger eines Menschen, der in einer solchen manischen Phase ist, übersetzen Sie den Text des vorangegangenen Absatzes in Ihre Außenperspektive: Erleben Sie diese Symptomatik bei einem Ihnen vertrauten Menschen? Ist diese Person distanzlos, enthemmt, extrem leichtsinnig im Handeln, gibt vielleicht zu viel Geld aus, zeigt Größenwahn oder wahnhafte Ideen, schläft immer weniger oder viel zu wenig? Sieht sich diese Person selbst als ganz besonders leistungsfähig? Fehlt ihr die Einsicht in ein Fehlverhalten?

Denken Sie daran, dass dieser Mensch schuldunfähig ist und seinen Zustand kaum einsehen kann. Ein Krankheitsgefühl fehlt völlig. Selbst- und Fremdgefährdung sind Thema. Das heißt, warten Sie nicht weiter ab, holen Sie sich für sich selbst Rat, wie Sie damit umgehen können.

Das Leben als Achterbahnfahrt

Wenn Sie zunehmend oder schon länger zwischen beiden Stimmung hin- und herpendeln, also das Gefühl haben, mal bin ich ganz oben, im Stimmungshoch, dann wieder ganz unten, im Stimmungstief – dann kann es sich um eine bipolare Störung handeln. Sie wird auch manisch-depressive Störung genannt. Weil Sie dann Ihren jeweilig wechselnden Stimmungen ausgesetzt sind, die sich eben bipolar zeigen. Es geht also von einem Pol, dem Tiefpunkt, zum anderen Pol, der Hochstimmung, und wieder zurück. Dazwischen gibt es immer weniger ruhige Phasen. Sie können die wechselhaften Zustände auch kaum mitbestimmen. Es passiert einfach.

Mit dem leichten Verlauf leben

Besteht dieser Zustand – in leichterer Form – jedoch schon über einen längeren Zeitraum und tritt häufig auf, nennt man es in der Fachsprache auch Zyklothymia. Mit anderen Worten handelt es sich dann um eine chronische Form wechselnder Stimmungen zwischen leicht depressiver und leicht gehobener Stimmung.

Man spricht auch von dauerhaft instabiler Stimmung – obwohl die  Stimmungsschwankungen von Ihnen selbst als weniger belastend erlebt werden. Die Phasen der gehobenen Stimmung können von Ihnen sogar als besonders angenehm empfunden werden und die Kreativität fördern, die depressiven Phasen erleben Sie vielleicht als weniger belastend. Bei diesem leichten Verlauf kann das Störungsgefühl so gering sein, dass keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung gebraucht wird.

Fragen Sie Fachleute, wenn Sie unsicher sind

Wenn Sie unsicher sind, wie schwerwiegend Ihre Stimmungen oder Stimmungsschwankungen (oder die eines nahestehenden Menschen bei manischen Episoden) sind, klären Sie es. Am besten mit einem Arzt, Psychiater, Psychologen oder Psychologischen Psychotherapeuten oder auch einem Heilpraktiker für Psychotherapie.

Autorin: Christa Kosmala, psychologische Beraterin (M.A. / Master of Counselling)

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